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Review Dianoya - Lidocaine

Interpret: Dianoya

Titel: Lidocaine

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Prog-Metal, Art-Rock, Alternative-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Lidocaine ist der Titel eines Albums der polnischen Band Dianoya. Das Album erschien 2012 über Glassville Records/Progteam. Eingespielt wurde das Album in der Besetzung Filip Zielinski (Gesang), Jan Niedzielski (Gitarren), Artur Radkiewicz (Bass, Keyboards) und Lukasz Chmielinski (Drums).

Um Riverside hat sich eine bunte und gute Prog-Szene in Polen gebildet. Direkt aus dem Umfeld von Riverside heraus entstand Progteam, welches sich um die Produktion solcher Bands kümmert. Dianoya wurden zur Produktion dieses Albums unter die Fittiche von Progteam genommen. Das passt ganz gut, denn Dianoya legten 2010 ein Debüt vor, welches nach Ansicht vieler Progkenner eine große Nähe zu Riverside aufwies. Interessanterweise legt die Band mit dem Album Lidocaine genau diese Einflüsse ein gutes Stück ab.

Dianoya spielen sicherlich noch mit Elementen, wie man sie von Riverside kennt. Aber irgendwie klingen sie doch eine Nuance anders. Was aus meiner Sicht vor allem den Unterschied macht, sind die Anleihen an den härteren US-Alternative Rock der 1990er. Dazu treffen hier komplexere Motive auf eingängiges Material, harte Riffs auf verträumte sphärische Parts.

"Far Cry" könnte man als einen Trademarksongs des Albums betrachten. Der Song beginnt wuchtig mit einer guten Note hartem Alternative Rock und Anleihen an King's X, wird dann bald durch einen sphärischen Part abgelöst und so geht es im Mix zwischen harten und soften Passagen weiter. Ähnliches gilt für den Song "Cold Genius" und, mit einer geringeren Grundhärte, für "1000G" oder "One Sided".

Ziemlich eingängig sind die Songs "Good News Comes After A While" und "Endgame" konzipiert. Vor allem erstgenannter Song ist durchaus Radiotauglich. Das klingt jederzeit angenehm, aber insgesamt fehlt beiden Songs etwas Raffinesse.

Verspielt bildet das kurze Instrumental "Figaro Song" den Auftakt zu "Best Wishes". Best Wishes wirkt etwas orientierungslos, klingt mal nach Alternative-Rock und mal nach Art-Rock. Ebenfalls eine Nähe zu Alternative-Bands der 1990er könnte man zu Beginn von "Nothing In Return" unterstellen. Aber auch hier löst sich die Band im weiteren Songverlauf Richtung Art-Rock. Dass die Band auch richtig hart kann, zeigt sie auf "21st Century". Es ist der gefühlt härteste Song des Albums, auch hier zeigt die Band technisch keinerlei Schwächen.

Zum Abschluss gibt es in "Venid" noch ein schönes Instrumental. Das klingt richtig schön, aber der Song ist in jedem Fall zu kurz, um eine nachhaltige Stimmung entfalten zu können. Schade, da hätte sich die Band zwei Minuten mehr Zeit nehmen können.

Fazit Lidocaine ist ein vorzüglich produziertes und eingespieltes Album aus polnischen Prog-Kreisen. Mäkeln kann man hier weder an der sauberen Produktion noch am musikalischen Vortrag der Band. Auch die Songs sind allesamt gut gelungen. Allerdings wirkt das, über die gesamte Länge, manchmal etwas sehr perfekt und fast schon wie am Reißbrett entworfen. Da schleichen sich dann auch mal gewisse Längen ein. Aber wenn man mäkelt, dann auf einem enorm hohen Niveau. Lidocaine ist ein empfehlenswertes Album für jeden, der geschmackvolle Rockmusik mag. Dianoya könnten sich mit diesem Anteil an härteren Alternative Parts, sphärischen Parts und respektablen Gesangsharmonien zu einer modernen Variante von King's X entwickeln. Dazu müsste die Band aber noch etwas entschlossener vorgehen, es fehlt das gewisse Quäntchen, welches die besten Werke z. B. von King's X ausmacht.

 

Trackliste

  1. Far Cry 5:23
  2. Cold Genius 5:22
  3. 1000G 6:07
  4. One-Sided 5:29
  5. Good News Comes After A While 4:02
  6. Figaros Song 2:13
  7. Best Wishes 6:19
  8. Endgame 6:03
  9. Nothing In Return 7:26
  10. 21st Century 5:14
  11. Venid 1:21

Rezensent: MP