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Albumbesprechung Dr. Feelgood - Private Practice

Interpret: Dr. Feelgood

Titel: Private Practice

Erscheinungsjahr: 1978

Genre: Pub-Rock, Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Private Practice ist das sechste Album der englischen Band Dr. Feelgood, das Album erschien im Jahr 1978. Die Band konnte noch einmal einen guten Erfolg einfahren. Das Album erreichte zwar nur Rang 41 der UK-Charts, dafür dürfte die ausgekoppelte Single Milk And Alcohol der erfolgreichste und bekannteste Bandsong sein. In Großbritannien schaffte der Song die Top 10, auch in anderen europäischen Ländern machte der Song die Band kurzfristig bekannter.

Die Besetzung blieb, im Vergleich zu Be Seeing You, stabil. Mit dabei waren Lee Brilleaux (vocals, guitar, harmonica), John B. Sparks (bass guitar, backing vocals), Gypie Mayo (guitar) und The Big Figure (drums).

Nach dem ungemein rauen und druckvollen Vorgänger Be Seeing You muss man das Album aber sicherlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Der Sound war ganz anders als auf dem Vorgänger, ziemlich glatt und praktisch ohne Kanten, ja fast etwas überproduziert. Auch das Songmaterial war vergleichsweise unausgewogen.

Die Songs

  • Der Reigen wird vom lässig groovenden Mickey Jupp Song "Down At The Doctors" eingeleitet. Der Song shuffelt gut, dem Song fehlt aber der sprichwörtliche Dreck.
  • Etwas besser klingt "Every Kind Of Vice", ein Song von Brilleaux und Mayo. Das klassische Singlenoteriff funktioniert gut und hat einen guten Drive, aber der letzte Kick fehlt auch hier.
  • Das Eddie Floyd Cover "Things Get Better" fällt weiter ab. Die Band spielt den Song ordentlich und professionell ein, lässt aber Spielfreude vermissen.
  • "Milk And Alcohol" bildet ein Highlight des Albums. Das Gemeinschaftswerk von Nick Lowe und Gypie Mayo groovt gut, hat eine subtile Punkattitüde - erinnert aber auch stark an den Glamrock der frühen 70er.
  • "Night Time" wird von der Band ordentlich interpretiert, der Song groovt lässig mit einer gewissen Country-Note.
  • "Let's Have A Party" ist leider ein eher müdes Cover der alten Rock'n'Roll Nummer, auch hier nimmt die glatte Produktion den letzten Druck aus der Einspielung.
  • Etwas Gas gibt die Band auf der Brilleaux/Mayo Nummer "Take A Trip", die zumindest entfernt an alte Glanztaten erinnern kann.
  • Leider kann das von "It Wasn't Me" nicht mehr gesagt werden. Altbackene Singlenote-Riffs werden hier doch ziemlich schlapp eingespielt.
  • "Greaseball" ist ein Solotrip von Gypie Mayo, der sich hier in einer Instrumentalnummer verewigt. Die ist ihm ganz gut gelungen, sie zeigt etwas seiner technischen Möglichkeiten.
  • "Sugar Shaker" kann zum Abschluss versöhnen. Es ist wieder ein Song, der zumindest im Ansatz an alte Qualitäten erinnern kann.

Fazit Private Practice muss man fast schon als etwas enttäuschend bezeichnen. Was die Band gut einspielt, wird durch die glatte Produktion fast jeder Ecke und Kante beraubt. Das ist für eine Band wie Dr. Feelgood so etwas wie ein Todesurteil. Die Band braucht Druck und Dreck, um ihre eigentlichen Qualitäten auch auf einem Studioalbum präsentieren zu können. Das Songmaterial ist so schlecht eigentlich nicht, auch die Band präsentiert sich ordentlich. Aber es fehlt einfach dieser Druck, der mich z.B. auf Be Seeing You noch aus dem Schuh gehauen hat. Schade. Was für Dr. Feelgood Fans noch ein lohnendes Album sein kann, würde ich Pub-Rock Fans nur eingeschränkt empfehlen.

 

Trackliste

  1. Down at the Doctors (Jupp) (3:19)
  2. Every Kind of Vice (Brilleaux, Mayo) (3:27)
  3. Things Get Better (Floyd) (2:51)
  4. Milk and Alcohol (Lowe, Mayo) (2:55)
  5. Night Time (Feldman, Goldstein, Gottehrer) (5:26)
  6. Let's Have a Party (Baxter) (2:42)
  7. Take a Trip (Brilleaux, Mayo) (4:25)
  8. It Wasn't Me (Lowe, Mayo) (3:06)
  9. Greaseball (Mayo) (3:55)
  10. Sugar Shaker (Brilleaux, Mayo, Sparks) (4:45)

Rezensent: MP.