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CD-Kritik Guns 'n' Roses - Use Your Illusion I

Interpret: Guns 'n' Roses

Titel: Use Your Illusion I

Erscheinungsjahr: 1991

Genre: Hard-Rock, Rock

Bewertung: Wertung: 4 von 10 Sternen

(4/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Use Your Illusion I ist das dritte Studio Album der Guns 'n' Roses. Im Prinzip muss man es in direkter Verbindung mit dem folgenden Use Your Illusion II Album sehen. Stellenweise werden beide Album sogar als Doppelalbum bezeichnet. Die Band wollte ursprünglich auch ein Doppelalbum herausbringen, die Plattenfirma wollte aber auch kommerziellen Gründen zwei Einzelscheiben. Das Konzept der Plattenfirma ging auf, beide Alben verkauften sich blendend..

Use Your Illusion I schaffte es von 0 auf 2 in den US-Billboard Charts. Das Album erhielt alleine in den USA 12-fach Platin und verkaufte sich weltweit schätzungsweise über 24 Millionen mal. Damit zählt es, genau wie Teil II, zu den bestverkauften Rockalben überhaupt.

Von Fans und Kritikern wurde das Album geradezu überschwänglich aufgenommen. Es hagelte praktisch nur Lob. Mit den Songs Don't cry, Live And Let Die sowie November Rain warf das Album drei Topsingles ab.

Während die Band zuvor vornehmlich mit dem reinen harten Rock liebäugelte, versuchte sie sich hier an einigen Experimenten und diversen Stilistiken. Viele der Songs stammen aus frühen Bandtagen, schafften es aber nicht auf die ersten Alben. Interessanterweise übernahm Izzy Stradlin die Leadvocals auf Dust n' bones, You Ain't The First und Double Talkin' Jive.

"Right Next Door to Hell" donnert vergleichsweise hart los. Das Hauptriff stammt vom finnischen Gitarristen Timo Caltia. "Dust N' Bones" ist bluesiger, auch wenn der Song eine gewisse Härte aufweist. "Live And Let Die" ist eine Coverversion des Paul McCartney Titels. Im Prinzip hält sich die Band eng an die Originalvorgabe, wobei sie dem Song etwas mehr Härte verleiht. "Don't Cry" ist einer der bekanntesten Songs der Band, so eine Art Hard-Rock Ballade. "Perfect Crime" klingt wie ein klassischer schnellerer Hard-Rock mit leichter Punk- bzw. Glamrockattitüde.

"You Ain't the First" überrascht als rein akustische Nummer. Ein überraschender Song im Takt, mit einem gewissen Folkfeeling. "Bad Obsession" ist ein harter und schwerer Bluesrock, der ziemlich retro klingt. "Back Off Bitch" ist ein alter Guns Song, er stammt aus dem Jahr 1987. "Double Talkin' Jive" ist ein Stradlin Song, der auch von ihm gesungen wird. Wieder handelt es sich um einen Retro Song mit etwas Boogie- und Bluesfeeling plus einer gewissen Grundhärte. Wer sich Dr. Feelgood anhört, der könnte hier eine Quelle finden, mich erinnert der Song an die englischen Pubrocker.

"November Rain" schaltet mehrere Gänge zurück. Die schwülstige Ballade klingt nicht schlecht, aber grenzwertig. Mir ist das etwas zu schwülstig und der Gesang nervt. "The Garden" erinnert wieder an eine ältere Band, dieses mal an die James Gang. Einfach mal in Rides Again reinhören, dann müsste die Ähnlichkeit klar werden. "Garden of Eden" haut kräftig auf die Kacke, "Don't Damn Me" besitzt zwar ein schönes zentrales und hartes Gitarrenriff, aber das war es dann auch. Der Song hängt etwas durch. "Bad Apples" klingt mit seinem funky Riff nicht schlecht, überzeugt aber mit seiner Stones Ähnlichkeit auch nicht. "Dead Horse" klingt einigermaßen gut. Das ist zwar wieder nicht ganz neu, aber immerhin klingt es gut. "Coma" ist der längste Song, den die Band bis zu dem Zeitpunkt je veröffentlicht hatte. Der Song ist komplex aufgebaut und baut über die gesamte Laufzeit Längen auf.

Fazit Ich gebe zu, dass ich nicht der größte Guns n'Roses Fan bin. Aber Appetite For Destruction war m. E. ein recht gut gelungenes Rock Album. Use Your Illusion I wirkt im direkten Vergleich belanglos. Die Band schürft in der Rockgeschichte und bedient sich dabei manchmal hemmungslos an anderen Acts. Originalität und Innovation sind daher größtenteils Fehlanzeige. Die Gesangsparts von Axl Rose und Stradlin klingen selten überwältigend, auch Slash hat schon bessere Gitarrenparts von sich gegeben. Eine Pseudo-Ballade wie Don't Cry wirkt irgendwie aufgesetzt und wenig glaubhaft. Auch das hochgelobte Cover von Live And Let Die hält sich letztlich nur 1:1 an das Original, es klingt nur etwas härter. Aus meiner Sicht wird die Qualität des Originals damit nicht übertroffen. Use Your Illusion I gehört zu den Alben der Rockmusik, die ich als komplett überschätzt bezeichnen würde.

Trackliste

  1. Right Next Door to Hell 3:02
  2. Dust N' Bones 4:58
  3. Live and Let Die 3:04
  4. Don't Cry 4:45
  5. Perfect Crime 2:24
  6. You Ain't the First 2:36
  7. Bad Obsession (feat. Michael Monroe) 5:28
  8. Back Off Bitch 5:04
  9. Double Talkin' Jive 3:24
  10. November Rain 8:57
  11. The Garden (feat. Alice Cooper) 5:22
  12. Garden of Eden 2:42
  13. Don't Damn Me 5:19
  14. Bad Apples 4:28
  15. Dead Horse 4:18
  16. Coma 10:13

Rezensent: MP