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CD-Kritik: Donald Fagen - The Nightfly

Interpret: Donald Fagen

Titel: The Nightfly

Erscheinungsjahr: 1982

Genre: Westcoast Pop

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

The Nightfly ist das Debütalbum von Donald Fagen. Das Album erschien im Jahr 1982. Ungeachtet der nicht überragenden Chartplatzierungen war das Album ein kommerzieller Erfolg. In den USA und in Großbritannien erhielt das Album jeweils Platin, 1983 gab es einige Grammy Nominierungen für The Nightfly. Außerdem war The Nightfly eines der ersten komplett digital produzierten Alben der Popmusik. So gesehen war es lange Zeit technisch State-Of-The Art und wurde gerne als Referenzscheibe für Stereoanlagen genutzt.

Der Name Donald Fagen könnte Musikfreunden auf Anhieb. Aber Fagen ist ein musikalisches Schwergewicht, mit Walter Becker bildete er den Kern der Band Steely Dan. Und Steely Dan dürfte ohne Zweifel eine der wichtigen US-Bands der Rockgeschichte sein. Nachdem sich Steely Dan auflösten, trennten sich die Wege von Fagen und Becker vorübergehend. Fagen nutzte die Zeit und legte 1982 dieses Solo-Debütalbum vor. Der Keyboarder und Sänger Fagen musste natürlich etwas tiefgründiges aufnehmen. Nightfly ist nicht einfach nur so ein Album, es ist eine Art Konzeptalbum. Es geht um die 50er Jahre. Das Albumcover mit Fagen vor einem 50er Jahre Mikro ist komplett in schwarz-weiß gehalten und stellt Fagen als Radiosprecher/Jazz DJ The Nightfly jener Epoche dar. Auch inhaltlich befasst sich Fagen mit der Zeit. Die ausgekoppelte Single I.G.Y etwa handelt vom International Geophysical Year. Dieses wissenschaftliche Event lief von Juli 1957 bis Dezember 1958. Ziel war die internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern. Der Leiber Stoller Song Ruby Baby stammt auch aus jener Zeit und wurde erstmals im Jahr 1956 von den Drifters vorgestellt. Der Titelsong erzählt Geschichten aus der Sicht des erwähnten Jazz Dj's aus der damaligen Epoche.

Fazit Musikalisch frönt Fagen eher seinen bekannten Vorlieben: dem perfekt produzierten Pop mit Jazzeinflüssen. Das kann er gut, er hat das bei Steely Dan oft gezeigt. Aber er hat uns mit Becker auch gezeigt, dass die beiden manchmal etwas zu Übertreibungen neigen. Auch hier muss man sagen: Nightfly ist perfekt - zu perfekt und fast überproduziert. Als Mitmusiker holte sich Fagen alles, was Rang und Namen hat. Mit dabei sind z. B. Larry Carlton, Rick Derringer, Steve Khan, Dean Parks, Jeff Porcaro, Randy Brecker, Marcus Miller, Abe Laboriel und so weiter und so fort. Zur Musik muss man da nicht mehr viel sagen. Wer Steely Dan kennt, wird von dem Album kaum überrascht werden. Fagen bietet intelligenten, perfekten und angenehmen Westcoast Pop und Jazz-Fusion. Alles spielt sich auf einem sehr hohen Niveau ab, die Songs sind gut gelungen. Allerdings wirkt diese Musik stellenweise eben etwas klinisch und steril. Trotzdem lohnt sich ein Reinhören natürlich, denn auch ein überproduziertes Werk von Fagen klingt immer noch besser als andere Platten des Genres.

Trackliste

  1. I.G.Y. 6:05
  2. Green Flower Street 3:40
  3. Ruby Baby (Jerry Leiber, Mike Stoller, Arrangiert von Donald Fagen) 5:38
  4. Maxine 3:50
  5. New Frontier 6:23
  6. The Nightfly 5:45
  7. The Goodbye Look 4:47
  8. Walk Between Raindrops 2:38

Bonus tracks vom The Nightfly Trilogy MVI Boxed Set

  • True Companion 5:09
  • Green Flower Street (Live) 4:25
  • Century's End 5:32

Alle Songs, soweit nicht anders vermerkt, von Fagen

Rezensent: MP