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Albumbesprechung Epitaph - Danger Man

Interpret: Epitaph

Titel: Danger Man

Erscheinungsjahr: 1982

Genre: Hard-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Danger Man ist ein Album der deutschen Band Epitaph. Das Album wurde ursprünglich 1982 veröffentlicht, MIG Hannover legt zum 30.03.2012 das Album als Remaster-CD neu auf.

Danger Man war sozusagen das letzte Album der "klassischen" Epitaph. Die Band wurde, wie so viele deutsche Bands der 1970er, gerne in den großen Topf Krautrock gesteckt. Und Epitaph gehörten zu den Bands, die nicht so recht in den Topf passten. Nicht nur, weil das ursprüngliche Trio aus zwei Engländern und einem Deutschen bestand, sondern auch wegen der musikalischen Ausrichtung. Die Band spielte kernigen Rock, gerne mal härter und mit Anleihen an den härteren US-Rock. Mit klassischem Krautrock hatte das eigentlich wenig zu tun,

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen von Danger Man hatte die Band schon einiges hinter sich. 1969 in Dortmund als Fagin's Epitaph von den Briten Cliff Jackson (Gesang, Gitarre) und James McGillivray (Schlagzeug) sowie dem deutschen Bassisten Bernd Kolbe gebildet, folgten bis 1975 in wechselnden Besetzungen ein paar mittelmäßig erfolgreiche Alben. Immerhin konnte sich die Band in den USA einen guten Ruf erarbeiten, dafür gab es sogar einen Plattenvertrag in den USA. Die Plattenfirma ging aber 1975 in Konkurs und Epitaph standen praktisch mittellos da. Um nicht auch noch für Schulden der Firma herangezogen werden zu können, lösten sich Epitaph offiziell auf. Nach Ende des offiziellen Vertrags mit der insolventen Plattenfirma reformierte sich die Band Ende 1975. Die Band fand den Anschluss in Deutschland schnell wieder, vor allem als Liveband waren Epitaph eine gerne gebuchte Bank.

1981 holte Cliff Jackson alte Mitstreiter in die Band und spielte mit Klaus Walz (git), Bernd Kolbe (Bass) sowie Norbert Panzer Lehmann (Schlagzeug) dieses Album Danger Man ein. Auch wenn sich die Band später etwas vom Cover distanzierte, deutete das Originalcover mit der martialischen Hand mit Totenkopfringen und Nietenarmband auf das Hard-/Heavy Genre. Der Neurelease wurde in einer neutraleren Form gestaltet, dennoch würde ich Epitaph auf Danger Man als Hard- bis Heavyband bezeichnen wollen.

Die Songs

  • Gleich mit dem hymnischen Opener "Long Live The Children" wird das dann auch klar, der Song passt gut ins damalige Hairmetal-Genre. Live spielt der Song mit dem Mitsing-Charakter zweifellos seine Stärken aus, auf Platte wirkt das jedoch nicht ganz so überzeugend. Vor allem gab es zu viele andere Bands, welche schon ähnlich klingende Songs aufgenommen hatten.
  • Besser klappt das mit "Heartless". Der treibende Hard-Rock ist interessanter aufgebaut und knüpft in stärkerem Maß an klassische Epitaph Sounds an.
  • Auch "High Wire" kann an alte Qualitäten anknüpfen, wobei die Band hier in AOR-Gefilden wildert. Die Twin-Leads, die Strophen und der Refrain klingen enorm vertraut.
  • "Snake Charmer" hält an den US-Sounds fest und hört sich wie ein Mix aus BTO und Steve Millers Keep On Rockin Me Baby an.
  • Mit "Small Town Girl" gibt die Band wieder etwas Kante und zeigt eine angenehme Härte mit Anleihen an 1970er Glam-Rocksounds.
  • "Ain't No Liar" legt weiter an Härte zu und besitzt eine gewisse Nähe zu englischen NWOBHM Sounds.
  • "Let Me Know" tendiert danach Richtung US-Rock, wobei die Band hier auch wieder stark nach eigenen älteren Sounds klingt.
  • "The Daughter" ist zum Abschluss ein angenehm schwerer Hard-Rock mit melodischen Gesangsparts. Aus meiner Sicht legt die Band hier den besten Song des Albums vor.
  • Danger Man erhielt für das Remaster zwei Bonustracks: "Good Times" und eine Liveversion von "Ain't No Liar". "Good Times" ist eine härtere Coverversion des Easybeats Songs, allerdings mit etwas störenden E-Drumsounds. "Ain't No Liar" ist eine relativ neue Liveversion, die am 19. November 2011 im Musiktheater Piano in Dortmund mitgeschnitten wurde. Der Song klingt, im direkten Vergleich zur Albumversion, erstaunlich funky.

Fazit Epitaph gehören zu den Bands, die man meines Erachtens völlig zu Unrecht in den großen Krautrocktopf geworfen hatte. Die Band legte sich schon früh auf einen relativ amtlichen Hard-Rock fest. Dafür gab es Lob aus den USA, außerdem hörte man die Band oft auf Bikerfestivals. Auch Danger Man bleibt dem harten Genre treu und klingt nie nach Krautrock. Die Band bewegt sich irgendwo zwischen 80s Hair-Metal, Hard-Rock und härterem AOR. Dabei beginnt das Album mit einem Totalausfall (der Hair-Metal Kopie Long Live Children) und endet mit dem Highlight The Daughter. Dazwischen gibt es soliden härteren Rock. Für Freunde des Hard-Rock bis Heavy Metal müsste das aufgehen.

 

Trackliste

  1. Long Live The Children (4:11)
  2. Heartless (4:33)
  3. High Wire (3:32)
  4. Snake Charmer (4:12)
  5. Small Town Girl (3:27)
  6. Ain't No Liar (3:32)
  7. Let Me Know (3:48)
  8. The Daughter (6:15)

Bonus Tracks

  • Good Times (4:12)
  • Ain't No Liar (live) (5:14)

Rezensent: MP.