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Info und Diskographie: Genesis

Genesis gehörten zu den wichtigsten Vertretern des Prog-Rock, zusammen mit King Crimson, Yes und ELP zählte man Genesis zu den großen 4 des Prog-Rock. Wie die meisten Progbands unterlagen auch Genesis einer Wandlung, welche in den späten 1970ern in der Regel weg von komplexen Mustern hin zu eingängigem Material tendierte. So kann man bei Genesis grob festhalten, dass die sich die klassische Bandphase nach Erscheinen des 1974er Albums The Lamb Lies Down On Broadway dem Ende zuneigte (als Sänger Gabriel die Band verließ). Die Drift zu griffigeren und irgendwann eingängigen Arrangements nahm danach zu, spätestens um 1980 konnte man Genesis als eine (wenn auch gute) Popband bezeichnen.

In der Prog-Phase überzeugten Genesis durch kunstvolle Arrangements. Genesis kennzeichnete ein sehr individueller Stil, der vielleicht etwas weniger komplex war wie der anderer Progbands. Vor allem nutzte die Band vergleichsweise weniger Anleihen in der klassischen Musik. Eines der prägnanten Merkmale waren die kunstvollen Texte von Peter Gabriel. Genesis beschrieben mit ihrer Musik nicht selten sehr phantasievolle Geschichten. Bekannt wurde dabei vor allem die Geschichte von dem Mädchen, das einem Jungen beim Krocketspiel den Kopf abschlug. Dessen Geist erschien später gealtert als Geist aus einer Spieldose ("The Musical Box"). Eine andere Geschichte erzählte vom Unkraut, dass ein ganzes Land verschlang ("The Return Of The Giant Hogweed"). Die Vollendung fand das im Album The Lamb Lies Down On Broadway, wo über die Länge von zwei LPs die surreale Geschichte des Jungen Rael und dessen Reise ins Ich erzählt wurde.

Die Frühphase von 1967 bis 1970

Als Entstehungsjahr der Band wird in der Regel das Jahr 1967 angegeben. Die Geschichte von Genesis beginnt jedoch schon im Jahr 1966. Da trafen sich die Teenager Peter Gabriel (dr, voc), Mike Rutherford (bass), Anthony Phillips (git) und Tony Banks (key) und gründeten die Band The Anon. Im selben Jahr gaben sie ihr erstes Konzert in der Schule. Peter Gabriel fühlte sich in der Doppelrolle als Drummer und Sänger nicht wohl, weshalb man den Drummer Chris Stewart in die Band holte. Ende 1967 nahm die Band ein richtiges Demo in einem Studio auf.

Anfang 1968 schaffte es die Band, dass eine Plattenfirma das Stück "The Silent Sun" veröffentlicht. Der Song wurde im BBC-Radio gespielt und die Band bekam die Chance, ein erstes Album aufzunehmen. Das Album "From Genesis To Revelation" wurde zwar in der Originalbesetzung eingespielt, allerdings ersetzte man Drummer Stewart durch John Silver. Bei Silver zu Hause probten die Musiker das Material für das Album, das Anfang 1969 fertiggestellt wurde. Trotz erster guter Kritiken ging dieses Album aber etwas unter. Für die Band war es aber ein wichtiger Punkt, an dem sich die Weichen für die Zukunft stellen sollten. Rutherford und Phillips waren überzeugt davon, Profimusiker werden zu wollen. Gabriel zögerte angeblich noch etwas und Banks studierte in Sussex weiter. Anfang 1970, inzwischen ersetzte Drummer John Mayhew den alten Drummer John Silver, gab die Band eine Reihe von Konzerten. In einem Jazz Club in London fielen Genesis einem Talentsucher der Plattenfirma Charisma auf. Ein Angebot folgte und bald war das Album Trespass im Kasten. Das Album zeigt eine Band, die ihre kunstvolle und phantasievolle Musik weiter kultivierte - aber noch etwas unausgereift wirkte.

Die klassische Progphase bis 1974

Nach den Aufnahmen zu Trespass stieg Gitarrist Phillips aus. Die Band suchte sich einen neuen Gitarristen, bei der Gelegenheit wurde erneut der Drummer gewechselt. So entstand durch Hinzunahme von Steve Hackett (git) und Phil Collins (dr) das klassische Line-Up der Band.

In der neuen Besetzung erschien im Jahr 1971 das Album Nursery Cryme, über das Keith Emerson nur sagte, das Album sei "unglaublich". Allerdings gelang der Band mit dem Album noch kein Durchbruch, in ihrer Heimat England wurde die Band weitgehend ignoriert. Große Erfolge feierten Genesis jedoch im Prog-Rockverrückten Land Italien. In Großbritannien wurden Genesis in der Folge vor allem durch äußerst aufwändige Liveperformances bekannt. Die machten die Band bekannter, brachten sie aber auch an den Rand des Ruins. 1972 nahm die Band das bahnbrechende Album Foxtrot auf. Das Album enthielt den ersten monumentalen Song der Band, "Supper's Ready". Schon das nächste Album Selling England By The Pound wurde dann auch im Heimatland England als Meisterwerk und Meilenstein der Band deklariert. Genesis hatten damit den Durchbruch in ganz Europa geschafft, nur in den USA lief es noch nicht ganz so gut.

1973 erschien das Live Album "Genesis Live", das einen Eindruck von der guten Live Präsenz der Band vermitteln konnte. Im Jahr 1974 wollte es die Band endgültig wissen und produzierte das aufwändige Album The Lamb Lies Down On Broadway, dessen Live-Realisierung noch aufwändiger als alles bisherige war. Das Album geriet zum (auch innerhalb der Band) vieldiskutierten Meisterwerk. Auch wenn die Albumverkäufe nicht ganz die des Vorgängeralbums erreichten, muss man The Lamb Lies Down On Broadway als überwältigenden Erfolg bezeichnen. Es war eines der bestverkauften Doppelalben der frühen 1970er und vor allem gelang der Band ein erster Achtungserfolg in den USA. Allerdings markiert das Album auch den großen Wendepunkt der Band. Peter Gabriel war mit seiner Situation nicht mehr zufrieden (vielleicht waren die anderen auch ein Stück weit nicht mehr mit Gabriels Ideen einverstanden). Gabriel wurde immer mehr zum Mittelpunkt und zum Star der Band, womit er nicht gut umgehen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass während der Aufnahmen seine Tochter unter schwierigen Umständen geboren wurde. Gabriel entschied sich gegen den Starrummel und für die Familie.

Bald waren es nur noch Drei: 1975 bis 1978

Für das Nachfolgealbum "The Trick Of The Tail" suchte die Band einen neuen Sänger, entschied sich aber kurzerhand dafür, den bisherigen Backgroundsänger Phil Collins zum Leadsänger zu machen. Phil Collins wurde damit als Drummer und Sänger auch mehr und mehr zur zentralen Figur von Genesis. Mit Banks, Hackett und Rutherford nahm er er "The Trick Of The Tail" auf. Ein Album, das sich sehr gut verkaufte und klarmachte, dass Genesis ihren Stil in eingängigere Strukturen überführen würde. Das folgende Album "Wind And Wuthering" verkaufte sich sehr gut und lag stilistisch auf Augenhöhe des Vorgängeralbums. Nach diesem Album verließ Gitarrist Steve Hackett die Band. Das wirkt sich erneut auf den Bandsound aus.

Der Ausstieg von Hackett bedeutete einen kompletten Neuanfang für die Band. Genesis beschlossen, mit Rutherford, Banks und Collins nur noch als Trio zu agieren. Live stellt man in der Regel Gastmusiker ein, sehr häufig waren damals Daryl Stuermer (git) und Chester Thompson (drums) mit Genesis auf der Bühne zu sehen. 1978 machte das Album And Then There Were Three klar, dass es mit drei Musikern weitergehen sollte. Außerdem wurde das Songmaterial noch etwas gefälliger. Das Ergebnis indes passte, das Album wurde ein geradezu sensationeller Erfolg. Stilistisch hatten sich die Drei deutlich von klassischen Genesis-Sounds entfernt. Das hatte aber einfach technische Hintergründe. Rutherford spielte neben Bass nun auch Gitarre. Rutherford ist zweifellos ein ordentlicher Gitarrist, der aber nicht an die Qualitäten von Hackett heranreichen konnte. Für ausufernde Klangmalereien fehlen ihm die Möglichkeiten ebenso wie für technisch anspruchsvolles Material. Auch Collins kann zwar ordentlich singen, konnte aber nie das Charisma eines Gabriel erreichen. Die Band verlegte sich sinnvollerweise auf weniger komplexes und eingängiges Material.

Genesis ab 1980: die Band legt die letzten Progwurzeln ab

Der Trend zum eingängigen Material wurde mit dem Album "Duke" deutlich. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu alten Sounds wurde mit Veröffentlichung des äußerst erfolgreichen Albums ABACAB zunichte gemacht. Die Band ging ihren Weg Richtung Pop weiter und verkaufte soviele Alben wie selten zuvor.

Mit dem Live Album "Three Sides Live" erinnerten Genesis ein letztes Mal an alte Zeiten, verabschiedeten sich aber endgültig davon. Die Nachfolgealben Genesis und Invisible Touch sprengten mit vergleichsweise seichtem Mainstream Pop alle bisherigen Verkaufszahlen und wurden zu Bestsellern. Genesis waren damit endgültig zur einer Supergroup des Mainstream geworden. Mit We Can't Dance legte die Band noch einmal ein ähnlich erfolgreiches Popalbum vor. Nach diesem Album beschloss die Band eine Auszeit, die sie auch brauchen konnte. Rutherford agierte schon eine Weile mit dem äußerst erfolgreichen Soft-Rock Projekt Mike & The Mechanics. Phil Collins war als Solokünstler zu diesem Zeitpunkt erfolgreicher als die Band. Die Pause dauerte fünf Jahre, an ihrem Ende erklärte Collins den Ausstieg aus der Band. Die Band spielt sich mit dem Album Calling All Stations in eine Krise. Der neue Sänger Ray Wilson machte seine Sache zwar nicht schlecht, wurde aber von den Fans abgelehnt.

Nach diesem Album war praktisch nichts mehr von Genesis zu vernehmen. Aber so eine Band tritt anscheinend nicht einfach ab. Überraschenderweise erklärte Phil Collins im Jahr 2006, dass man ein Comeback versuchen wolle. Das fand tatsächlich statt. Die anschließende Tour mit Banks, Rutherford und Collins plus Stuermer und Thompson wurde, wie zu erwarten, ein gigantischer Erfolg.

 

Diskographie (Studio und Livealben)