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Albumbesprechung Chicken Shack - Imagination Lady

Interpret: Chicken Shack

Titel: Imagination Lady

Erscheinungsjahr: 1971

Genre: Blues-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Imagination Lady ist ein Album der Band Chicken Shack. Das Album stammt aus dem Jahr 1971. Kommerziell war das Album kein großer Erfolg. Irgendwie konnte Stan Webb mit seiner Auffassung des Blues im abflauenden Blues-Revival nicht mehr überzeugen. Schade eigentlich, denn Webb muss man schon zu den wichtigen und besten Gitarristen jener Zeit zählen. Auch die Band hätte durchaus Potential gehabt, aber neben Webb konnten sich die anderen Musiker nie lange halten und somit handelte es sich letztlich mehr um ein Soloprojekt Webbs, denn um eine richtige Band.

Ungeachtet dessen zählen Chicken Shack mittlerweile zu den dienstältesten Blues-Bands in Europa. Abgesehen von einigen Pausen gibt es die Band im Prinzip schon seit 1967. Dabei ist Chicken Shack, wie erwähnt, letztlich vor allem ein Projekt des Gitarristen Stan Webb. Der ist die einzige Bandkonstante und er prägt mit seinem sehr bluesbeeinflussten Spiel den Sound der Band. Das klingt dann mal bluesiger, mal rockiger und bisweilen auch etwas härter. Imagination Lady stammt aus der Frühphase der Band. Auch wenn das Album leider etwas unterging, so gehört es doch zu den stärksten Chicken Shack Alben.

Die Songs

"Crying Won't Help You" stammt im Original von B. B. King. Webb macht einen zeittypischen Blues-Rock aus dem Song - die Drums geben guten Druck, die Basslines sind ziemlich bewegt, darüber thront Webb's Gitarre mit einem Wah-Wah Solo. "Daughter Of The Hillside" ist ein guter Rocksong. Trotz gewisser Anleihen an Cream, stellt es eine der besten Webb Kompositionen des Albums dar. "If I Were A Carpenter" ist ein Tim Hardin Cover, interpretiert als relativ schwerer Bluesrock. Das klingt ziemlich ungewöhnlich. Das Original gefällt mir besser, aber diese Version klingt zumindest eigenständig. "Going Down" stammt im Original von Don Nix. Der Song ist gefühlte 1 Million Mal von Rockbands gecovert worden. Diese Version von Webb geht in Ordnung, klingt aber andererseits auch nicht sehr aufregend.

"Poor Boy" eröffnete auf der Schallplatte die zweite Seite. Der Webb Song gehörte zu den bekanntesten Chicken Shack Songs. Die Band bietet härteren Bluesrock in zeittypischem Gewand. "Telling Your Fortune" ist mit über 11 Minuten ein recht langer Song. Der Song ist auf einem Standard 12-Bar Blues aufgebaut und - die Länge lässt es vermuten - dient vor allem als Plattform für Soloeskapaden. Webb spielt hier wieder etliche Soloparts ein. Dazu gibt es ein recht langes Drumsolo. Solche Drumsoli waren damals üblich und wirken heute womöglich etwas angestaubt. Allerdings liefert Paul Hancox hier sicherlich eines der besseren Drumsolos jener Zeit ab. "The Loser" ist ein weiterer Webb Song. Dieser Song klingt sehr interessant, weil er sich als Beatsong mit subtilen psychedelischen Elementen endlich einmal vom Blues und den bislang gehörten Klischees löst.

Fazit Chicken Shack gehört zu den unterbewerteten Bluesbands aus England, Stan Webb zu den unterbewerteten Blues-Rock Gitarristen aus England. Nachdem es anfangs noch recht gut für die Band lief, knickte die Erfolgskurve spätestens mit diesem Album ein. Webb besetzte für das Album die Band komplett um. Mit dem Bassisten John Glascock (später Jethro Tull) und dem Drummer Paul Hancox (später Mungo Jerry) holte sich Webb zwei gute Musiker in die Band. Beide können überzeugen. Dazu geizt Webb nicht mit Gitarrensoli. Webb ist ein technisch versierter Gitarrist, aber er bedient sich schon sehr vieler Klischees und hat den Fuß eindeutig zu oft auf dem Wah-Wah Pedal. Das ist aus meiner Sicht eines der großen Mankos dieses Albums. Für Freunde des klassischen englischen Bluesrock sollte das aber kein Hinterungsgrund sein.

Trackliste

  1. Crying Won't Help You (King) 5:09
  2. Daughter Of The Hillside (Webb) 3:52
  3. If I Were A Carpenter (Hardin) 6:34
  4. Going Down (Nix) 3:32
  5. Poor Boy (Webb) 5:10
  6. Telling Your Fortune (Webb) 11:09
  7. The Loser (Webb) 2:32

Rezensent: MP