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Albumbesprechung Camel - Moonmadness

Interpret: Camel

Titel: Moonmadness

Erscheinungsjahr: 1976

Genre: Rock, Prog

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Moonmadness ist der Titel des vierten Albums der Band Camel. Das Album erschien 1976.

Die Band trat auf diesem Album letztmals in der klassischen Besetzung Andrew Latimer (Gitarren, Flöte, Gesang), Peter Bardens (Keyboards, Gesang), Doug Ferguson (Bass, Gesang) und Andy Ward (Drums, Percussion) an.

Im Gegensatz zum vorherigen Konzeptalbum Music Inspired By The Snow Goose und dem dortigen Fehlen echter Gesangsbeiträge, gab es hier wieder klassische Camel mit Gesang und ohne Filter (hust). Musikalisch also eher eine Rückbesinnung auf den Stil des Albums Mirage. Latimer äußerte später in einem Interview, dass man damals so schnell wie möglich zurück ins Studio wollte um den Anschluss nach dem Erfolg von Snow Goose nicht zu verpassen. Dadurch entstand ein Druck, der beim Schreiben neuer Songs nicht gerade als förderlich empfunden wurde. Zudem kam es erstmals zu ernsthafen Auseinandersetzung zwischen Latimer und Bardens über die Ausrichtung der Band. Latimer wollte nach eigenen Aussagen eher etwas verschrobenes z. B. im Stil von Genesis Seeling England By The Pound, Bardens wollte eingängigeres Material, welches besser für den US-Mainstreammarkt passte. Damals bekamen die beiden die Kurve noch hin, relativ schnell sogar. Danach lief es lt. Latimer wie geschnitten Brot, nach seinen Aussagen wurden die Aufnahmen zu Moonmadness sogar zu einer der entspanntesten Camel-Produktionen überhaupt.

Rein inhaltlich waren Bardens und Latimer damals immer noch von einigen Literaten beeinflusst. Bei Bardens soll es vor allem Hesse z. B. mit Siddharta und Glasperlenspiel gewesen sein, bei Latimer eher Tolkien mit Herr Der Ringe. Darüber hinaus wartete die Band auch hier angeblich mit einer Art Mini-Konzept auf: sie beschrieb sich selbst mit vier Songs, Andrew Latimer war Air Born, Andy War war Lunar Sea, Peter Bardens war der Chord Change und Doug Ferguson stellte Another Night dar.

In jedem Fall hatte die Band gut daran getan, nicht zu lange nach Snow Goose zu warten. Moonmadness sorgte im Sog des Albums für die die besten Platzierungen Band überhaupt, im UK etwa sprang Rang 15 heraus, in den USA Rang 118. Desweiteren gelang der Entry in einige Europäische Charts. Die Bewertungen waren gut, die Fans waren zufrieden und in Prog-Kreisen kam man mit diesem Album recht gut zurecht (in der Regel besser als mit Snow Goose).

Die Songs

  • Aristillus ist ein kurzer Introsong Latimers, erstaunlich der hohe Keyboardanteil. Schöner Start.
  • Song Within A Song gehört zu den bekannteren Tracks des Albums und in der Regel lobte man den Song auch sehr. Für meinen Geschmack ist es aber ein typischer Camel-Vertreter, will sagen ein netter Song. In der Ruhe liegt nicht immer nur Kraft. Hier ist es einfach so, dass man schon bald etwas gelangweilt sein könnte. Mir geht es in dem Fall so, sorry.
  • Chord Change hat deutlich mehr Überzeugungskraft. Camel irgendwo zwischen Wishbone Ash, Jazz Fusion und Canterbury-Sounds, das funktioniert sehr gut.
  • Auch Spirit Of The Water könnte man als einen typischen Camel-Song der frühen Phase bewerten. Piano, Flöte und leicht psychedelisch verfremdeter Gesang über einem leicht melancholischen Track. Wieder ein vergleichsweise kurzer Song und noch ein Song, den man zu den Bandklassikern zählen kann. Zumindest wurde er immer mal wieder auf Camel-Samplern gebracht.
  • Another Night beginnt verheißungsvoll, versandet aber in einer Art progressivem AOR. Das ist so eine Seite an der Band, die ich persönlich nie mochte. Auch hier hat man beileibe keinen schlehcten Song vorliegen, da herrscht auch weniger Langeweile. Aber dafür schlägt die Band unerklärlicherweise mit ziemlich abgedroschenen Phrasen und Klischees um sich.
  • Air Born ähnelt Spirit Of The Water: Piano, Querflöte, alles sehr bedächtig, melodisch und schön. Auch mit Einsetzen der Drums und massivem Keyboardeinsatz sowie den Cameltypisch verfremdeten Vocals klingt das nicht schlecht, es hat aber in diesem Fall mehr von atmosphärischem Soft-Rock als Prog.
  • Lunar Sea ist der längste Track des Albums. Normalerweise liegt ja in der Kürze die Würze, Camel dreht den Spieß in diesem Fall um. Einerseits hat der Song immer eine zum Titel passende sphärische Note, andererseits lässt die Band hier ganz schön die Bude wackeln. Vor allem Latimer zeigt einmal mehr, wo der Gitarren-Haken zu hängen hat. Ziemlich hoch…

Fazit Über Camel Alben gibt es, wenn ich es richtig interpretiere, selten mehr als zwei gleiche Meinungen. Moonmadness macht da keine Ausnahme. Für manche eines der besten Alben der Band, andere wählen die Camel-Trademark Bezeichnung nett. Moonmadness ist tatsächlich so ein typisches nettes Camelalbum. Aber immerhin setzt die Band Highlights mit Aristillus, Chord Change und vor allem Lunar Sea. Daneben steht die nette Camel-Kost (Song Within A Song, Spirit Of The Water und Air Born) sowie in diesem Fall ein verzichtbarer Track (Another Night). Insgesamt ergibt das eben ein nettes Album.

Trackliste

  1. Aristillus (Andrew Latimer) 1:56
  2. Song Within a Song (Latimer, Peter Bardens) 7:16
  3. Chord Change (Latimer, Bardens) 6:45
  4. Spirit of the Water (Bardens) 2:07
  5. Another Night (Latimer, Bardens, Andy Ward, Doug Ferguson) 6:58
  6. Air Born (Latimer, Bardens) 5:02
  7. Lunar Sea (Latimer, Bardens) 9:11

Bonus Tracks 2002 Remaster

  • Another Night (Single version) 3:22
  • Spirit of the Water (Demo) 2:13
  • Song Within a Song (Recorded live at Hammersmith Odeon 14 April 1976) 7:11
  • Lunar Sea (Recorded live at Hammersmith Odeon 14 April 1976) 9:51
  • Preparation/Dunkirk (Recorded live at Hammersmith Odeon 14 April 1976) 9:32

Rezensent: MP