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Albumbesprechung Druckfarben - Druckfarben

Interpret: Druckfarben

Titel: Druckfarben

Erscheinungsjahr: 2011

Genre: Prog, Retro-Prog, Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Druckfarben ist das selbstbetitelte Debütalbum der Band Druckfarben. Das Album der kanadischen Prog-Rocker wurde am 26. September 2011 veröffentlicht.

Druckfarben, das sind Phil Naro (voice), Ed Bernard (guitars, voice, violin, mandolin), William Hare (keyboards), Peter Murray (bass, voice) und Troy Feener (drums, percussion). Es handelt sich um gestandene Musiker der Progszene Torontos. Bekanntestes Mitglied dürfte Sänger Naro sein, der sich einst u. a. als Sänger der Band Talas Meriten verdiente.

Prog hatte ich schon als erste Einstufung genannt. Die Band selbst tourt mit Eigenmaterial und Coverversionen großer Progbands wie Yes und Genesis. Auf der Website gibt es u. a. Links zu Gentle Giant, Kansas, Jethro Tull, Dream Theater und Spock's Beard. Peter Murray äußerte sich einmal wie folgt zur musikalischen Herkunft der Musiker:

We all have a very wide variety of influences, both in and out of the prog world. But we all share a love of the great classic prog bands, I'd say especially Yes, Genesis, Gentle Giant and King Crimson. For myself, I'd add that some of my other favourites include the Beatles, XTC, Radiohead and King's X.

Das alles verdeutlicht den grundsätzlichen Kurs der Band. Die Band bietet einiges an klassisch orientiertem Prog mit Anleihen an Sounds der großen Bands wie ELP, Gentle Giant, Yes und Genesis. Ed Bernard stellt klar, dass die Musiker große Yes-Fans sind und er bedankt sich in der Regel für jeden Vergleich mit Yes.

Diese Einflüsse bilden die Basis für eine hervorragend funktionierende Band. Phil Naro singt vorzüglich und klingt wie ein Mix aus Jon Anderson, John Wetton und vielleicht auch Geddy Lee. Gitarrist Ed Bernard ist mit allen Wassern der Gitarrenkunst gewaschen, er klingt mal nach Howe, mal nach Hackett, aber auch nach Holdsworth Fusion oder nach modernen Shredding Gitarristen. Murrays Basslinien grummeln mit guter Durchsetzung in bester Squire Manier, Feener ist ein vorzüglicher Drummer. Keyboarder Hare korrespondiert vorzüglich mit Bernard, außerdem klingt Hare immer wieder angenehm nach klassischen ELP und Gentle Giant.

Die Songs

  • Der Opener "ELPO" drängt instrumental in die Ecke ELP, verleugnet aber auch nicht die Affinität zu Gentle Giant. Der Song zündet in jedem Moment und bietet allerfeinsten Retro-Prog. Schade, dass der Song so kurz läuft.
  • "Influenza" wird mit Country-Rock ähnlichen Lines eröffnet. Der Song tendiert so auch etwas Richtung AOR, wird aber immer wieder mit schönen klassischen Progphrasen ergänzt. Der erste Song mit Sänger Naro, der hier durchaus mit Jon Anderson vergleichbar ist. Allerdings singt Naro deutlich druckvoller.
  • "Smaller Wooden Frog" legt wieder einen drauf und offeriert höchste Spielkunst - anders kann ich es nicht sagen. Schöner klassischer Prog mit einer leichten Jazz-Fusion Note. Interessant finde ich hier den Gesang Naros, der in diesem Kontext ungemein an John Wetton erinnert.
  • "Dead Play Awake" tendiert musikalisch Richtung Nordamerika mit gewissen Vergleichbarkeiten etwa zu Saga. Auch hier erinnert Naro gesanglich etwas an Wetton, in hohen Passagen wiederum eher an Anderson.
  • "Walk Away" schnuppert wieder Mainstreamluft, das klingt wie ein Mix aus Rabin-Yes und späten Kansas. Dabei erstarrt die Band aber nicht in billigem AOR.
  • "Seems So Real" klingt anfangs nach Gentle Giant, mündet dann in einen angenehmen balladesken Rocksong. Auch hier gibt es in einigen Passagen Vergleichbarkeiten zur Rabin-Yes Phase.
  • Auch "Nat Nayah" besitzt wieder eine Mainstream-Note, wieder mit Anspielungen an Yes - vielleicht eher aus der Phase nach 1990.
  • "Sons Of Anakim" ist interessant und groovig aufgebaut. Wieder ein Song, auf dem sich allerlei Zitate finden - von Gentle Giant bis hin zu den Dregs und Yes. Insgesamt der sperrigste Song des Albums.
  • "Nonchalant" liefert die Band zum Abschluss einen balladesken Song ab, der grundsätzlich etwas nach Folk klingt, aber die Mellotronwände im Background zeigen, wo die Band herkommt.

Fazit In der Hochphase des Prog wandten sich die meisten der großen Bands dem Mainstream/AOR zu. Das ging sehr oft in die Hose, in der Regel gab es zuviel Mainstream und die klassischen Proganteile verloren sich im Nirwana. Bei Druckfarben geht diese Rechnung auf, ich habe die Kombination aus eingängigen Rockphrasen und klassischen Progmotiven selten besser gehört. In der Summe klingt das dann wie Yes aus der Rabinphase - nur wesentlich interessanter und mit mehr klassischem Progapproach. Der Mix passt in jedem Fall, musikalisch ist das hochklassig. Die Band ist hochkarätig besetzt und besitzt in Phil Naro einen mehr als amtlichen Shouter. Aus meiner Sicht liefern Druckfarben mit ihrem Debüt ein ideales Album für den, der in die Progwelt einsteigen möchte. Aber auch der gestandene Proggie sollte von dem Menue keine größeren Bauchschmerzen bekommen. Mich persönlich hat das Album überzeugt und stellenweise einfach weggeblasen.

 

Trackliste

  1. ELPO (02:34)
  2. Influenza (05:24)
  3. Smaller Wooden Frog (04:37)
  4. Dead Play Awake (07:33)
  5. Walk Away (03:03)
  6. Seems So Real (04:28)
  7. Nat Nayah (05:40)
  8. Sons Of Anakim (03:55)
  9. Nonchalant (07:33)

Rezensent: MP