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CD-Kritik Rory Gallagher - Notes From San Francisco

Interpret: Rory Gallagher

Titel: Notes From San Francisco

Erscheinungsjahr: 2011

Genre: Rock, Blues-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Notes From San Francisco ist ein Album mit alten Aufnahmen von Rory Gallagher aus den Jahren 1978/1979. Das Album wurde 2011 veröffentlicht. Eine CD enthält Studioaufnahmen, die zweite CD Liveaufnahmen.

Rory schwitzte sich auf der Bühne, meist in klassischer Triobesetzung, mit puristischen Rock'n'Roll bzw. Blues-Rock durch die Jahre. Taste machte den Anfang, dann begann er seine Solokarriere. In der Zeit der späten Siebziger legte er mit Calling Card und Photo Finish zwei hoch bewertete Alben ab. Und aus der Phase stammen die Studiotakes, die Liveaufnahmen gehen noch ca. ein Jahr weiter.

Die Geschichte zu dem Projekt ist interessant. Eigentlich sollte das Studiomaterial damals genau so veröffentlicht werden. Rory ging nach einer langen Tour in die USA und wollte ein Album im America Sound machen. Dazu ging es ins Studio von Elliot Mazer (His Master's Wheels in Frisco). Rory kannte Mazer von US-Tours, die beiden hatten einen guten Draht zueinander. Das überrascht, zumal sich Mazer erfolglos an einem alternativen Mix des Albums Calling Card versuchte. Dennoch erhielt Mazer später wieder einen Anruf, dass Rory ein Album mit ihm machen wolle. Es sollte ein America Album mit fetterem Sound werden, US-amerikanisch mit stärkeren Rhythmusfraktionen, mehr Gitarren und zusätzlichen Bläsern und Keyboards. Irgendwie kam es dann aber doch nicht zum Album, weil Rory nicht zufrieden mit Mazers Mix war.

Rorys Bruder Donal stellt das auch klar. Rory war mit den American Sessions komplett unzufrieden, er geriet mit Donal darüber sogar in Streit. Rory wollte zum Schluss nur noch weg aus Frisco. Er löste die damalige Band auf und nach einer kurzen Auszeit machte er das, was er für richtig hielt: er nahm ein Trioalbum auf -Photo Finish. Das Album wurde von Dieter Diercks in Köln aufgenommen. Rory war zu der Zeit angefixt vom Gedanken an energetischen und puren Rock'n'Roll. Während des Mixes von Photo-Finish sah er sich eine Show der Sex Pistols an und war begeistert von deren Attitüde:

As close to Eddie Cochran as you're going to get

Das ist Geschichte, Gegenwart ist dieses Album Notes From San Francisco. Rorys Bruder Donal und dessen Sohn Daniel machten sich daran, die Aufnahmen neu aufzulegen. Damit entsprach man angeblich auch einem Wunsch Rorys. Der soll einmal die Hoffnung geäußert haben, dass die American Sessions irgendwann veröffentlicht werden - allerdings mit einem neuen Mix. Das hat man nun möglicherweise verwirklicht. Ich kenne die Originalaufnahmen nicht. Ich würde aber nicht beschwören wollen, ob Rory mit diesem Mix wirklich zufrieden gewesen wäre. Meines Erachtens waren die meisten Remixes unter Donals Regie nie besser als das Original.

Man kann es bezüglich des Studioalbums eigentlich kurz machen. Die Songs Mississippi Sheiks, Cruise On Out, Overnight Bag, Brute Force & Ignorance und Fuel To The Fire sind damals auf Photo Finish erschienen. Ich bin ein Fan dieses Albums, ich fand die Arbeit von Dieter Diercks gut. Das war wohl auch bei Rory der Fall, immerhin nahm er auch Jinx bei Diercks auf. Was man hier hört, ist enttäuschend. Sie klingen tatsächlich komplett anders, die Arrangements sind anders gestrickt. Die Produktion wirkt insgesamt leblos, am schlimmsten wirkt sich das bei Fuel To The Fire aus. Was für ein Unterschied zwischen Originalmix und der herzergreifenden Original Version!

Beim Rest handelt es sich um unbekanntere Songs von Rory. Die Aufnahmen gehen in Ordnung, aber auch hier kommt die Schlagkraft Rorys nach meiner Einschätzung nie durch. Schade.

Zum Studioalbum gibt es eine CD mit bislang unveröffentlichten Liveaufnahmen von vier Abenden im Dezember 1979 im Old Waldorf in Frisco. Hier spielt Rory zusammen mit Ted McKenna (Drums) und Stammbassist McAvoy. Rory in Triobesetzung, und dazu noch in einer der besten Gallagher Formationen. Das ist klassischer Rock'n'Roll- oder wie Gallagher es mal bezeichnete

meat and potatoes rock & roll

Das bietet er uns hier auch. Hochenergetisch, stellenweise ungemein schnell und vergleichsweise hart, seltener extrem bluesy - so war Rory in den späten 1970ern unterwegs. Es gibt bekannte Song u. a. der Alben Photo Finish, Calling Card, Top Priority, Tattoo und Against The Grain sowie den guten alten Bullfrog Blues und eine deftige Version des alten Frankie Ford Songs Sea Cruise. Da gibt es nichts zu meckern, Rory Live war immer etwas Besonderes.

Fazit Ich bin ein Bewunderer von Rory Gallagher. Mich hat die puristische Einstellung des Iren fasziniert, vor allem in den späten 1970ern, wo er immer wieder in prächtiger Triobesetzung unterwegs war. Ich bin mir nicht sicher, ob er mit den Studioversionen auf CD 1 so hätte leben können. Dem Album fehlt aus meiner Sicht die Meat And Potatoes Komponente, welche Rory haben wollte. Einzig das Live-Album entschädigt für einiges. Hier gibt es Rory roh und ungeschliffen. Das gefällt. Rory Fans werden um das Album schwer herumkommen, zumal die Photo-Finish Tracks wirklich ganz anders klingen. Aber aus meiner Sicht könnte es das eine oder andere lange Gesicht geben. Ich persönlich komme nicht umhin, eine Träne wegen der Studio-CD zu verdrücken. Die Live-CD entschädigt aber dafür, sodass man das gesamte Werk auch ordentlich bewerten kann. Trotzdem: wer sich für Rory interessiert, dem wäre alternativ der Genuss der Alben Photo-Finish, Calling Card und optional dem Live Album Stage Struck mit Livetakes vorgenannter Alben zu empfehlen.

Trackliste

CD1

  1. Rue The Day
  2. Persuasion
  3. B Girl
  4. Mississippi Sheiks
  5. Wheels Within Wheels
  6. Overnight Bag
  7. Cruise On Out
  8. Brute Force & Ignorance
  9. Fuel To The Fire
  10. Wheels Within Wheels (Bonustrack, Alt version)
  11. Cut A Dash (Bonustrack)
  12. Out On The Tiles (Bonustrack)

CD2

  1. Follow Me
  2. Shinkicker
  3. Off The Handle
  4. Bought And Sold
  5. I'm Leavin'
  6. Tattoo'd Lady
  7. Do You Read Me
  8. Country Mile
  9. Shadow Play
  10. Bullfrog Blues
  11. Sea Cruise

Rezensent: MP

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