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CD-Kritik Jimi Hendrix/Band Of Gypsys - Band Of Gypsys

Interpret: Jimi Hendrix/Band Of Gypsys

Titel: Band Of Gypsys

Erscheinungsjahr: 1970

Genre: R&B, Blues-Rock, Acid-Rock, Funk-Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Band of Gypsys ist das Debütalbum und gleichzeitig das einzige offizielle Album der Band Of Gypsys. Wenn man so will, war die Band Of Gypsys das zweite nennenswerte Bandprojekt von Jimi Hendrix. Er holte sich dazu den Bassisten Billy Cox und den Drummer und Sänger Buddy Miles. Hendrix formierte die Band, nachdem die Jimi Hendrix Experience aufgelöst wurde.

Das Album wurde während zweier Livekonzerte am 31.12.1969 und am 01.01.1970 im Fillmore East aufgenommen. Es handelt sich um das letzte offizielle Album, das zu Lebzeiten von Hendrix veröffentlicht wurde. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es sich um ein Live-Album handelt, welches jedoch nur aus neuen Songs besteht. Dies war wohl auch eine Forderung, die Hendrix' damaliger Produzent gegen Hendrix hatte. Außerdem ist es das einzige offiziell von Hendrix autorisierte Live-Album, das es von ihm gibt.

Das Album war nicht ganz so erfolgreich wie die Experience Alben, in den USA kam es bis auf Rang 5 der Charts, im UK auf Rang 6. Die Kritiker waren mehrheitlich von diesem Album angetan, obwohl es nicht nur Höchstbewertungen erhielt.

Die Songs

"Who Knows" eröffnet das Album lässig groovend. Der Song klingt relativ funky, hat aber auch viele bluesige Elemente. Interessant sind die Frage-Antwort Parts von Hendrix und Miles. Die Gitarrenarbeit von Hendrix ist toll, hier zeigt sich, was Hendrix Live drauf hatte. Miles und Cox geben dem ganzen ein grooviges und erdiges Fundament. "Machine Gun" war als lockerer Jam-Sessiontrack gedacht. Inhaltlich geht es um Kritik am Vietnameinsatz der US-Amerikaner, der Text ist eindeutig und sehr überschaubar. Auch der Song lebt vor allem von der Gitarrenarbeit Hendrix'. Das ist klasse, was der Mann damals auf der Gitarre zu sagen hatte. Er simuliert Maschinengewehre, Helikopter und Explosionen, lange vor Tom Morello. "Changes (Them Changes)" ist ein Song von Buddy Miles, der hier auch singt. Nach dem langen Jamtrack ist der Song mit seiner eindeutigen R&B Struktur eine schöne Abwechslung.

"Power to Love (Power of Soul)" gibt wieder Kante. Im Intro ist der Song groovig gehalten mit harten und exzessiven Gitarrenlines. Danach shuffelt der Song schön, die Gitarrenparts klingen zunächst sehr relaxt. Im Soloteil packt Hendrix aber einen fast zerstörerischen Sound aus. "Message to Love (Message of Love)" wird anfangs von einem interessanten Gitarrenriff getragen, das sehr ungewöhnlich für Hendrix klingt. Das ist sehr funky, stellenweise klangen die Chili Peppers später auch nicht anders. Im Solopart gibt Hendrix wieder alles. "We Gotta Live Together" ist der zweite Songbeitrag von Buddy Miles. Wieder hat man hier eine starke Affinität zum R&B, allerdings groovt der Song besser als Changes. Vor allem die Gitarrenriffs sind irgendwie durchsetzungskräftiger. Cool klingt der stellenweise gospelige Gesang.

Fazit Die Band Of Gypsys klingt, nach meiner persönlichen Ansicht, deutlich anders als die Jimi Hendrix Experience. Hendrix' Gitarrespiel hört man natürlich immer heraus, aber Cox und Miles spielen schnörkelloser und erdiger als Mitchell und Redding. Auch musikalisch ist der Rahmen etwas enger gespannt - man hört viel R&B und Funk sowie bluesige Anteile heraus, die psychedelischen Parts halten sich in Grenzen. Aufgrund der Liveperformance hat man hier natürlich auch immer einen gewissen Jamcharakter. Aber gerade das macht die Faszination des Albums aus. Aus meiner Sicht gibt es wenige Live-Alben, die besser klingen als The Band Of Gypsys.

Trackliste

  1. Who Knows 9:32
  2. Machine Gun 12:36
  3. Changes (Them Changes) (Buddy Miles) 5:10
  4. Power to Love (Power of Soul) 6:53
  5. Message to Love (Message of Love) 5:22
  6. We Gotta Live Together (Buddy Miles) 5:46
Bonus Tracks Deutschland und Japan
  • Hear My Train A-Comin' (First set) 9:02
  • Foxy Lady (Third set) 6:33
  • Stop (Third set) (Howard Tate) 4:47

Rezensent: MP