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Albumbesprechung Eloy - Dawn

Interpret: Eloy

Titel: Dawn

Erscheinungsjahr: 1976

Genre: Prog-Rock, Art Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Dawn war das fünfte Album der Hannoveraner Band Eloy. Es erschien im Jahr 1976 nach dem Album Power And The Passion. Dawn knüpfte musikalisch und konzeptionell an das Vorgängeralbum an und kann als eine gewisse Weiterentwicklung betrachet werden. Von der alten Besetzung war nur noch Frank Bornemann dabei. Dazu holte er sich Klaus-Peter Matziol (Bass), Detlev Schmidtchen (Keyboards) und Jürgen Rosenthal (Schlagzeug). Diese Besetzung wird von vielen Eloy Fans als die stärkste Eloy-Formation betrachtet. In der Besetzung veröffentlichte Eloy ihre wohl erfolgreichsten Alben.

Dawn ist eine Art Konzeptalbum. Im Prinzip knüpfte die Band an die Geschichte von Jamie vom Vorgängeralbum an. Insgesamt gelang das auf Dawn etwas flüssiger und konsequenter. Stilistisch schien die Band gefestigter denn je. Das Album besteht laut Trackliste aus relativ kurzen Songs. Allerdings muss man bedenken, dass die Songs praktisch nahtlos ineinander übergehen. So gesehen könnte man hier fast von einem Miniopus sprechen, was der Vorliebe der Band für lange Songs entsprechen würde. Tatsächlich wird durch die Wiederholung bestimmter Motive in unterschiedlichen Songs ein gewisser roter Faden angeboten.

Awakening eröffnet das Album symphonisch. Ein relativ dicker Keyboardsound, garniert mit Regen und Donner sowie Streichersequenzen, verleiht dem Song einen recht dramatischen Charakter. Danach öffnet sich der Song in eine Pickinggitarren-Sequenz. Der Song leitet direkt in den Miniopus Between the Times über. Between The Times ist ein kurzer Zyklus, der mit dem riffrockigen Between The Times beginnt, danach in das anfangs ruhige Memory Flash führt. Es folgt Appearance of the Voice. Hier will uns eine Stimme etwas erzählen - nicht untypisch für Eloy. Dieser Part ist rhythmisch vertrackt und wiederholt Motive aus Memory Flash. Den Abschluss von Between The Times bildet Return of the Voice. Auch hier wird das Geschehen durch etliche gesprochene Teile bestimmt, der Song hat etwas angenehm dramatisches.

Mit dem Sun-Song steigert die Band das Niveau weiter, vielleicht legt sie den besten Eloy-Song überhaupt vor. Der Song beginnt atmosphärisch, mit einer leicht dramatischen Note. Die Gitarren spielen hier lediglich eine ergänzende Rolle, die Keyboards dominieren den Song mit tollen Sounds. Der Song geht in einen kurzen Gesangsteil über, steigert sich in einen majestätischen Part und geht nahtlos über in The Dance in Doubt and Fear. Auch hier präsentiert die Band einen sphärischen Song mit flächigen Keyboardsounds und viel gesprochenem Text in typischer Eloy Manier. Der Song kann die Spannung halten und geht in den nächsten Song über. Lost!?? (Introduction) klingt, mit diesen fast gregorianisch anmutenden Chören, ungewöhnlich (auch wenn diese Idee nicht gerade neu ist). Sehr schön gemacht sind die dynamischen Wechsel im Song. Lost?? (The Decision) beginnt klassisch mit Anleihen an J.S. Bach, danach groovt der Song zu schönen Bassparts ordentlich. Auch der Song geht nahtlos über in den nächsten Song, The Midnight Flight / The Victory of Mental Forces. Mit Sturmwind eröffnet, erhält auch der Song einen schönen Groove und steigert sich schön mit progressiven und symphonischen Parts. Mit Gliding into Light and Knowledge nimmt die Band den Fuß vom Gas. Der ruhige Song mit vielen Naturgeräuschen ist eine schöne Ergänzung zum relativ harten Vorgängersong. Den Abschluss bildet der Song Le Reveil du Soleil / The Dawn. Hier begleitet den Hörer ein Basis Bassriff durch den kompletten Song. Der Song wird durch den Wechsel von atmosphärischen Parts und dynamischen Steigerungen bestimmt.

Fazit Dawn stellt, nach meiner Ansicht, eines der besten Deutschrockalben überhaupt dar. Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass ich mit der Meinung alleine auf weiter Flur stehe. Aber manchmal hat man eben seine persönlichen Favoriten. Dawn ist, wenngleich mit Pathos behaftet, einfach gelungen. Das Konzept wirkt in sich geschlossen und stimmig. Bornemann singt hier sogar relativ ordentlich, sein typisch denglischer Akzent ist weniger wahrnehmbar, als auf alten Alben. Die Bandbesetzung ist klasse, diese Besetzung war die beste Eloy Besetzung und wird nicht selten als "das" klassische Band Line-Up bezeichnet. Die Basslines von Matziol und das Keyboardspiel von Schmidtchen überzeugen komplett, Rosenthal würde ich zu den besten deutschen Drummern jener Zeit zählen. Dawn ist die Summe gelungener Songs und erstklassiger musikalischer Leistungen, ein Album, welches ein Deutschrock Fan zumindest einmal gehört haben sollte.

Trackliste

  1. Awakening 2:38
  2. Between The Times 6:07
    1. Between the Times 1:50
    2. Memory-Flash 1:56
    3. Appearence of the Voice 1:12
    4. Return of the Voice 1:08
  3. The Sun-Song 4:55
  4. The Dance in Doubt and Fear 4:25
  5. Lost!?? (Introduction) 5:18
  6. Lost?? (The Decision) 4:58
  7. The Midnight-Flight / The Victory of Mental Force 8:09
  8. Gliding into Light and Knowledge 4:15
  9. Le Reveil du Soleil / The Dawn 6:45

Rezensent: MP