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Albumbesprechung Dewa Budjana - Surya Namaskar

Interpret: Dewa Budjana

Titel: Surya Namaskar

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Fusion

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Surya Namaskar ist der Titel eines Albums des indonesischen Gitarristen Dewa Budjana. Das Album erschien 2014 bei Moonjune Records/F19Freiland/Shack Media.

Budjana ist ein äußerst produktiver Musiker, das muss man schon sagen. Er hat in Indonesien ein Popprojekt namens Gigi am Start und ist dort ein Superstar der Popszene. Nebenbei frönt er seit ein paar Jahren seiner großen Liebe, dem westlichen Jazz-Fusion. In dem Stil legte er zuletzt ordentliche Alben vor (Dawai in Paradise und Joged Kahyangan).

Nun gibt es dieses Album, zu dem er sich auch noch die Elite der Szene ins Studio holen konnte. Das feste Line-Up ist ein Trio um Budjana (Gitarre), Jimmy Johnson (Bass) und Vinnie Colaiuta (Schlagzeug). Dazu holte er sich Gastmusiker wie Gary Husband und Michael Landau. Ein erlesenes Team, vor allem die Groovesektion um Johnson und Colaiuta ist bekanntlich ein Volltreffer.

Musikalisch hatte mich Budjana mit den vergangenen Solo-Alben nie komplett mitnehmen können. Nicht, dass er technisch enttäuscht hätte. Budjana ist ein fabelhafter Gitarrist, der sich wichtige Gitarristen des westlichen Fusion gut angehört hat. Der Schwerpunkt lag jedoch für meinen Geschmack stets auf einem technisch möglichst sauberen Vortrag. Da bleiben (gerade im Jazz-Fusion) die Emotionen etwas auf der Strecke.

Das funktioniert auf diesem Album besser. Es bleiben Verneigungen vor Holdsworth, McLaughlin und Co. Aber irgendwie klingt das etwas spannender als auf den Vorgängeralben. Budjana bewegt sich freier und zwangloser im Bereich Fusion bis Prog, dazu kann er in Jimmy Johnson und Vinnie Colaiuta auf ein fabelhaft aufeinander abgestimmtes Grooveteam bauen.

Gleich mit dem Opener (mit Keyboarder Gary Husband) zeigt sich, für meinen Geschmack, ein Schritt nach vorne. Auch hier ist Budjana um technische Perfektion bemüht, aber er wagt auch mehr. Der Song klingt so wie ein gelungener Mix aus Mahavishnu und Holdsworth. Im Anschluss wird es rockiger, vor allem durch das prägnante Hauptriff wirkt Duaji & Guruji rockiger.

Balladesker, im Stil von Jeff Beck oder auch Joe Satriani, wirkt Capistrano Road. Im direkten Anschluss wirkt Lamboya im Vergleich druckvoller und fast schon nervös tänzelnd. Kalingga ist ein Track, auf dem Budjana sich relativ klar (nicht nur wegen der Instrumentierung) auf seine Heimat bezieht. Das klingt wie eine Art Weltmusik Fusion zwischen Indonesien, Rock und Holdsworthscher Klangwelt.

Der Unterschied zwischen angenehmer Untermalung und oberflächlichem Fahrstuhl-Westcoast Fusion wird im Vergleich zwischen Campuhan Hill und dem Titeltrack Surya Namaskar deutlich. Campuhan Hill wirkt mit dominierender Akustikgitarre zwar nicht so eindringlich wie die Vorgängersongs, kann aber mit seiner angenehmen Melodik doch überzeugen. Leider fällt der Titeltrack mit seiner klaren Westcoast Fusion Ausrichtung ab. Das ist einfach zu oberflächlich und verdient schon die Bezeichnung Fahrstuhlmusik. Auch Gastmusiker Michael Landau kann da wenig retten, aber der kommt ja aus dieser L.A. Ecke. Möglicherweise verstärkt er die Wirkung auch noch etwas. Das abschließende Dalem Waturenggong schließt zunächst nahtlos an den Titeltrack an. Den Unterschied machen hier aber u. a. die interessanten vertrackten Gitarrenfiguren von Budjana.

Fazit Was auf den Vorgängern mit dem unbedingten Willen auf Perfektion noch etwas zurückhaltend klang, klingt hier wesentlich spannender. Daran mag die geniale Groovesektion um Johnson und Colaiuta einen Anteil haben, vielleicht haben sie Budjana ein Stück weit mitgerissen. Der klingt immer noch nach den großen Vorbildern. Aber er löst sich doch etwas aus dem Korsett und liefert neben melodiösem Material viele komplexe spannende Momente. Schade, dass gerade der Titeltrack etwas in unverbindlichen Westcoast Gefilden versandet. Aber das schmälert den ansonsten guten Eindruck kaum.

Trackliste

  1. Fifty 7.24
  2. Duaji & Guruji 6.56
  3. Capistrano Road 5.28
  4. Lamboya 6.18
  5. Kalingga 9.10
  6. Campuhan Hill 5.27
  7. Surya Namaskar 7.42
  8. Dalem Waturenggong 7.20

Rezensent: MP