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Albumbesprechung George Harrison - All Things Must Pass

Interpret: George Harrison

Titel: All Things Must Pass

Erscheinungsjahr: 1970

Genre: Pop

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

All Things Must Pass war das dritte Soloalbum von George Harrison. Das Album erschien um Jahr 1970. Zuvor nahm Harrison zwei experimentelle Alben auf, die beide durchfielen. Wesentlich besser lief es mit All Things Must Pass. Das Album verkaufte sich extrem gut, es war sogar lange Zeit das bestverkaufte Solo-Album eines Beatle. In den USA und in Großbritannien erreichte das Album Rang 1 der Charts. Alleine in den USA verkaufte sich All Things Must Pass über 6 Millionen mal. Das Konzept des Albums war, für die damalige Zeit, ungewöhnlich. Es handelte sich um ein 3-LP-Set und es war das erste 3-fach Album eines Solokünstlers. Harrison wartete mit einer exzellenten Superstar-Besetzung auf. Ringo saß am Schlagzeug, Klaus Voormann spielte Bass, an den Keyboards hörte man z. B. Gary Wright, Billy Preston und Gary Brooker. An den Gitarren gaben sich Dave Mason und Eric Clapton die Ehre. Außerdem spielte die Band Badfinger mit und auf dem Session Teil war u. a. Ginger Baker von Cream zu hören. Heute bekommt man die 3-er LP als Doppel-CD. Die Besprechung bezieht sich auf die neu aufgenommene Version von 2001, die einige Bonustracks beinhaltet.

George Harrison war, wie oft behauptet wird, der stille Beatle. Er bildete einen Gegenpol zu den dominierenden McCartney und Lennon sowie zum quirligen Ringo. George Harrison wurde dabei gerne unterschätzt. Das gilt besonders für seine Songbeiträge bei den Beatles. Viel konnte oder durfte er zwar nicht einbringen, aber die wenigen Songs waren durchaus Perlen des Beatles Archivs. Harrison konnte sich mit überragenden Songs wie While My Guitar, Something oder Here Comes The Sun in Szene setzen. Er blieb aber immer der gerne übersehene Beatle, auch als Solokünstler stand er letztlich immer etwas im Schatten von Lennon und McCartney. Die wenigen Erfolge wurden in der Regel durch größere Misserfolge egalisiert. Harrisons Leben verlief in den letzten Lebensjahren in Abgeschiedenheit. Harrison entwickelte nach meinem Kenntnisstand sogar eine gewisse Furcht vor Menschen, nachdem man ihn 1999 mit einem Messer attackierte. George Harrison verstarb 2001 an den Folgen eines Krebsleidens. Hinterlassen hat er uns einige schöne Songs und ein paar gute Alben. All Things Must Pass gehört sicherlich zu den besseren Harrison-Alben.

Was soll man zu einem solchen umfangreichen und fast monumentalen Werk sagen? Die dritte LP war eine Session LP. Da haben die Jungs einfach mal so drauf los gejammt. Auf dem CD-Release sind das die Titel 10 bis 14 der CD 2, der so genannte Original Jam. Die meisten Betrachter ignorierten diese ehemalige LP 3. Einerseits ist das schade, denn die Jams klingen irgendwie interessant. Andererseits ist es verständlich, zumal die instrumentalen Jams auch Längen aufweisen. Vor allem für heutige Verhältnisse kann das etwas langatmig wirken. Man kann daher die Zurückhaltung der Fans und Kritiker bezüglich des Original Jam verstehen.

Die Titel 10 bis 14 auf CD 1 sind "neu". Allerdings handelt es sich in der Regel nur um Neuaufnahmen alter Songs. Nur der Country-Song "I Live For You" ist ein wirklich neuer Song, die Steelgitarrenparts dazu stammen aber auch schon aus dem Jahr 1970. Song 11 ist eine Neuaufnahme von "Beware Of Darkness". Song 12 ist die Akustik-Version von "Let It Down". Bei den Songs 13 und 14 handelt es sich um Neuaufnahmen der Hits "What Is Life" und "My Sweet Lord". Auf letzterem Song singt Sam Brown mit.

Die Original-Tracks bieten Standard-Harrison Ware. Will heißen: das klingt alles typisch nach George Harrison. Abgesehen von seinen wenigen glänzenden Songs schrieb Harrison in der Regel Songs, die ganz nett anzuhören sind und häufig einen gewissen melancholischen Unterton besitzen. Ausnahmen wären hier z. B. das religiös-euphorische "My Sweet Lord" oder "What Is Life". Außerdem klingt Harrison immer dann vergleichsweise fröhlich und locker, wenn er sich musikalisch dem Country oder Rockabilly nähert. Das macht er auf dem Album immer mal wieder. Aber gerade hier zeigt sich eines der Grundprobleme, diese Songs hören sich oft etwas banal an.

Fazit Alles in allem muss man All Things Must Pass als Meilenstein der Rockmusik bezeichnen. Gründe sind die sehr guten Verkaufszahlen, die ungewöhnliche Triple-LP Konzeption und die Liste bekannter Gastmusiker. Außerdem beinhaltet das Album Harrisons wohl bekanntesten Single-Erfolg My Sweet Lord. Der Song ist, auch wenn er wahrscheinlich abgekupfert war, ein Evergreen. Bezüglich der 2001er Remaster Version kann man festhalten, dass die Bonustracks verzichtbar gewesen wären. Die berühmt-berüchtigte Jam-Session zieht sich bedenklich in die Länge. Aber das Album besitzt eben einen geschichtlichen Stellenwert, das ist unbestritten. Betrachtet man die Musik isoliert davon, dann stellt sich nach meiner Ansicht die Frage, ob das Album wirklich zu den Meilensteinen der Rockmusik zu zählen ist.

Trackliste

Original LP

    LP 1

  1. I'd Have You Anytime 2:56
  2. My Sweet Lord 4:38
  3. Wah-Wah 5:35
  4. Isn't It a Pity 7:08
  5. What Is Life 4:22
  6. If Not for You (Bob Dylan) 3:29
  7. Behind That Locked Door 3:05
  8. Let It Down 4:57
  9. Run of the Mill 2:49
  10. LP 2

  11. Beware of Darkness 3:48
  12. Apple Scruffs 3:04
  13. Ballad of Sir Frankie Crisp (Let It Roll) 3:46
  14. Awaiting on You All 2:45
  15. All Things Must Pass 3:44
  16. I Dig Love 4:55
  17. Art of Dying 3:37
  18. Isn't It a Pity (Version 2) 4:45
  19. Hear Me Lord 5:46
  20. LP 3

  21. Out of the Blue (Gordon/Radle/Whitlock/Clapton/Wright/Harrison/Price/Keys/Aronowitz) 11:14
  22. It's Johnny's Birthday (basierend auf Congratulations - Martin/Coulter) 0:49
  23. Plug Me In (Gordon/Radle/Whitlock/Clapton/Mason/Harrison) 3:18
  24. I Remember Jeep (Baker/Voormann/Preston/Clapton/Harrison) 8:07
  25. Thanks for the Pepperoni (Gordon/Radle/Whitlock/Clapton/Mason/Harrison) 5:31

2001 remaster

CD 1

  1. I'd Have You Anytime (George Harrison/Bob Dylan) 2:56
  2. My Sweet Lord 4:38
  3. Wah-Wah 5:35
  4. Isn't It a Pity (Version 1) 7:09
  5. What Is Life 4:22
  6. If Not for You (Bob Dylan) 3:29
  7. Behind That Locked Door 3:05
  8. Let It Down 4:57
  9. Run of the Mill 2:49
  10. I Live for You (Neuaufnahme 2000, Steel-Guitar von 1970) 3:35
  11. Beware of Darkness (Akustikversion 1970) 3:19
  12. Let It Down (Akustikversion von 1970, Overdubs von 2000) 3:54
  13. What Is Life (Mix von 1970) 4:27
  14. My Sweet Lord (Neuaufnahme 2000) 4:57

CD 2

  1. Beware of Darkness 3:48
  2. Apple Scruffs 3:04
  3. Ballad of Sir Frankie Crisp (Let It Roll) 3:46
  4. Awaiting on You All 2:45
  5. All Things Must Pass 3:44
  6. I Dig Love 4:55
  7. Art Of Dying 3:37
  8. Isn't It a Pity (Version 2) 4:45
  9. Hear Me Lord 5:46
  10. It's Johnny's Birthday (basierend auf Congratulations - Martin/Coulter) 0:49
  11. Plug Me In (Gordon/Radle/Whitlock/Clapton/Mason/Harrison) 3:18
  12. I Remember Jeep (Baker/Voormann/Preston/Clapton/Harrison) 8:07
  13. Thanks for the Pepperoni (Gordon/Radle/Whitlock/Clapton/Mason/Harrison) 5:31
  14. Out of the Blue (Gordon/Radle/Whitlock/Clapton/Wright/Harrison/Price/Keys/Aronowitz) 11:16

Alle Songs von George Harrison, sofern nicht anders vermerkt.

Rezensent: MP

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