Anzeige

Albumbesprechung Harmonia - Musik von Harmonia

Interpret: Harmonia

Titel: Musik von Harmonia

Erscheinungsjahr: 1974

Genre: Electronic, Ambient, Kosmische Musik

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Musik von Harmonia war das erste Album der Band Harmonia. Die Band war eine Verbindung der Musiker Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius (beide von Cluster) sowie Michael Rother (vorher Kraftwerk und Neu!). Das Album wurde 1973 im damaligen Studio von Cluster in Forst aufgenommen. Die musikalische Geschichte der Musiker gibt den Grundkurs des Projekts vor. Harmonia spielte Elektronische Musik, heute würde man vielleicht den Begriff Ambient bemühen. Stellenweise klingt das sogar recht avantgardistisch und minimalistisch. Harmonia zählen zu den wichtigen Vertretern des deutschen Elektronik-Rock. Zu Recht, wie man auf diesem Album hören kann. Insgesamt klang dieses erste Album stark nach Cluster. Michael Rothers Beiträge waren sehr zurückgenommen. Die typischen Elemente von Neu! drangen eher auf dem zweiten Album De Luxe durch.

Die Songs

"Watussi" ist ein stilprägender Song. Basis bildet eine minimalistische Grundstruktur, welche dem Song eine fast schon hypnotische Note gibt. "Sehr Kosmisch" lebt vor allem von Soundcollagen, stellenweise unterlegt durch einen Herzschlagbeat. Ab Mitte des Songs wird die Dynamik gesteigert, sodass eine fast bedrohliche Atmosphäre entsteht. Insgesamt ein interessanter Song mit erstaunlichen Sounds und einer intensiven Wirkung auf den Hörer. "Sonnenschein" liegt wieder eine überschaubare Grundstruktur zugrunde, die durch schöne Sounds ergänzt wird. Das hört sich fast schon etwas ethnomäßig an. "Dino" wirkt luftig und freundlich. Ein straighter Beat unterlegt den Song, dazu gibt es schöne Soundcollagen. Der Song erinnert mich an Neu!.

"Ohrwurm" brummelt und brizzelt vor sich hin. Der Grundsound klingt fremd und wieder ethnomäßig. Einige Sounds erinnern an ein Didgeridoo, dazu gesellen sich Sitarsounds und Klänge, die an Walgesänge erinnern. Der Song besitzt keine bestimmte rhythmische Struktur und besteht im Prinzip nur aus Sounds und Soundcollagen. "Ahoi!" wirkt dagegen fast schon eingängig. Ein schöner Song, der vor allem von den Piano- und Gitarrensounds lebt. Die Grundidee und Sounds sind dabei wieder sehr minimalistisch. Das klingt stark nach der Arbeit von Roedelius. "Veterano" wirkt wesentlich unruhiger. Wieder ein Song mit einem durchgängigen synthetischen Beat und einer ebenso durchgehenden Basismelodie auf Synthiebasis. Am Sound des Beats wird im Verlauf des Songs etwas gedreht. Das besitzt dann einen Kraftwerk Touch. "Hausmusik" beginnt mit einer Mischung aus Piano und Gitarrensounds. Bis auf kurze Soundcollagen dominiert das Piano den Song. Ein ruhiger Song, der wiederum nach Cluster bzw. Roedelius klingt.

Fazit Die Musik von Harmonia war innovativ, aber man muss dazu auch einen Zugang finden. Wenn ein Mainstream Rockhörer so ein Album hört, dann dürfte er mit so etwas schwer zurechtkommen. Wer sich aber auf elektronische Musik einlassen kann, der kann immer wieder Erstaunliches vernehmen. Nicht zuletzt deshalb genießen Bands wie Harmonia, Neu!, Kraftwerk oder Tangerine Dream heute Kultstatus. Dieses erste Album von Harmonia gehört aus meiner Sicht zu den besten Alben des Genres (wobei De Luxe m. E. etwas stärker einzuschätzen ist). Harmonia schaffen es, trotz sehr minimalistischer Ideen, gute Stimmungen aufzubauen. Das klingt mal hypnotisch, mal freundlich oder auch bedrohlich. Damit treffen die drei auch den Sinn dieser Musik, bei der es mehr um die Erzeugung von Stimmungen und Klanglandschaften geht. Ein gelungenes Album, für Freunde deutscher Elektronik-Musik ein Muss.

Trackliste

  1. Watussi 5:58
  2. Sehr Kosmisch 10:55
  3. Sonnenschein 3:53
  4. Dino 3:29
  5. Ohrwurm 5:07
  6. Ahoi! 5:12
  7. Veterano 3:56
  8. Hausmusik 4:32

Rezensent: MP

Anzeige