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Albumbesprechung Hanggai - Baifang

Interpret: Hanggai

Titel: Baifang

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Weltmusik-Crossover

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Baifang ist der Titel eines Albums der Band Hanggai. Das Album soll am 21. Februar 2014 via Harlem Recordings im Vertrieb von Bertus erscheinen.

Hanggai ist eine Band aus der Republik Innere Mongolei, einem autonomen Teil Chinas. Das ist schon einmal etwas Besonderes. Umso erstaunlicher zu hören, dass Hanggai schon seit ein paar Jahren intensiv durch die Welt touren und u. a. Auftritte in Wacken, dem Roskilde, dem Sydney Festival oder z. B. dem FMM Festival hatten. Baifang ist, wenn ich es richtig sehe, schon das vierte Album der Band. Aufgelegt wurde es über eine Plattenfirma in den Niederlanden, dort hatte die Band auch schon kleinere Erfolge zu verzeichnen.

Gegründet wurde die Band 2004 von Ichi, einem Musiker aus Peking. Ichi zog es von Peking in die Heimat seiner Vorfahren und was lag da näher, als weiter Musik zu machen und traditionelle Musik der Inneren Mongolei mit Rockmusik zu mixen. Ergebnis war die Band Hanggai mit einem recht außergewöhnlicher Mix aus mongolischer Volksmusik und Rock. Aber halt: so außergewöhnlich klingt das Ergebnis gar nicht einmal, denn scheinbar sind die Mongolen auch irgendwie mit den indianischen Schamanen verwandt und auch die westliche Folklore scheint, zumindest in subtiler Form, mit der mongolischen Folklore verwandt zu sein. Was man hört ist somit zwar etwas nicht alltägliches, aber gut konsumierbar ist es allemal.

Der Einstieg ins Album ist reiner Sprechgesang, Mangala Sutra erinnert an indianische Wurzeln. Mit dem Titelsong nähern sich Hanggai dem europäischen Musikstil. Das klingt bei Folk/Mittelalter-Rock Acts auch nicht wesentlich anders. Hershut Hero klingt zwar etwas fremder, aber auch hier wirkt es letztendlich nie fremdartig, einmal abgesehen von den oft wunderlichen Kehlkopfgesängen.

Tavan Hasag ist ein interessanter Titel, der sehr verspielt klingt und dessen Instrumentalparts sogar Prog-Freunde ansprechen könnten. Miss Daughter ist eigentlich der erste Song, den ich gleich zu Beginn mit der typischen Instrumentierung dem chinesischen Raum zuordnen würde. Ähnliches gilt für Qinghai Lullaby, aber wiederum kann man eine Nähe zu Motiven aus dem englischen Folk-Revival feststellen.

Hong Galou ist der bis dato rockigste Song, was vor allem durch den massiven E-Gitarreneinsatz kommt. Gold Buttons ist ein weiterer Song mit klarer chinesisch-mongolischer Grundstruktur, aber erneut mit einigen durchaus westliche klingenden Motiven. Ulanbator Nights überrascht, mit deutschem Text hätte das aus der deutschen Folk-Revival Phase stammen können, nicht nur wegen der Hafenstimmung aufkommen lassenden Akkordeon Sounds.

Green Tara Mantra ist wieder ein Track mit reichlich Kehlkopfgesang, der auch von Medizinmännern stammen könnte. Long Song, The Rabbit On The White River Bank baut eine eigentümliche Stimmung zwischen Orient über Australien und Nordamerika in den Folk und Prog auf. Golden Autumn ist ein weiterer Track, der die Verbindung zu unserem Kulturraum sucht. My Mother ist ein weiterer Song, der mich doch erstaunt. Der Song erinnert zunächst einmal eher an Reggae und Karibik, im Zusammenhang mit dem speziellen Gesang wird auch hier klar, wie nahe letztlich alles zusammenliegt. Mit Huhe Namjila schiebt die Band einen Song nach, der dann wiederum klar nach Mongolei klingt.

Beautiful Mongolian Horse nähert sich zunächst westlichen Singer Songwritern, mit Strumming Akustikgitarren und arpeggierten E-Gitarren liegt die Band nicht weit davon weg. Im weiteren Verlauf wird es folkrockiger, schön die Anspielungen an Pferdelaute. Auch Daya Bala erinnert mit den Strumminggitarren und Pianosounds sehr an westliche Singer Songwriter, das ganze aber eben mit mongolischem Gesang. High Trees klingt mit dem 3/4Takt Feel witzig und unterhaltsam, gewaltig die Stimme der Sängerin. The Medicine Buddha Sutra bildet mit seinem mantraartigen Kehlkopf-Gebrabbel einen schönen Formschluss.

Fazit Baifang von Hanggai ist kein komplett traditionalistisches Album, die Band vermengt traditionelle Einflüsse mit moderner Musik und nähert sich so auch immer wieder westlicher Musiktradition. Man nennt die Symbiose traditioneller und moderner Musik wohl am ehesten Crossover, in dem Fall passt Crossover-Weltmusik vielleicht noch besser. Asien trifft auf den Westen und man darf erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass die Grenzen scheinbar fließend sind. Hanggai liefern auf Baifang Musik, die man nicht alles Tage zu hören bekommt, aber vielleicht auch nicht gerade alle Tage hören möchte. Ein interessantes und vielschichtiges Album ist Baifang dennoch bzw. gerade deswegen.

Trackliste

  1. Mangala Sutra 0:43
  2. Baifang (Back To You) 3:47
  3. Hershut Hero 3:57
  4. Tavan Hasag 5:51
  5. Miss Daughter (Missing You, My Daughter) 4:38
  6. Qinghai Lullaby 2:49
  7. Hong Galou 4:01
  8. Gold Buttons 5:50
  9. Ulanbator Nights 4:54
  10. Green Tara Mantra 1:13
  11. Long Song, The Rabbit On The White River Bank 4:13
  12. Golden Autumn 5:41
  13. My Mother 4:48
  14. Huhe Namjila 4:19
  15. Beautiful Mongolian Horse 7:06
  16. Daya Bala 3:45
  17. High Trees 4:30
  18. The Medicine Buddha Sutra 1:09

Rezensent: MP

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