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CD-Kritik Extreme - Extreme II Pornograffitti

Interpret: Extreme

Titel: Extreme II Pornograffitti

Erscheinungsjahr: 1990

Genre: Funkmetal, Hairmetal

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Pornograffitti (eigentlich Extreme II: Pornograffitti) war das zweite Album der Band Extreme. Es erschien im Jahr 1990. Das Album war das erfolgreichste Album von Extreme. In den USA erreichte es Rang 10 der Charts und es gab 2-fach Platin. Im UK reichte es zu Rang 17 und es gab Platin. In Kanada gab es sogar 3-fach Platin. Das Album war eigentlich ein Paradebeispiel für kernigen Funk Metal, allerdings wurden Extreme durch zwei akustische Balladen des Albums bekannt: More Than Words und Hole Hearted.

Das vom Studioass Michael Wagener produzierte Album war in jedem Fall ein Riesenerfolg. Die Fans waren mehr als zufrieden, auch Kritiker kamen mit dem Album gut zurecht. Gitarrist Nuno Bettencourt erspielte sich einen Rang unter den absoluten Topgitarristen, sein Solo etwa auf dem Song Get The Funk Out und das Intro zu He-Man Woman Hater sind mittlerweile fast legendär und gaben Gitarristen lange Zeit einige Rätsel auf.

Die Songs

"Decadence Dance" eröffnet das Album symphonisch. Das klingt verspielt, aber Extreme legen recht schnell nach. Der Song entwickelt sich zu einem härteren Boogie und liegt damit ein Stück weit im Hairmetal. Ähnlich gelagert sind die folgenden Songs "Lil' Jack Horny", "When I'm President" und "Get The Funk Out". Der Funkanteil wird, wenn man so will, mit jedem Song etwas gesteigert und findet einen gewissen Höhepunkt im Song Get The Funk Out. Verstärkt wird der Funkanteil immer wieder durch Bläsersektionen, dazu brilliert Bettencourt immer wieder mit wahnwitzigen Riffs und Licks. Auch hier bildet das Solo in Get The Funk Out sicherlich einen Höhepunkt. "More Than Words" war der Tophit dieses Album. Eigentlich handelt es sich um einen gänzlich untypischen Extemesong, eine Akustikballade zuckersüßer Prägung und mit sehr beatlesken Harmonien. Das Volk wollte genau solche Songs, damals war Unplugged eigentlich immer gut verkäuflich. Und Extreme legten mit More Than Words einen der eingängigsten Songs dieser Richtung vor. "Money (In God We Trust)" legt wieder zu und knüpft an die ersten harten Songs an. Der Song bietet eine gute Mischung aus Hairmetal und Funkmetal.

"It ('s a Monster)" und "Pornograffitti" gehen wieder Richtung Funkmetal, beide Songs sind sehr groovig gestaltet. Bettencourt brilliert auch hier immer wieder mit fulminanten Licks, auf It's a Monster darf auch Bassist Badger zeigen, dass er auf dem Bass recht flott unterwegs ist. "When I First Kissed You" durchbricht das bisherige Schema total. Der Song klingt wie eine smoothy Barjazznummer, stellenweise gibt es Steigerungen Richtung Barry Manilow. Das klingt durchaus interessant, obwohl es irgendwie nicht so recht in den Kontext des Albums passen will. "Suzie (Wants Her All Day What?)" kracht wieder hart funky, extrem groovig und unterhaltsam los. Einmal mehr liefert Bettencourt ein beachtliches Solo, es erinnert enorm an Michael Schenker. "He-Man Woman Hater" beginnt mit einem wahnwitzigen Gitarrenintro von Meister Bettencourt. Bettencourt schafft es auch, das relativ klassische Thema durch Doppelung der Gitarre wie eine Violine klingen zu lassen. Mir bricht der Schweiß beim Zuhören aus, an Nachspielen denke ich da gar nicht. Er hat auf dem Album schon einige extrem schnelle Dinger abgezogen, aber das setzt dem Ganzen die Krone auf. Danach beginnt der eigentliche Song, zu dem man nicht mehr viel sagen muss: klassische Extreme Rezeptur, vielleicht mit mehr klassischen Hardrock Anteilen als zuvor. "Song For Love" ist eine herzergreifende Ballade mit einem extrem eingängigen Refrain. Durch die schönen Instrumentalparts klingt das gut und hebt sich von typischen Heavyballaden ab. "Hole Hearted" war die zweite Single aus jenen Tagen. Auf der Original LP war der Song nicht drauf. Ungeachtet dessen war Hole Hearted nach More Than Words der größte Hit der Band. Auch wieder ein balladesker Song mit einer Unpluggednote.

Fazit Pornograffitti war der größte Erfolg der Band Extreme. Auch wenn viele Fans das Album vor allem wegen der Ballade More Than Words kauften, konnten Extreme aus meiner Sicht vor allem eine Duftmarke im Funkmetal absetzen. Das Album gehört zu den wichtigen Alben dieser Stilistik. Extreme präsentierten vornehmlich sehr groovigen Heavy Metal mit Anleihen an den Hairmetal der 1980er. More Than Words, Song For Love und When I First Kissed You fallen aus dem Rahmen. Das ist aber gut so, schafft es doch etwas Abwechslung. Die Band performt gut, Sänger Cherone überzeugt, Badger und Geary geben ein gutes Rhythmusfundament. Über allem stehen die fulminanten Einlagen von Nuno Bettencourt, der sich mit diesem Album auf den Gitarrenolymp spielen konnte.

Trackliste

  1. Decadence Dance 6:49
  2. Lil' Jack Horny 4:51
  3. When I'm President 4:21
  4. Get The Funk Out 4:24
  5. More Than Words 5:34
  6. Money (In God We Trust) 4:11
  7. It ('s a Monster) 4:24
  8. Pornograffitti 6:15
  9. When I First Kissed You 4:00
  10. Suzie (Wants Her All Day What?) 3:38
  11. He-Man Woman Hater (with intro) 6:20
  12. Song For Love 5:55
  13. Hole Hearted 3:39

Rezensent: MP