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Albumbesprechung Dire Straits - Dire Straits

Interpret: Dire Straits

Titel: Dire Straits

Erscheinungsjahr: 1978

Genre: Rock, Americana

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Dire Straits ist das selbstbetitelte Debütalbum der Band Dire Straits. Das Album erschien Ende 1978. Heute wird das Album zu den Meilensteinen der modernen Rockmusik gezählt. Erstaunlicherweise verkaufte sich das Album anfangs mehr als bescheiden, genau genommen ging das Album im ausgehenden Punkboom bzw. Beginn der Postpunkphase im Jahr 1978 erst mal unter. Nachdem der Song Sultans Of Swing im Frühjahr 1979 in den USA die Top Five erreichte, schoss die Single schnell in Großbritannien in die Top 10 und wurde weltweit ein Hit. Das Album verkaufte sich danach ebenfalls sehr gut, weltweit gingen schätzungsweise über 6 Millionen Exemplare über die Ladentheken.

Wenn man von den Dire Straits spricht, dann muss man in erster Linie vom Sänger und Gitarristen Mark Knopfler sprechen. Der ehemalige Lehrer und Journalist bestimmte die Geschicke der Band und schrieb alle Songs. Dazu konnte er sich in Bassist John Illsley und Drummer Pick Withers auf eine solide Backingtruppe verlassen. Sein Bruder David Knopfler spielte als Rhythmusgitarrist eine etwas unglückliche Rolle, die Wege der Brüder sollten sich später auch trennen. Vergleiche zu den Fogerty Brüdern drängen sich hier durchaus auf.

Was Knopfler bot, war im Prinzip seine Version des altehrwürdigen englischen Pub-Rock, allerdings klang das alles weniger rau und besaß starke Anleihen an US-Sounds. Vor allem Verbeugungen vor dem Country/Rockabilly, Altmeister Bob Dylan bis hin zu diesen ungemein zurückgelehnten J. J. Cale Sounds bestimmten den frühen Dire Straits Sound.

Die Songs

  • "Down To The Waterline" und "Water Of Love" wurden als Single veröffentlicht - Water Of Love als A-Seite und Down To The Waterline als dessen B-Seite. Beide Songs weisen den Weg zu den vorherrschenden Sounds. "Down To The Waterline" eröffnet das Album durchaus flott mit einem swingenden Rhythmus und tollen Stratsounds vom Meister. Dagegen wirkt "Water Of Love" enorm zurückgenommen und Laid-Back, mit einer Tendenz zum unverbindlichen Easy Listening.
  • "Setting Me Up" legt an Tempo zu, Knopfler frönt hier seiner Vorliebe für den Rockabilly und schießt ein kleines Feuerwerk an Gitarrenlicks ab - und erinnert damit durchaus an seinen Landsmann Albert Lee.
  • "Six Blade Knife" ist wieder eine enorm Laid-Back eingespielte Nummer, die manchen Hörern unterfordern könnte. Immerhin besitzt der Song den Charme, der Water Of Love m. E. etwas fehlt.
  • Der dynamische Wechsel wird eingehalten, mit "Southbound Again" folgt ein grooviger Song mit Rockabillynote. Wieder schenkt uns Knopfler schöne Soli.
  • "Sultans of Swing" ist das Herzstück des Albums, da gibt es nichts zu deuteln. Im Sog des Singleerfolges kam das Album überhaupt aus den Puschen. Den Song mit seinem interessanten Latingroove und der massiven Gitarrenpräsenz muss man heute als Evergreen bezeichnen. Schön ist der textliche Inhalt, der fast wie ein Abgesang auf den Pub-Rock wirkt.
  • "In The Gallery" beginnt verträumt, entwickelt sich aber bald zum rhythmisch interessantesten Song des Albums. Der Song verströmt ein Reggae Feeling, was in Verbindung mit den Countrysounds ungemein interessant klingt.
  • Americana Sounds gibt es auf der verträumten Ballade "Wild West End", erstaunlich wie sehr ein britischer Lehrer nach Americana klingen kann.
  • "Lions" bietet zum Schluss das komplexeste Arrangement mit Anleihen an Jazzsounds, was sich vor allem in der Wahl der Akkorde niederschlägt. Ein schöner Song, eigentlich ein Bonmot, welches jedoch irgendwie untergeht.

Fazit Beachtlich, was uns Knopfler da nach der heißen Punkphase auftischte. Im Prinzip wurde das Material auf dem Höhepunkt des Punk eingespielt, so recht bekannt wurden die Dire Straits aber erst gut zwei Jahre später. Verdient hatten es Knopfler und Co., boten sie doch größtenteils vorzügliches Handwerk und gelungene Songs. Mit dieser Verbeugung vor klassischen US-Sounds klingt das Album fast wie ein ironischer Abgesang an den Pubrock. Manchmal klingt es etwas zu laid-back und ist zu sehr auf Easy Listening gebügelt. Aber das Album ist perfekt von Muff Winwood produziert und Knopflers Einstand ist in jedem Fall gelungen. Das Herz des im Punk unterforderten Gitarrenfreundes schlug damals jedenfalls bis zum Hals und somit wirkte das Debüt der Dire Straits wie Balsam auf manch' geschundenen Hörgang.

 

Trackliste

  1. Down to the Waterline - 3:55
  2. Water of Love - 5:23
  3. Setting Me Up - 3:18
  4. Six Blade Knife - 4:10
  5. Southbound Again - 2:58
  6. Sultans of Swing - 5:47
  7. In the Gallery - 6:16
  8. Wild West End - 4:42
  9. Lions - 5:05

Alle Songs geschrieben von Mark Knopfler

Rezensent: MP