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Albumbesprechung Genesis - Calling All Stations

Interpret: Genesis

Titel: Calling All Stations

Erscheinungsjahr: 1997

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 4 von 10 Sternen

(4/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Calling all Stations ist das fünfzehnte Studioalbum der Band Genesis. Das Album erschien nach dem Ausstieg von Phil Collins im Jahr 1997. Calling All Stations wurde zwar in einigen Ländern mit Gold ausgezeichnet, aber das Album muss letztlich als kompletter Misserfolg gewertet werden. Die Verkaufszahlen kamen wohl vor allem aufgrund der Popularität der Band zustande. Ansonsten fiel Calling All Stations sowohl bei Fans als auch Kritikern unisono in Ungnade.

Nach dem Ausstieg von Phil Collins mussten sich Tony Banks und Mike Rutherford auf die Suche nach einem neuen Sänger machen. Im Prinzip war auch die Drummerstelle vakant, allerdings saß gerade Live meist Chester Thompson hinter der Schießbude, damit sich Collins auf andere Dinge konzentrieren konnte. Collins hinterließ schon eine große Lücke, aber nach längerer Suche wurde man fündig und rekrutierte den Sänger der Band Stiltskin, Ray Wilson. Für Fans und Kritiker kam die Wahl überraschend. Man traute es Wilson nicht zu, die Lücke zu schließen. Tony Banks jedoch war von der Wahl überzeugt. Dazu holte man sich gleich zwei Drummer, den unbekannten Nir Zidkyahn sowie den ehemaligen Drummer von Spock's Beard, Nick D'Virgilio. Der musste eigentlich passen, denn Spock's Beard musizierte bekanntlich im Geiste der alten Genesis.

Aber diese Besetzung war eigentlich chancenlos, denn die Skepsis der Fans war sehr groß. Man traute Wilson nicht viel zu und hielt ihn für die falsche Wahl. Wilson stand auf verlorenem Posten. Das Ergebnis war dann auch niederschmetternd. Calling All Stations fiel praktisch durch. In den USA verkaufte man weniger als 100.000 Alben, was für Genesis eine Katastrophe war.

Ob der Misserfolg in erster Linie in der Person Ray Wilson begründet war, ist aber fraglich. Wilson sang eigentlich passabel, letztlich konnte er aus dem eher mittelmäßigen Songmaterial aber nicht mehr machen. "Calling All Stations" ist ein erstes Beispiel dafür. Wilson singt zu dem bedrohlich wirkenden Song im Stil von Bono, allerdings wirkt der Song nicht besonders beeindruckend. "Congo" wurde als Single ausgekoppelt, floppte aber. Auch für diesen ethnomäßigen Song gilt ähnliches. Wilson singt ordentlich, aber der Song kann nicht überzeugen. Auch "Shipwrecked" wurde, erfolglos, ausgekoppelt. Die melancholische Ballade kann wiederum nicht überzeugen, was nicht nur dem Gesang geschuldet ist. "Alien Afternoon" schafft es als erster Song etwas über das bisherige mäßige Niveau.

Auch der angenehme Popsong "Not About Us" schafft es aber nicht, genügend Spannung aufzubauen. Ähnliches gilt für die melancholische Ballade "If That's What You Need". Mit dem Song "The Dividing Line" bietet die Band wieder etwas interessanteres Material an. Der instrumentale Aufbau geht in Ordnung, vor allem die Drumparts können hier durchaus überzeugen. Selbst Wilson nähert sich stimmlich Peter Gabriel an. "Uncertain Weather" besitzt, mit der orchestralen Instrumentierung, einige gute Momente, wirkt jedoch über die gesamte Spieldauer etwas langatmig. "Small Talk" überrascht mit guten Gitarrenparts und treibenden Drums, auch der Refrain klingt gut. Allerdings wirken hier die Keyboardeinlagen störend, sie zerstören genau genommen die Songstruktur. "There Must Be Some Other Way" plätschert dann leider wieder höhepunktlos vor sich hin, der Abschlusstrack "One Man's Fool" reiht sich nahtlos ein.

Fazit Insgesamt kann das Album Calling All Stations nicht überzeugen. Gründe gibt es viele, Sänger Wilson stellt nicht das größte Problem dar. Wilson singt nicht schlecht, besitzt aber nicht die Gabe, aus spannungsarmen Songs mehr herauszuholen. Was enttäuscht, ist die einfallslose Rhythmusarbeit. Mit einem Drummer wie D'Virgilio hätte eigentlich mehr kommen müssen. Außerdem setzte die Band sogar einen zweiten Drummer auf dem Album ein. Andererseits gilt auch hier: wenn die Songs nicht dafür geschrieben wurden, kann vom Drummer nicht mehr kommen. Das Album stellt sicherlich so etwas wie den Tiefpunkt der Genesis Geschichte dar. Die Songs sind einfach nicht aufregend oder dynamisch genug.

Trackliste

  1. Calling All Stations 5:43
  2. Congo 4:51
  3. Shipwrecked 4:23
  4. Alien Afternoon 7:51
  5. Not About Us (Banks, Rutherford, Ray Wilson) 4:38
  6. If That's What You Need 5:12
  7. The Dividing Line 7:45
  8. Uncertain Weather 5:29
  9. Small Talk (Banks, Rutherford, Wilson) 5:02
  10. There Must Be Some Other Way (Banks, Rutherford, Wilson) 7:54
  11. One Man's Fool 8:46

Rezensent: MP