Anzeige

Review District 97 - Trouble With Machines

Interpret: District 97

Titel: Trouble With Machines

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Prog-Rock, Art-Rock, Jazz-Fusion

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

trouble with machines ist ein Album der US-Progband District 97. Das Album soll in Deutschland am 21. September 2012 erscheinen.

District 97 ist eine Retro-Progband, die mit einer Sängerin arbeitet. Das entspricht nicht unbedingt der Regel in dem Genre. Noch interessanter: Sängerin Leslie Hunt erreichte einst die Top 10 von American Idol (das Pendant zu "Deutschland sucht den Superstar"). Ebenfalls erwähnenswert: es gibt nun von der Band das zweite Studioalbum, das stellenweise ein Doppelalbum ist. Es gibt für den frühen Vogel eine Doppel-Ausgabe mit einer zusätzlichen Live-DVD (angeblich für die ersten 2000 verkaufter Exemplare). Dort kann man die Band beim Rites Of Spring Festival in Gettysburg erleben.

District 97 wurde 2006 gegründet. Mit dabei waren damals Drummer Jonathan Schang, Keyboarder Rob Clearfield, Bassist Patrick Mulcahy und Gitarrist Sam Krahn. Musiziert wurde im weiten Feld des Prog, die Band soll relativ stark vom Instrumentalprog der Band Liquid Tension Experiment beeinflusst gewesen sein. Allerdings sahen sie im Fehlen eines Sängers einen Mangel, der mit der Einstellung besagter Leslie Hunt behoben wurde. 2008 ersetzte Jim Tashjian den Gitarristen Sam Krahn. 2010 erschien das (in Progkreisen) hochgelobte Debütalbum Hybrid Child. 2012 folgt nun Trouble With Machines, welches also in der Besetzung Leslie Hunt (lead & backing vocals), Rob Clearfield (keyboards, guitar), Jim Tashjian (guitar, backing vocals), Patrick Mulcahy (bass) und Jonathan Schang (drums, percussion) eingespielt wird. Außerdem gibt sich John Wetton auf Track 4 als Sänger die Ehre, Katinka Kleijn spielt auf Track 6 Cello. Gemischt wurde das Album von Rich Mouser, der schon als Produzent bei Spock's Beard und Neal Morse agierte.

Das Debütalbum der Band war von relativ melodiösen Songs und Ideen geprägt. Das gilt stellenweise auch hier, aber die Musik besitzt stellenweise mehr der klassischen Komplexität großer Progbands aus den frühen 1970ern. Wenn man dann liest, dass eine Frau hinter dem Mikro steht und die auch noch aus einer Castingshow stammt, könnte man spontan Bedenken am Gelingen eines solchen Projekts bekommen. Auch mit Sängerinnen im Prog -/Artrock muss man immer wieder mit Enttäuschungen leben. Das gilt aus meiner Sicht z. B. bezogen auf Acts wie Nightwish, Evanescence und Co, zumal sich das manchmal so anhört wie Anno Tobak der klassische Sänger Hofmann (sorry Peter) im Bereich von Rock- und Popklassikern (und sorry an Nightwish, Evanescence und Co., ist einfach meine persönliche Auffassung).

Aber solche Überlegungen spielen bei District 97 keine Rolle. Ganz ehrlich: keiner würde ernsthaft vermuten, dass Leslie Hunt aus einer Castingshow kommt. Sie verleiht District 97 eine ganz besondere Färbung .

Die Songs

  • Schon ein erstes Reinhören in "Back And Forth" macht klar, dass man es hier mit einem besonderen Act zu tun hat. Der Song bietet alles, was man vom modernen Prog erwartet: komplexe Grooves, einen Mix aus modernen und Retro Riffs sowie schräge und melodiöse Motive.
  • "Open Your Eyes" wirkt im Gegensatz zum ersten Song fast schon Mainstream-Rockig. Das klingt aber sehr interessant, vor allem erinnert mich der Song mit Hunts Gesang an Sounds der Baby Animals von deren zweitem Album. Für mich ist das kein Ausfall, sondern eher eine angenehme Abwechslung zu den komplexen Progsounds.
  • Diese komplexen Sounds gibt es dann wieder in Fülle auf "Actual Color". Wieder ein interessanter Song, dieses mal mit interessanten spacigen Parts. Irgendwie erinnern mich die Gesangsparts von Hunt an Gesangslinien, wie sie einst John Wetton bei King Crimson und später bei UK (vor allem auf Danger Money) brachte.
  • Besagter Wetton wirkt auf dem nächsten Song "The Perfect Young Man" mit. Der Song läuft über 10 Minuten, hier passiert einiges. Die Band präsentiert einen Mix aus Mainstream Rock, ruhigen Pianobestimmten Parts, jeder Menge abenteuerlicher Frickelarbeit a la Liquid Tension und schöne retro Prog Sounds. Kurzum: der Song strotzt nur so vor Kraft und Komplexität und langweilt zu keiner Zeit.
  • "Who Cares?" klingt anders, man könnte diesem Song einen gewissen Approach zum groovigen modernen Jazz Fusion unterstellen. Auf dem Song zeigt Bassist Mulcahy, was er so gelernt hat. Und das ist jede Menge.
  • Katinka Kleijn eröffnet den Song "Read Your Mind" mit herzerweichend schönen Cellosounds. Die Band übernimmt nach dem kurzen Intro, wieder mit gewissen Anleihen zu modernen Jazz-Fusionsounds im Mix mit klassischem Prog.
  • "The Thief" fasst das Geschehen abschließend über fast 14 Minuten Laufzeit zusammen - profunde Musikalität aller Beteiligten und jede Menge herrlicher Ideen aus Rock, Prog und Jazz-Fusion.

Fazit Die Fülle guter Musiker aus den USA wirkt stellenweise fast schon erdrückend. District 97 ist eine weitere Band mit solchen hervorragenden jungen Musikern. Wie jung und etwas unbedarft sie sind, zeigt sich übrigens auf der DVD mit Aufnahmen vom Rites Of Spring Festival. Was Live etwas hölzern wirkt, klingt auf CD nur noch perfekt. Was will man an so einem Werk aussetzen? Die Band bedient sich natürlich an Vorbildern von King Crimson bis Liquid Tension Experiment. Aber wie sie das macht, ist unglaublich gut. Leslie Hunt als Frontfrau überzeugt komplett, sie klingt wie ein Mix aus Björk und Suze DeMarchi (Baby Animals) - oder vereinfacht gesagt: wie ein weiblicher John Wetton. Die Produktion der CD ist kaum weniger perfekt, hier hat Rich Mouser einen soliden Job abgeliefert. Also: ein Topalbum, Progliebhaber dürfen sich auf diese Band freuen.

 

Trackliste

  1. Back And Forth (8:43)
  2. Open Your Eyes (4:25)
  3. The Actual Color (5:48)
  4. The Perfect Young Man (10:01)
  5. Who Cares? (4:51)
  6. Read Your Mind (7:36)
  7. The Thief (13:43)

Rezensent: MP