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Review Chris Farlowe - Waiting In The Wings

Interpret: Chris Farlowe

Titel: Waiting In The Wings

Erscheinungsjahr: 1992/2013

Genre: Pop/Rock, R&B, Blue Eyed Soul

 

Rezension/Review

Waiting In The Wings ist der Titel eines Albums von Chris Farlowe. Das Album erschien erstmals 1992, nun gibt es via MIG zum 28. Juni 2013 ein Re-Release.

Zur Produktion holte man 1992 bekannte Namen der Rockszene. Alleine die Liste an Gitarristen ist beachtlich: Alvin Lee (ex Ten Years After), Albert Lee, Mickey Moody (ex Whitesnake), Clem Clempson (ex Humble Pie/Colosseum), Geoff Whitehorn (If, Roger Chapman) und die beiden Studio-/Sessiongitarristen Phil Palmer und Tony Crooks. Am Bass wirkten Boz Burrel (King Crimson, Bad Company), Leo Lyons (Ten Years After) und Sessionbassist Kuma Harada mit. Am Schlagzeug saß Charlie Morgan, an den Keyboards Tim Hinkley und Andy Nye. Sam Brown sang Backing Vocals ein.

Eine beachtliche Dichte an vorzüglichen Musikern. Das Songmaterial stammte, wie gewohnt, in der Regel von anderen Musikern. In dem Fall konnten sich die beteiligten Musiker Leo Lyons/Andy Nye und Tony Crooks dreimal in den Credits eintragen (Working In A Parking Lot, On The Beach, Livin' It Up). Zwei Songs stammen von Mickey Jupp (Function To Function, Make It Fly). Andy Hill und der einstige King Crimson Texter Sinfield steuerten zwei Songs bei (Don't Walk Away, Waiting In the Wings). Eine Zusammenarbeit von Farlowe mit Jimmy Page ist der Song Blues Anthem, auf Some Mothers Son arbeitete Farlowe mit Micky Moody zusammen.

Ungeachtet der prächtigen Besetzung erging es Farlowe mit diesem Album wie mit den meisten seiner Soloalben: das Album ging unter. Wenn es nicht läuft, kommt auch noch Pech dazu. Farlowe hatte damals keinen Plattenvertrag. Das Album nahm er dann auf einem kleinen Label in Spanien auf, dort wurde das Album zuerst veröffentlicht. Vor Veröffentlichung in Großbritannien kamen die Originalbänder abhanden, weshalb das UK-Release eine andere Tracklist und einen anderen Mix aufwies. Das alles ist natürlich suboptimal, aber auch bei dem Album muss man einfach festhalten, dass das Songmaterial nicht durchgängig überzeugen kann und Farlowe nicht alles zeigt, was er kann.

Gleich der Opener "Rock And Roll Soldier" von Troy Seals ist zwar solide Kost, die Version wirkt aber im direkten Vergleich z. B. zur Point Blank Version etwas kraftlos. "Try Me" groovt mit einer angenehm souligen Note gut und wirkt insgesamt etwas stimmiger. "Some Mothers Son" ist einmal mehr ein Song, den andere besser performen könnten. So ein Song würde z. B. Sass Jordan besser zu Gesicht stehen. Leider überzeugt Farlowe auch auf der Joe Sample/Will Jennings Nummer "Hold On" nicht.

Lyons, Nye und Crooks haben drei Songs beigesteuert. "Working In A Parking Lot" und "Livin' It Up" erinnern vom Groove an die von mir nicht gerade präferierte moderne ZZ Top Phase. Ganz anders "On The Beach", eine perfekte Popnummer, die aber enorm austauschbar wirkt. Schade eigentlich, denn gerade diese drei Songs werden von Farlowe gut eingesungen.

Auch der Hinkley/Lee Boogie Rock "Too Late To Run For Cover" lässt sich gut an, aber auch hier gibt es wenig Neues zu hören. Solide Highlights bilden die beiden Mickey Jupp Songs, lässig rockend "Function To Function" und sehr intensiv die Akustiknummer "Make It Fly". Hier zeigt Farlowe, warum er zu den besten des Fachs gezählt wird. Auch die A-Capella Nummer "Blues Anthem" wäre dazu angetan, hier überzeugt Farlowe aber m. E. nicht.

Verzichtbar sind die beiden damals wahrscheinlich wichtigsten Songs des Albums: "Don't Walk Away" und "Waiting In The Wings". Hill und Sinfield (ja, der Sinfield der frühen King Crimson) hatten zu der Zeit als Lieferanten eingängiger Popsongs z. B. für Bucks Fizz ihre Qualitäten gezeigt. Auch hier gibt es perfekten, aber belanglosen Pop mit einer Note Blue Eyed Soul. Immerhin kann der Spanish-Mix bei beiden Songs noch etwas herausholen. Trotzdem erinnert Farlowe auf dem Titelsong eher an die 1990er Tina Turner als an die große weiße Blues-Hoffnung früherer Tage.

Auf dem Album gibt es außerdem zwei Live Bonustracks. "On The Beach" wirkt stimmig, "Ain't No Love In The Heart Of The City" ist zwar ein guter Song, aber der Sound-Mix ist indiskutabel. Warum packt man so etwas auf einen Re-Release? Da müsste es bessere Versionen im Archiv geben.

Fazit Waiting In The Wings ist weder das beste noch das schlechteste Solo-Album von Chris Farlowe. Es ist aber auch, wie so oft, weder Fisch noch Fleisch. Im direkten Vergleich zum kürzlich erschienen Re-Release Glory Bound würde ich das Album zwar als gut bezeichnen, zumal Farlowe hier gesanglich öfter an alte Klasse anknüpfen kann. Aber das sind nur Momente. Auf der Habenseite stehen sicherlich auch die perfekten Leistungen der beteiligten Musiker. Aber wieder einmal ist das Songmaterial eher durchschnittlich, zu oft wirken die Songs austauschbar und folgen in manchmal ärgerlicher Weise tausendmal gehörten Mustern aus Rock und Pop. Deshalb erübrigt sich eigentlich auch die Frage, warum das Album damals praktisch komplett unterging.

Trackliste

  1. Rock and roll soldier (4:35)
  2. Try me (5:20)
  3. Some mothers son (3:22)
  4. Hold on (4:04)
  5. Working in a parking lot (4:25)
  6. On the beach (4:53)
  7. Too late to run for cover (3:47)
  8. Function to function (4:38)
  9. Make it fly (3:34)
  10. Livin' it up (3:36)
  11. Don't walk away (5:05)
  12. Blues anthem (2:26)
  13. Waiting in the wings (4:34)

Bonustracks

  • Waiting in the wings (Spanish Mix) (4:31)
  • Don't walk away (Spanish Mix) (4:35)

Live Bonus Tracks

  • On The Beach (5:32)
  • Ain't No Love In The Heart Of The City (6:44)

Rezensent: MP