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Albumbesprechung Boston - Boston

Interpret: Boston

Titel: Boston

Erscheinungsjahr: 1976

Genre: Mainstream Rock/AOR

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Boston ist das selbstbetitelte Debütalbum der Band Boston. Das Album erschien im Jahr 1976 und es kann als eine der großen Überraschungen des Musikjahres 1976 bezeichnet werden. Das Album erreichte Rang 3 der US-Charts, verkaufte sich aber alleine in den USA über 17 Millionen mal. Es zählt noch heute zu den bestverkauften Debütalben aller Zeiten.

Eigentlich handelt es sich hier "nur" um ein Album einer Mainstream/AOR Band. Allerdings hat es das Debüt von Boston in sich. 1976 war man etwas gelangweilt von den Rock Dinos. Die Musikwelt befand sich im Umbruch und der Ruf nach einfacher Musik wurde immer lauter. Die ersten Punkbands scharrten mit den Hufen. Gerade in der Zeit nahm der Gitarrist Tom Scholz seine ersten Demos mit verschiedenen Musikern auf. Die Demos aus seinem Heimstudio kamen anscheinend bei der Plattenfirma Epic gut an, man bestand aber auf "professionellen" Studioaufnahmen. Das ist interessant, zumal Scholz ein anerkannter Perfektionist ist und außerdem am MIT studierte. Am Ende kam ein Kompromiss heraus - Scholz durfte die Mehrspuraufnahmen zuhause aufnehmen. Diese sollten dann in einem Studio nachbearbeitet werden. In der Praxis funktionierte das gut, Scholz nahm die meisten Instrumentaltracks zuhause auf. Die Vocals wurden dann in einem externen Studio aufgenommen. Gemixt wurde das Ergebnis in einem anderen Studio.

Der Aufwand lohnte sich, denn das Ergebnis war perfekt produzierte Musik. Die Gitarrensounds klangen ungemein rund und fett, das hatte man zuvor selten so gehört. Das Geheimnis konnten wir Gitarristen später bestaunen - ein kleines Kästchen namens Rockman. Scholz hatte einen Preamp ausgetüftelt, der auch bei niedrigen Lautstärken und über Transistoramps einen amtlichen sahnigen Röhrensound produziert. Dazu präsentiert Scholz Mainstream-Rocksongs mit einer gewissen Grundhärte. Die Songs waren akribisch ausgearbeitet und klangen perfekt. Damit stellten Boston einen krassen Gegenpol zum aufkeimenden Punk dar. Aber sie bildeten eine Alternative für alle, die gutklingende Rockmusik hören wollten. Aufnahmetechnisch war das erste Sahne, die Gitarrensounds klangen sensationell. Die Songs klangen melodisch und eingängig, aber nie zu banal. Dazu gab es ausgefeilte Vokalharmonien. Der Leadgesang passte gut zu den Songs, auch wenn Leadsänger Delp nie unumstritten war. Mit dem Song More Than A Feeling legte die Band einen Riesenhit vor, den man heute zu den Evergreens zählen kann. Und der Rest des Albums fällt kaum ab.

Fazit Ohne weiter auf die Songs einzugehen, kann man festhalten: das klang einfach perfekt, was Boston hier ablieferten. Es ist und bleibt Mainstream Rock, aber der wird perfekt dargeboten. Zu mäkeln gibt es wenig. Vielleicht fehlen dem Album die Ecken und Kanten, sie wurden im Verlauf des Produktionsprozesse komplett abgeschliffen. Dafür hat man eben ein extrem rundes Werk vorliegen. Das Debutalbum von Boston gehört in jede ernsthafte Rocksammlung, es stellt einen Meilenstein der Rockmusik dar. Boston erreichte die Qualität, trotz weiterer ordentlicher Veröffentlichungen, nie mehr.

Trackliste

  1. More Than a Feeling 4:45
  2. Peace of Mind 5:02
  3. Foreplay/Long Time 7:47
  4. Rock & Roll Band 3:00
  5. Smokin' (Scholz, Brad Delp) 4:22
  6. Hitch a Ride 4:11
  7. Something About You 3:48
  8. Let Me Take You Home Tonight (Delp) 4:43

Alle Songs Tom Scholz, sofern nicht anders vermerkt

Rezensent: MP