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Review Miller Anderson - Bright City

Interpret: Miller Anderson

Titel: Bright City

Erscheinungsjahr: 1971/2013

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Bright City ist der Titel eines Albums von Miller Anderson. Das Solodebüt des schottischen Musikers erschien ursprünglich im Jahr 1971. Zum 28. März 2013 gab es eine Wiederveröffentlichung über MIG bzw. im Vertrieb von Sony. Das Album wurde dafür digital remastered und enthält einen Bonustrack.

Miller Anderson gehört zu den wichtigen Gitarristen und Sängern aus Schottland bzw. aus Großbritannien. Vor allem in Musikerkreisen genießt Anderson einen hervorragenden Ruf, vielleicht würde der Begriff Musician's Musician ganz gut zu ihm passen. Erste Erfolge erspielte sich Anderson als Musiker bei der Keef Hartley Band. Dort wurde er als Songwriter und Frontmann zur Hauptfigur, was letztlich wohl auch im vorläufigen Bruch mit Bandleader Hartley im Jahr 1971 mündete.

Nach dem Weggang aus der Hartley Band spielte Anderson dieses Debütalbum ein. Dazu holte er sich in Bassist Gary Thain (später Uriah Heep) sowie den Keyboardern Peter Dino Dines und Mick Weaver drei Mitstreiter aus Hartley Tagen. An den Drums saß Eric Dillon (wie Weaver zuvor u. a. bei Fat Mattress), Gitarrist Neil Hubbard hatte sich zuvor als Member des Jesus Christ Superstar Projektes einen Namen gemacht und Flötist Lyn Dobson war u. a. bei Manfred Mann und Soft Machine tätig.

Die Songs auf dem Album stammen allesamt aus der Feder Andersons. Anderson legte ein Album vor, welches zwischen orchestral geschwängerten Folksounds und typischem Hardrock der frühen 1970er pendelte. Trotz einer professionellen Einspielung konnte Anderson mit dem Album kein Zeichen setzen. Letztlich wurde dieses Solodebüt kein großer Erfolg und es blieb für lange Zeit der letzte Soloversuch Andersons. Danach verdingte sich Anderson bei anderen Acts wie Savoy Brown oder etwa bis zum Tod Marc Bolans in der Spätausgabe von T. Rex.

Der Grund für den mäßigen Erfolg lag kaum im schwachen Songwriting oder gar einer schlechten musikalischen Performance. Ein Problem war vielleicht, dass sich Anderson vom Korsett der Keef Hartley Zeit lösen wollte und ein möglichst breit angelegtes Album vorlegen wollte. Da gibt es viele Ideen, welche für damalige Verhältnisse State-Of The Art waren. Aber Anderson besaß nicht den großen Namen etwa eines Keef Hartley und in seiner Gesamtheit litt das Album etwas unter einer gewissen Orientierungslosigkeit.

Das zeigt sich im Zusammentreffen von typischen härteren Rocksounds der frühen Siebziger (Nothing In This World, High Tide, High Water) auf gefällige Westcoast Harmonien (The Age Of Progress) und psychedelisch angehauchten Folk (Shadows Across My Wall). Dazu arbeitet Anderson gerne mit den damals typischen mächtigen symphonischen Sounds (etwa auf Bright City). Abgesehen vom etwas flachen auf den damaligen Mainstream gebügelten Grey Broken Morning und dem schwülstig gehaltenen Titeltrack legt Anderson ordentliches Material vor, das aber selten so richtig überragend klingt. Irgendwie wirkt das Album in seiner Gesamtheit auch stilistisch zu wenig geschlossen. Vielleicht hätte Anderson besser daran getan, mehrere Songs im Stil des gelungenen Openers Alice Mercy (To Whom It May Concern) zu präsentieren. In diesem zeitgemäßem Rocksong brachte er die unterschiedlichen Einflüsse stimmiger und angenehm kompakt zusammen.

Ein schönes Bonmot des 2013er Release ist der Bonustrack, eine Liveversion von High Tide, High Water. Der Song wurde 2010 in der Harmonie Bonn mitgeschnitten. In der Allman Brothers Jam Version zieht Anderson alle Register und präsentiert den Song überzeugender als auf dem Debütalbum.

Fazit Bright City ist ein relativ zeittypisches Album im Sound der späten 1960er/frühen 1970er. Miller Anderson machte keine schlechtere Figur als viele andere Acts der damaligen Zeit, aber er konnte mit dem Album andererseits nicht aus der Masse herausragen. Anderson packte m. E. zu viele Ideen in den Topf und so erhält man ein Menue aus zuckersüßen Carpenters ähnlichen Sounds, unverbindlichem Westcoast Wohlklang, folkiges und psychedelisch angehauchtes Material bis hin zum typischen Hardrock der frühen Siebziger. Das ist nie schlecht, aber auch nie überragend. Dennoch ist das Album ein schönes Beispiel für die Rocksounds jener Zeit. Und wie aus altem Material ein echter Stiefel wird, zeigt Anderson auf dem Bonustrack des 2013er Release. Der fast 10-minütige Jam-Rock wertet das Album enorm auf und ist ein Beleg dafür, warum Anderson ein so hohes Ansehen in der Musikszene genießt.

 

Trackliste

  1. Alice Mercy (To Whom It May Concern) 6:45
  2. The Age Of Progress 3:27
  3. Nothing In This World 4:15
  4. Bright City 3:05
  5. Grey Broken Morning 4:27
  6. High Tide, High Water 7:53
  7. Shadows Across My Wall 6:04
Bonustrack 2013
  • High Tide, High Water (Liveversion von 2010, 9:56)

Rezensent: MP