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Albumbesprechung Blodwyn Pig - Ahead Rings Out

Interpret: Blodwyn Pig

Titel: Ahead Rings Out

Erscheinungsjahr: 1968

Genre: (Progressive) Blues Rock, Rhythm & Blues, Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Ahead Rings Out ist der Titel eines Albums der Band Blodwyn Pig. Das Album erschien im Jahr 1969.

Ahead Rings Out war das Debütalbum von Blodwyn Pig, die Band könnte man als das Vehikel des Gitarristen Mick Abrahams bezeichnen. Der verließ im Jahr zuvor Jethro Tull nach Meinungsverschiedenheiten mit Ian Anderson über die musikalische Ausrichtung von Tull. Abrahams wollte Blues spielen und der Vorliebe konnte er hier frönen. Das gelang ihm überraschend erfolgreich, immerhin erreichte Ahead Rings Out Rang 9 der UK-Albums Charts.

Wie gesagt: Abrahams wollte eher die bluesige Schiene bespielen, daher gibt es auf dem Album auch Bluesiges satt. Eingespielt wurde das Album in der Besetzung Mick Abrahams (guitar, vocals, seven-string slide guitar), Jack Lancaster ( flute, violin, tenor sax, baritone sax, soprano sax, brass arrangements), Andy Pyle (Bass) und Ron Berg (Drums). Produzent war Andy Johns (Bruder des bekannteren Glyn Johns). Wenn man bedenkt, dass hier nur eine Viererbesetzung am Werk war, gelang Johns eine extrem fette Produktion. Abrahams meinte später einmal, dass sie damals einfach die Möglichkeiten der Achtspur-Maschine komplett ausreizten und nicht an Overdubs sparten. Das ergab einen gewaltigen Sound.

Die Songs

  • Einen guten Eindruck von dieser Art Wall Of Sound erhält man mit dem Openingtrack It's Only Love. Das drückt einen beim Hören in die Kissen, zu der Zeit gab es nur wenig vergleichbares. Das hört sich irgendwie an wie rock'n'rollin' jazzbluesy Rhythm&Blues (oder etwas in der Art).
  • Das erste Kontrastprogramm gibt es mit dem langsamen aksutischen Jazz-Blues Dear Jill. Das Basisthema in Little Red Rooster Form erscheint zunächst etwas ausgelutscht. Aber Abrahams steuert im weiteren Verlauf interessante jazzige Progressions bei, schön das gefühlvolle Sopransaxofonspiel Lancasters.
  • Sing Me A Song That I Know legt wieder an Druck zu und macht klar, warum Blodwyn Pig immer wieder als Hardrock-Band bezeichnet wurden. Trotzdem ist es kein schnöder Hard-Rock, eher eine intelligente Mischung aus Rock, Blues und Jazz – hier mit der Betonung auf Bass und Schlagzeug.
  • Den Abschluss der damaligen A-Seite machte das Instrumental The Modern Alchemist, ein wilder Ritt durch die Welt des Jazz-Blues bzw. ein frühes Beispiel des Jazz-Rock.
  • Der Auftakt zur damaligen B-Seite mit Up And Coming bietet einen langsamen und lasziven Jazz-Blues, auf dem Abrahams den Gitarristen des UK-Revival huldigt.
  • Leave It With Me ist eine flotte Nummer, auf der Lancaster durch sein Spiel auf der Querflöte mit härterem Ansatz an Ian Anderson erinnert. Das war es auch schon mit den Vergleichbarkeiten zu Tull, auch wenn die Band hier Elemente aus Folk, Jazz und Klassik einwirft. Interessant das an Alvin Lee erinnernde Solo von Abrahams und das Bass-Solo von Andy Pyle.
  • The Change Song wird mit einer wunderbaren Cockney-Ansprache von Abrahams eingeleitet, dem ein akustischer Fingerstyle Blues folgt. Abrahams wird hier von Lancaster auf der Violine begleitet, was auch damals nicht gerade der Norm entsprach.
  • Backwash ist ein veträumtes Folkinstrumental, das genau genommen nicht ins Konzept passt. Aber der Song ist so kurz und so schööön.
  • Abschließend gibt es mit Ain't Ya Coming Home Babe den gefühlt härtesten Track des Albums. Die Nummer lebt einmal mehr von der Interaktion Abrahams und Lancasters. Interessant das Mainriff, welches mich enorm an klassische Progacts erinnert (ein Mix aus Canterbury und King Crimson). Sehr interessant und ein würdiges Ende des Originalalbums.

Fazit Blodwyn Pig legten mit Ahead Rings Out ein faszinierendes Debütalbum vor. Der unglaublich dicke Sound sucht seinesgleichen, alleine durch diesen Druck wurde das Album gerne als Hard-Rock Album bewertet. Man könnte das aufgrund des einen oder anderen Riffs durchaus so sehen, aber eigentlich ist Ahead Rings Out ein Stück British Invasion, ein progressives Blues Album mit Einflüssen aus Blues, Jazz und Rock welches in der Form durchaus wegweisend war. Bands wie If könnten sich hier durchaus bedient haben, vielleicht haben Blodwyn Pig sogar die eine oder andere Progband infiziert. Für mich stellt Ahead Rings Out einen Meilenstein dar, welcher leider zu oft übersehen wird.

Trackliste

  1. It's Only Love (Mick Abrahams) 3:23
  2. Dear Jill (Abrahams) 5:19
  3. Sing Me a Song That I Know (Abrahams) 3:08
  4. The Modern Alchemist (Jack Lancaster) 5:38
  5. Up and Coming (Abrahams, Lancaster, Andy Pyle, Ron Berg) 5:31
  6. Leave It With Me (Lancaster) 3:52
  7. The Change Song (Abrahams) 3:45
  8. Backwash (Abrahams, Lancaster, Pyle, Berg) 0:53
  9. Ain’t Ya Coming’ Home, Babe? (Abrahams, Lancaster, Pyle) 6:04

Bonus tracks 2006 Remaster

  1. Sweet Caroline (Abrahams) 2:51
  2. Walk on the Water (Abrahams) 3:42
  3. Summer Day (Abrahams, Pyle) 3:44
  4. Same Old Story (Abrahams) 2:36
  5. Slow Down (Larry Williams) 4:20
  6. Meanie Mornay (Abrahams) 4:45
  7. Backwash (Abrahams) 0:53

Der Song See My Way wurde damals nur in den USA auf das Album gepackt. Auf der CD Remaster ist er in der Regel Track 8, dafür ist Backwash Track 16.

Rezensent: MP