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Albumbesprechung Camel - Mirage

Interpret: Camel

Titel: Mirage

Erscheinungsjahr: 1974

Genre: Rock, ProgRock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Mirage ist das zweite Album der englischen Band Camel. Das Album erschien 1974 und gehört zu den Bandklassikern, nicht zuletzt wegen der in der Progszene hoch gehandelten Suiten White Rider und Lady Fantasy. Kommerziell war das Album kein großer Erfolg. Aber immerhin gelang der Einzug in die UK Charts und die US Billboard 200.

Die Kritiken zum Album fielen unterschiedlich aus, was aber bezogen auf Camel auch nicht gerade ungewöhnlich ist. Dem einen war es zu symphonisch, dem anderen stellenweise zu eingängig, dem anderen stellenweise zu hart, anderen wiederum nicht eigenständig genug. Egal: in Progkreisen wurde und wird dieses Album in der Regel hoch gehandelt. Und tatsächlich hatte die Band mit ihrem gerade erst zweiten Album hier durchaus zu ihrem Sound gefunden.

Wenn man im Bezug auf Mirage von hart spricht, dann bezieht sich das ziemlich eindeutig auf den Opener Freefall. Die Band rockt hier gut und tatsächlich vergleichsweise hart, wenn auch nicht unbedingt im Sinn von Hard-Rock. das ist ein härterer Rock mit Einflüssen z. B. aus dem Jazz-Rock. In Progkreisen fiel der Song ziemlich eindeutig durch, mir persönlich gefällt's. Mit dem nachfolgenden Supertwister erreichten Camel die Proggies dafür umso mehr. Ein Instrumental, das abgesehen von kurzen ryhthmisch vertrackten Passagen, weitestgehend zart wirkt und von der melodieführenden Querflöte dominert wird. Der erste genretypisch längere Track Nimrodel/The Procession/The White Rider bietet einen Querschnitt damaliger Camel-Qualitäten. Zunächst subtil psychedelisch, in der Procession mit mittelalterlich anmutenden Motiven pendelt die Band im Kernstück White Rider wieder zwischen ruhigen symphonischen und etwas schnelleren und auch mal härteren Motiven. Kontraste setzten sie außerdem mit einem leicht psychedelischen Slidegitarrenpart. Interessant der kurz angedeutete Formschluss mit dem Beginn der damaligen Seite 1.

Seite 2 der LP startete mit Earthrise. Auch hier könnte man von einer Art Sandwich sprechen, welches die Band immer wieder anbot: der Rahmen vergleichsweise ruhig und hier mit einer subtil klassischen Ausrichtung, dazwischen passiert instrumental wieder einiges und auch hier gibt die Band immer mal wieder angenehm Gas. Lady Fantasy wird in Progkreisen als der zentrale Song des Albums und Bandklassiker betrachtet. Zu Beginn wirkt das zunächst etwas dramatisch, aber schon nach knapp 45 Sekunden geht das über einen kurzen Instrumentalteil (der entfernt an Focus erinnert) in einen soften und recht eingängigen Part mit Gesang. Das erinnert zunächst etwas an alte Doors-Sounds, auch in den folgenden Instrumentalparts. Hier dreht die Band aber erneut an der Schraube, Latimer schwingt sich auf in Santana Gefilde, klingt dann mal wieder etwas mehr nach Akkerman, irgendwann kommt wieder einen leicht 60s Psychedelic-Note hinzu und schließlich mündet es zunächst in Gesangsharmonien, welche auch von Wishbone Ash hätten stammen können. Nach diesem Lady Fantasy Chorus startet die Band noch einmal richtig durch, der Instrumentalritt bis ca. 12.00 ist eindrucksvoll und vergleichsweise wild um zum Abschluss noch einmal eine Art Formschluss mit dem Anfangsthema zu bilden.

Fazit Mit Camel ist das tatsächlich immer so eine Sache. Ihre klassischen Fans liebten sowieso fast alles, was die Band bis Rain Dances auf den Markt brachte. Bei anderen konnte die Band dafür nie so richtig punkten. Woran das genau lag, konnte keiner so richtig beschreiben. Mir ging es auch immer so und auch Mirage kam bei mir lange Zeit zumindest nicht sehr gut an. Camel klangen eben nie wie die anderen großen UK-Progbands, manchmal wirkte die Musik etwas spannungsarm bzw. wie häufig beschrieben nett. Eine Besonderheit mancher Camel Alben ist dafür, dass sie mit jedem Anhören qualitativ wachsen können. Klar, die Band kann man kaum mit Yes oder Gentle Giant vergleichen. Dafür hatte sie andere Stärken und wäre vielleicht eher mit Canterbury-Bands vergleichbar. Es ist für mich auch nach wie vor so, dass Camel selten über eine ganze Albumlänge durchgängig überzeugen konnten. Aber das war auch bei anderen Bands so (vor allem aus der Canterbury-Szene). Im Nachhinein stellt man dann fest, dass bei einem Album wie Mirage die starken Momente doch bei weitem überwiegen und man hier vielleicht sogar eines der stärksten Camel-Alben der frühen Bandphase vorliegen hat.

Trackliste

  1. Freefall (Peter Bardens) 5:53
  2. Supertwister (Bardens) 3:22
  3. Nimrodel/The Procession/The White Rider (Andrew Latimer) 9:17
  4. Earthrise (Bardens/Latimer) 6:40
  5. Lady Fantasy (Camel) 12:45
    • Encounter
    • Smiles For You
    • Lady Fantasy

Rezensent: MP