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Review Chris Farlowe - Glory Bound

Interpret: Chris Farlowe

Titel: Glory Bound

Erscheinungsjahr: 2000/2013

Genre: Blues-Rock, Rock

 

Rezension/Review

Glory Bound ist der Titel eines Albums von Chris Farlowe. Das Album wurde ursprünglich im Jahr 2000 veröffentlicht, am 31. Mai 2013 wird es über MIG neu veröffentlicht.

Sänger Farlowe hatte zum Zeitpunkt der Aufnahmen eine Band mit Gitarrist Norman Beaker, Keyboarder Dave Baldwin, Drummer Paul Burgess, Bassist John Price und Saxofonist Lenni am Start. Als Gastmusiker waren u. a. die Gitarristen Micky Moody (Track 4,7) und Mick Green (Track 11) sowie Mundharmonikaspieler Paul Jones (Tracks 7, 11) dabei.

Farlowe gehört zu den bekanntesten Rocksängern aus Großbritannien, viele halten ihn für den besten Rocksänger überhaupt. Diesen Ruf konnte er zumindest in den späten 1960ern kommerziell umsetzen, später lief seine (Solo)karriere mehr schlecht als recht. Es ist natürlich so, dass Farlowe immer ein Stück weit auf das Material anderer Songwriter angewiesen war und ist. Dabei stellt sich die Frage, wie gut ein Song überhaupt ist und im Fall Farlowes stellt sich die Frage aller Fragen: wie gut wird dieser Song vom Künstler interpretiert.

Wenn man dieses Album anhört, wird eigentlich schnell klar, um was es gerade bei Künstlern wie Farlowe geht. Er verarbeitete hier Songs, welche durchaus Potenzial haben. Zumindest lagen gute bis sehr gute Versionen anderer Künstler vor. Von einem Kaliber wie Farlowe würde man jetzt mächtige Steigerungen erwarten. Was kommt, stammt aber eher aus kleineren Kalibern.

Drei Songs auf dem Album kannte man zuvor von Delbert McClinton: Shaky Ground, Blues As Blues Can Get und Miss You Fever. Shaky Ground interpretiert Farlowe nahe am Original, erreicht aber nicht ganz die Qualität von McClinton. Ähnliches gilt für Blues As Blues Can Get, wobei Farlowe diesen Song mit etwas mehr Groove präsentiert. Miss You Fever fällt gegenüber McClintons Version für meinen Geschmack klar ab.

Randy Newmans Think It's Gonna Rain Today präsentiert Farlowe A-Capella. Das ist gewagt und man muss das würdigen. Dennoch erreicht Farlowe nie das Gänsehautgefühl von Newman (der natürlich i. d. R. Piano und Orchester hinter sich hatte). Johnny Guitar Watsons Gangster Of Love ist zwar schwungvoll eingespielt, dennoch würde ich auch hier die Originalversion vorziehen. Auch die Lonnie Mack Nummer Tough On Me Tough On You erhält durch Farlowe keine Aufwertung, die alte Nummer Cry To Me wirkt etwas lustlos eingespielt.

Neben diesen Covers trug sich Rick Byrd (ex Joan Jett) als Songwriter ein. Dessen Ballade Wide Open klingt brav, ist aber kein Übersong. Ganz unterhaltsam ist dagegen sein Blues-Rock Don't Think I Will, der vor allem durch Moodys Slidegitarren aufgewertet wird. Ex-Manfred Mann Sänger Mike D'Abo steuerte den balladesken Titelsong Glory Bound bei, den Farlowe gut interpretiert. Von Gitarrist Norman Beaker stammt der gospelige Blues-Rock Don't Wanna Live Without You. My Best Friends Girl ist ein äußerst klischeebehafteter Popsong, der besser in die 1980er gepasst hätte.

Auf dem Neurelease von Mai 2013 gibt es zu den Originalsongs noch zwei Bonustracks: Feel The Power Of Love und Handbags und Gladrags Live.

Fazit Mit Chris Farlowe ist es ein echtes Kreuz. Der Mann hat eine tolle unverwechselbare Stimme, aber im Rahmen seiner Solokarriere wusste er sie nicht immer optimal zu nutzen. Das ist auch hier der Fall. Dadurch kann er vor allem bezüglich der Covers keine Akzente setzen, was man aber eigentlich von einem Sänger seines Formats erwarten würde.

Trackliste

  1. Wide Open 4:11
  2. Blues As Blues Can Get 4:49
  3. Miss You Fever 5:11
  4. Don't Wanna Live Without You 2:49
  5. Shaky Ground 5:46
  6. Glory Bound 3:57
  7. Don't Think I Will 3:49
  8. My Best Friends Girl 4:52
  9. Tough On Me Tough On You 4:18
  10. Gangster Of Love 4:02
  11. Cry To Me 4:12
  12. I Think It's Gonna Rain Today 2:24

Rezensent: MP