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Albumbesprechung Genesis - The Lamb Lies Down On Broadway

Interpret: Genesis

Titel: The Lamb Lies Down On Broadway

Erscheinungsjahr: 1974

Genre: Prog Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

The Lamb Lies Down On Broadway ist das sechste Studioalbum der Band Genesis. Das Album erschien im Jahr 1974. Das Album kennzeichnet einen wichtigen Punkt in der Geschichte der Band. Mit diesem opulenten Konzeptalbum krönte die Band sozusagen ihre klassische Phase, grenzte sich soundmäßig aber durchaus von den Vorgängeralben ab. Nach dem Album ging Sänger Peter Gabriel und die Band musste sich neu orientieren. The Lamb Lies Down On Broadway wird unterschiedlich beurteilt. Von vielen Betrachtern wird es als wichtigstes Werk der Band betrachtet. Viele klassische Fans beurteilten das Album nicht ganz so gut, was vielleicht auf den anderen Sound auf diesem Album zurückzuführend ist. Kommerziell erfolgreich war The Lamb Lies Down On Broadway jedoch. In den USA, im UK und z. B. in Frankreich gab es immerhin Gold für das Album. Auch die Mehrzahl der Kritiker zeigte sich beeindruckt von dem opulenten Werk.

Meines Erachtens befand sich die Band zu der Zeit auf ihrem schöpferischen Höhepunkt. Dieses Konzeptalbum muss man zu den besten der Rockgeschichte zählen. Es erzählt die skurrile Geschichte von Rael, einem Jungen aus New York. Rael irrt auf der Suche nach seinem Bruder durch die Stadt. Er steht in einer Menschenmasse und spürt Tod und Entfremdung. Eine schwarze Wolke zieht dann die 42nd Street herunter und hüllt Rael ein. Rael ist plötzlich in einer irrealen Welt. Rael steht vor der Tür der Erkenntnis, danach wird er von der Person Lilywhite Lilith aus einer Höhle befreit. Rael glaubt, verrückt zu werden, begegnet dem Tod, trinkt vom Wasser der Lamien, kommt in die Colony Of Slippermen und versucht irgendwie Back To N.Y.C zu kommen um irgendwann mit seinem Bruder (letztlich seinem Ego) durch die Rapids zu schwimmen.

Die Story in Kurzform zusammengefasst macht klar, dass es sich um eine verschachtelte und äußerst schwierige Story handelt. Im Vorfeld gab es Probleme damit, in der Band verstand man Gabriels Intention nicht und lehnte das Ganze ab. Im Prinzip geht es um die Reise des Protagonisten Rael in sein Ich und damit letztlich um die Suche nach sich selbst. Das ganze ist sagenhaft umgesetzt und war seiner Zeit voraus. Erst nach extrem erfolgreichen Touren und im Lauf der Zeit gewann das Doppelalbum - zu Recht - immer mehr Fans. Heute ist es Kult.

An der Musik war Peter Gabriel kaum beteiligt, weil er sich zu der Zeit um seine Frau kümmern wollte, welche mit ihrer Schwangerschaft große Probleme hatte. Dafür bestand er, sehr zum Unmut der anderen, auf die Durchsetzung dieser Geschichte, welche er praktisch im Alleingang schrieb. Musikalisch zeigte sich die Band spielfreudig. Der Sound klang irgendwie ganz anders, als auf den Vorgängeralben. Dies ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass The Lamb Lies Down On Broadway von vielen klassischen Fans nicht so hoch wie die Vorgängeralben bewertet wird. Kritiker bemängelten häufig, dass die großen Highlights fehlen. Das ist aber etwas pauschal abgeurteilt. Immerhin wurde ein Song wie Carpet Crawlers im Nachhinein ein großer Hit. Außerdem wirkt dieses Album vor allem als globales Paket. Die Songs haben insgesamt geringere Progrockanteile als ältere Werke. Stellenweise sind die Songs rockiger und eingängiger konzipiert. Dafür ist das Album durch die konzeptionelle Struktur in der Summe relativ komplex. Von den 23 Songs kann man kaum Songs hervorheben - sie sind auf ihre Weise wichtig für das Album. "Fly On A Windshield" ist zum Beispiel ein ziemlich monumentaler Titel, "Cuckoo Cocoon" klingt im Vergleich relativ eingängig. "In The Cage" wirkt dagegen fast schon etwas dramatisch. "It" ist einfach ein mitreißender Song. "Counting Out Time" ist wieder ein eher eingängiger Song und "Carpet Crawlers" besitzt durchaus Ohrwurmcharakter. Daneben gibt es noch kleine Juwele wie das tolle Instrumental "Riding the Scree".

Fazit The Lamb Lies Down On Broadway gehört zu den essentiellen und zentralen Genesis-Alben und durchaus zu den Meilensteinen der Rockmusik. Es ist das letzte Album mit Peter Gabriel und es markiert so etwas wie den Wendepunkt der Band. Nicht nur deswegen finde ich es gut. Es ist ein spannendes und interessantes Album. Wenn man im Zusammenhang mit dieser Musik von eingängig spricht, dann gilt das im Vergleich zu anderen Prog-Rock Bands bzw. früheren Werken der Band. The Lamb Lies Down On Broadway ist weit entfernt davon, Massenware zu sein. Auf Anhieb wirkt das Album sogar etwas sperrig, dem Hörer kann sich das Album eventuell erst nach mehrmaligem Anhören erschließen. Aber gerade das ist vielleicht auch ein Geheimnis des Albums - nach mehrmaligem Hören erschließt sich der Inhalt wirklich, und dann bringt The Lamb Lies Down seine volle Wirkung zum Ausdruck.

Trackliste

CD 1

  1. The Lamb Lies Down on Broadway 4:55
  2. Fly on a Windshield 2:47
  3. Broadway Melody of 1974 2:11
  4. Cuckoo Cocoon 2:14
  5. In the Cage 8:15
  6. The Grand Parade of Lifeless Packaging 2:45
  7. Back in N.Y.C. 5:49
  8. Hairless Heart 2:25
  9. Counting Out Time 3:45
  10. The Carpet Crawlers 5:16
  11. The Chamber of 32 Doors 5:44

CD 2

  1. Lilywhite Lilith 2:40
  2. The Waiting Room 5:28
  3. Anyway 3:18
  4. Here Comes the Supernatural Anaesthetist 2:50
  5. The Lamia 6:57
  6. Silent Sorrow in Empty Boats 3:06
  7. The Colony of Slippermen 8:14
    1. The Arrival
    2. A Visit to the Doktor
    3. The Raven
  8. Ravine 2:05
  9. The Light Dies Down on Broadway 3:32
  10. Riding the Scree 3:56
  11. In the Rapids 2:24
  12. it. 4:58
  13. Rezensent: MP

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