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Albumbesprechung Dream Theater - Six Degrees Of Inner Turbulence

Interpret: Dream Theater

Titel: Six Degrees Of Inner Turbulence

Erscheinungsjahr: 2002

Genre: Prog-Metal, Prog-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Six Degrees of Inner Turbulence war das sechste Studio-Album von Dream Theater. Das Album erschien im Januar 2002 in der Stammbesetzung mit Petrucci, Portnoy, Myung, Rudess und LaBrie. Die Band konnte hier endlich einmal ihre schon lange geplante Doppel-CD realisieren. Wieder konnte sich die Band Tiefgründiges nicht verkneifen und platzierte offiziell sechs Songs auf ihrer sechsten Produktion. Dabei besteht die erste CD aus fünf Songs, die zweite praktisch aus einem Song über 42 Minuten. Der Song ist allerdings in 8 Parts untergliedert. Diese 8 Parts kann man als Einzelsongs wahrnehmen, die Übergänge zwischen den Songs sind jedoch fließend.

Das Album wird geprägt durch eine große stilistische Vielfalt. Dabei ließen alle Musiker ihre Wurzeln einfließen. So hört man Anleihen an Klassik ebenso wie Folk, Prog, Rock und Heavy Metal. Einige Parts huldigen direkt den Vorbildern der Band. Die Overture im Teil Goodnight Kiss und Grand Finale erinnert an The Wall von Kansas ( aus Leftoverture). Solitary Shell erinnert an Solsbury Hill von Peter Gabriel. Außerdem werden immer wieder Artisten wie Metallica, Tool, Radiohead, Pantera, Megadeth, U2, King's X und viele andere zitiert. Das Album wurde vielleicht auch aus diesem Grund kontrovers diskutiert und polarisierte recht stark. Ganz grob kann man sagen: entweder das Album wird geliebt oder gehasst.

Die Songs

Der erste Song "The Glass Prison" beginnt mit dem Kratzen vom Ende des Albums Metropolis 2. Mit diesem Song beginnt auch die AA-Saga von Drummer Portnoy, auf der er sich mit seiner Alkoholsucht auseinandersetzt. Musikalisch starte der Song schön atmosphärisch, wird dann aber recht heavy. Dazu gibt Petrucci ein typisch Neoklassisches Solo zum Besten. "Blind Faith" beginnt wieder recht atmosphärisch. Danach entwickelt sich ein, aus meiner Sicht, schöner Song von mittlerer Härte. Dem ersten fulminanten Gitarrensolo folgt ein nicht weniger fulminanter Instrumentalpart mit schönen Keyboardsoli. "Misunderstood" klingt balladesk und etwas melancholisch. Der Song klingt nach klassischem Pop bis Rock, wird aber mit ein paar abgedrehteren Parts angereichert. "The Great Debate" ist rhythmisch vertrackt. Der permanent unruhig wirkende Song kann überzeugen. "Disappear" ist eine nette Ballade mit einigen Anleihen an die Beatles. Das klingt zwar harmlos, aber nie schlecht.

Die zweite CD besteht aus dem Mammutwerk "Six Degrees of Inner Turbulence". Die Band hat diesen Song in acht Parts unterteilt. Diese Parts klingen musikalisch durchaus unterschiedlich. Dennoch werden viele Motive in den Parts immer wieder zitiert. Dies gibt musikalisch einen roten Faden zur inhaltlich zusammenhängenden Story, welche die Schicksale von Menschen behandelt, die an unterschiedlichen Psychosen leiden. Im Prinzip könnte man von einem Konzeptalbum sprechen. Die "Overture" klingt sehr symphonisch und orchestral und geht über in "About To Crash". Der Song ist klassisch proggig angelegt. "War Inside My Head" klingt musikalisch so wie der Text - wirr und hart. "The Test That Stumped Them All" ist auch ein relativ harter Song, wirkt aber aufgeräumter als War Inside My Head. Nach den zwei harten Songs entspannt sich die Lage enorm, denn "Goodnight Kiss" ist ein wahrer Ohrenschmeichler. LaBrie hat hier allerdings stimmlich zu kämpfen, dafür klingt das Gitarrensolo in Gilmour Manier schön. Mit "Solitary Shell" legt die Band einen Song vor, der bewusst an Solsbury Hill erinnern soll. Das merkt man schon im Titel. Ich habe nun schon mehrfach gelesen, dass der Titel ein totaler Klon des Gabriel Songs ist. Möglicherweise habe ich was an den Ohren, aber das finde ich stark übertrieben. Ähnlichkeiten ja, aber sonst? Insgesamt ein schöner Song mit gelungenen Progparts. Das hatte Gabriel nicht zu bieten. Mit "About To Crash" legt die Band einen harten Gitarrenrock vor, der mit schönen Instrumentalparts klassischer Prägung aufwartet. "Losing Time/Grand Finale" beschließt das Album symphonisch und bildet gleichzeitig das Anfangsthema des nächsten Albums Train Of Thought.

Fazit Es scheint so, als ob die Band mit steigendem Bekanntheitsgrad immer umstrittener wurde. Das vorliegende Album polarisierte zumindest, mehr oder weniger, stark. Die erste CD kann, aus meiner Sicht, überzeugen und müsste jeden Dream Theater Freund überzeugen können. CD 2 klingt anders - ruhiger und mit mehr Anspielungen an Acts aus Prog und Rock. Musikalisch kann man der Band, wie immer, nichts vorwerfen. Von daher ist auch Six Degrees Of Inner Turbulence ein empfehlenswertes Dream Theater Album, meines Erachtens beileibe nicht das Schlechteste der Band.

Trackliste

CD 1

  1. The Glass Prison - 13:52
  2. Blind Faith - 10:21
  3. Misunderstood - 9:32
  4. The Great Debate - 13:45
  5. Disappear - 6:45

CD 2

  • Six Degrees of Inner Turbulence - 42:04
  1. Overture - 6:50
  2. About to Crash - 5:50
  3. War Inside My Head - 2:08
  4. The Test That Stumped Them All - 5:03
  5. Goodnight Kiss - 6:17
  6. Solitary Shell - 5:47
  7. About to Crash (Reprise) - 4:04
  8. Losing Time / Grand Finale - 5:59

Rezensent: MP