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Albumbesprechung Camel - Camel

Interpret: Camel

Titel: Camel

Erscheinungsjahr: 1973

Genre: Rock, Prog

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Camel ist das selbstbetitelte Debütalbum der Band Camel. Veröffentlicht wurde das Album im Jahr 1973. Mir ist nicht bekannt, ob es irgendwo in die Charts kam, Daten fand ich keine. Einen großen Erfolg landete die Band mit Sicherheit nicht. Das Album wurde bei Erscheinen von der Fachpresse entweder ignoriert oder verrissen. Die Plattenfirma MCA löste nach dem Release den Vertrag mit Camel wieder auf.

Die Band trat damals in der Besetzung Andrew Latimer (Gitarre, Gesang), Peter Bardens (Keyboards, Gesang), Doug Ferguson (Bass, Gesang) und Andy Ward (Drums, Percussion) an, sozusagen die klassische Camel Besetzung. Bardens war zuvor u. a. Keyboarder bei Them. Ferguson, Latimer und Ward waren als Trio The Brew unterwegs und unterstützen als solches z. B. Philip Goodhand-Tait. Aus The Brew wurde die Band Camel.

Die Band unterschrieb bei MCA und ging relativ schnell daran, ihr Debütalbum aufzunehmen. Als Hauptsongwriter etablierten sich vor allem Latimer und Bardens. Musikalisch stellten Bardens und Latimer die Weichen für den Sound, der die Band definieren sollte: mehrheitlich instrumentale Musik mit dezenten Gesangsanteilen und klaren Akzenten zunächst auf Orgel und Gitarre (die Querflöte folgte mit dem nächsten Album, ab Rain Dances spielte auch das Saxofon eine wichtige Rolle). Die für Camel typischen Symphonischen Anteile waren hier eher subtiler Natur, dafür gab es hier mehr Jazz-/Jam-rockiges Material.

Die Songs

  • Slow Yourself Down beginnt zunächst relaxt, mit dem Gesang hat das eine Soul-jazzige Note. Das entwickelt sich zu einer Art Jamsession, die mal an Santana erinnert, aber auch an Prog bis hin zum Krautrock. Ein unterhaltsamer Song, der vor allem in diesem Jam-Bereich Laune macht und daher im Liveset der Band eine feste Größe war.
  • Mystic Queen klingt anders. Verhalten und Zart mit Anleihen an den Folk ebenso wie an Pink Floyd. Das hat aber auch schon etwas der typischen Camel: es klingt auf Anhieb eher unspektakulär, der Song reift dafür mit jedem Hören.
  • Six Ate ist ein Instrumental aus der Feder Latimers. Auf seine Art auch so ein Song, der für den Camel Sound steht. Geprägt vom namensgebenden 6/8 Takt, wagt die Band vor einem moderat jazz-rockigen/Latin Background die eine oder andere metrische Spielerei. Latimer zeigte, was in ihm steckt und weshalb man ihn auch mal als einen des Schlags Santana bezeichnete.
  • Separation ist das nächste Latimer Werk. Hier nähert sich die Band eher dem klassischen Rock, klassisch kann man in dem Fall sogar wörtlich nehmen. Gegen Ende zitiert Latimer neoklassisches Material im Stil eines Blackmore. Nicht schlecht, aber irgendwie zuviel Purple und zu wenig Camel.
  • Seite 2 der LP wurde vom nächsten Latimer Werk Never Let Go eröffnet. Geprägt wird der Song an sich von Bardens, der singt und mit dem Mellotron die Akzente setzt. Bemerkenswert die künstlichen Flötensounds und die Frage, warum Latimer nicht damals schon Querflöte beigetragen hat. Wer weiß. Immerhin trägt der später ein schönes Gitarrensolo bei.
  • Curiosity ist ein Beitrag von Bardens. Das ist schon auch so ein Song, der mit den typischen Camel-Problemen kämpft. Gute Unterhaltung, instrumental auf hohem Niveau. Aber man verliert als Hörer allzu leicht den berühmten roten Faden.
  • Ähnliches gilt im Grund für das abschließende Instrumental Arubaluba. Allerdings überzeugt der Bardens Track mit seiner ausufernden Jam-Rocksektion mehr. Letzten Endes führt auch so ein Jam ins Nichts, aber in dem Fall passiert einfach mehr. Zumindest kann man dem Treiben schwer widerstehen und findet sich gedanklich plötzlich in einer rauchgeschwängerten Kellerbar in den 70ern wieder

Fazit Camel ist, aus meiner Sicht, ein durchaus überzeugendes Debütalbum gelungen. Klar, die Band hatte hier noch nicht zu ihrem individuellen Sound gefunden. Aber sie zeigte, dass sie auf dem Weg dorthin war. Das klappt mal mehr (Arubaluba, Six Ate, Mystic Queen ) mal weniger gut (Curiosity, Separation). Die ansonsten hervorgehobenen Songs Slow Yourself Down und Never Let Go würde ich im direkten Vergleich nicht ganz so hoch einschätzen, aber schlecht war das bei Camel bekanntlich alles nie, nett eben.

Trackliste

  1. Slow Yourself Down (Andrew Latimer, Andy Ward) 4:47
  2. Mystic Queen (Peter Bardens) 5:40
  3. Six Ate (Latimer) 6:06
  4. Separation (Latimer) 3:57
  5. Never Let Go (Latimer) 6:26
  6. Curiosity (Bardens) 5:55
  7. Arubaluba (Bardens) 6:28

Bonustracks

  • Never Let Go (Single version) 3:36
  • Homage to the God of Light (Peter Bardens cover; Recorded Live at The Marquee Club 29 October 1974) 19:01

Rezensent: MP