Anzeige

Albumbesprechung Allan Holdsworth - Hard Hat Area

Interpret: Allan Holdsworth

Titel: Hard Hat Area

Erscheinungsjahr: 1993

Genre: Instrumental, Guitar, Jazz-Fusion

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Hard Hat Area ist das achte Studioalbum (das neunte, wenn man die EP Road Games mitzählt) von Allan Holdsworth. Das Album erschien erstmals 1993, von Moonjune Records gibt es 2012 die Wiederveröffentlichung des 2011 remasterten Albums.

Allan Holdsworth ist in jeder Hinsicht ein Grenzgänger, er konzentrierte sich schon früh auf Musik jenseits des Mainstream. Da ihm Bandprojekte scheinbar etwas suspekt waren, konzentrierte er sich früh auf seine Solokarriere, mit der er wiederum nicht auf die Massen zielte. Er hielt sich mit seinem einzigartigen Gitarrespiel vornehmlich im Feld Jazz-Fusion auf, davon kann man auch auf Hard Hat Area sprechen.

Dieses Album zählt Holdsworth selbst zu seinen persönlichen Lieblingsalben. Das ist so etwas wie ein Adelsschlag, weil Holdsworth mit seinem eigenen Output eigentlich nie zufrieden ist. Ein Grund für diese hohe Einschätzung ist lt. Holdsworth, dass es eines seiner ersten Alben war, welches er mit den Mitmusikern zusammen im Studio einspielte. Zuvor nahm er in der Regel sein Material im eigenen Studio auf und ließ es in einem anderen Studio von Gastmusikern ergänzen.

Musikalisch schenkt Holdsworth dem Hörer einmal mehr ein besonderes Alben. Er zaubert Klanglandschaften der ungewöhnlichen Art, schön und durchaus sperrig. Das ist nichts für den Mainstream. Erwähnenswert: Holdsworth hat hier, nach eigenen Angaben, den Anteil an Synthaxe-Parts zurückgefahren. Ansonsten gibt es viel Holdsworth mit seinen unvergleichlichen Legatoparts und einer Vielzahl abgefahrener Voicings.

Die Songs

  • "Prelude" ist eine schöne Einleitung, welche Holdsworth in orchestraler Manier mit einer vergleichsweise sparsamen Melodie präsentiert.
  • "Ruhkukah" präsentiert die komplette Band. Gary Husband drummt über schräge Metren, die Holdsworth und Keyboarder Steve Hunt mühelos umspielen. Das Ergebnis ist beeindruckender Jazz-Fusion der Marke Holdsworth.
  • "Low Levels, High Stakes" ist der längste Song des Albums. Es ist einer der soften Holdsworth Songs, hier mit schönen Pianoparts von Hunt, schönen Fretless-Sounds von Skuli Sverrisson sowie unwiderstehlichen Legatolinien von Holdsworth. Das komplette Programm, schön präsentiert und nahezu ohne Längen.
  • "Hard Hat Area" wird von Synthaxespielereien eröffnet. Das klingt nach Industrial - interessant, vertraut und doch irgendwie fremd. Holdsworth hält sich für meinen Geschmack zu lange in dem Bereich auf, aber er entschädigt später mit einem fulminanten Gitarrensolo. Holdsworth zeigt einmal mehr, warum er zu den weltbesten Axemen gezählt wird.
  • "Tullio" ist ein Song, den Holdsworth dem Rad-Rennfahrer Tullio Campagnolo widmet. Holdsworth findet wieder zurück zu seiner Art Fusion mit flächigen Akkordteppichen, Legatolinien und schöne Synthieparts. Das passt, dennoch würde ich Tullio zu den Holdsworth Songs zählen, die Längen produzieren.
  • Ähnliches gilt für "House of Mirrors". Es ist eigentlich ein Coresong von Holdsworth, er nutzte ihn auch für ein Gitarrenlehrwerk. Der Song lebt von Synthaxe-Sounds und von den ungewöhnlichen Voicings, die Holdsworth spielen kann. Das klingt spacig, sowohl Holdsworth als auch Hunt geben sich die Ehre mit Solobeiträgen. Aber irgendwie erstarrt der Song stellenweise in Schönheit und nähert sich dann sogar der Fahrstuhlmusik, wie man sie im Jazz-Fusion leider immer mal wieder zu hören bekommt.
  • "Postlude" ist ein orchestrales Gesamtwerk der Band. Die Richtung stimmt, die Musiker zeigen sich mit schönen Instrumentalbeiträgen. Aber irgendwann verpufft der Reiz auch etwas. Zum Glück ist der Song nicht allzu lang.

Fazit Ich bin bekennender Fan Holdsworthscher Spielkunst. Der Mann verfügt über sein eigenes musikalisches System, er hat Hände wie Schaufeln und spielt damit eine unfassbar gute Technik. Sein Ansatz ist unvergleichlich, sein Eigenwille ist bemerkenswert. Da fangen aber auch die Probleme an. Nicht wegen seiner formidablen Technik oder z. B. seiner Bierbrauerei. Manchmal treibt er die Synthaxe Exkursionen zu weit und manchmal verliert sich der Meister in seinen Soundlandschaften. Immerhin hält sich das auf Hard Hat Area in Grenzen. Es ist zweifellos eines der wichtigen Holdsworth Alben, auch wenn man sich manchmal mehr gewünscht hätte. Etwas mehr Ruhkukah und Low Levels, High Stakes, dafür weniger Material wie Tullio hätte mir gefallen, aber nun gut: bei Holdsworth muss man mit Kompromissen leben. An fehlender Musikalität mangelt es dafür eben nie, Holdsworth spielt wie von einem anderen Stern und seine Mitmusiker stehen ihm in nichts nach.

 

Trackliste

  1. Prelude (Holdsworth, Steve Hunt) 1:35
  2. Ruhkukah 5:34
  3. Low Levels, High Stakes 9:05
  4. Hard Hat Area 6:06
  5. Tullio 6:02
  6. House of Mirrors 7:47
  7. Postlude (Holdsworth, Hunt, Skúli Sverrisson, Gary Husband) 5:28

Alle Songs Allan Holdsworth, sofern nicht anders vermerkt.

Rezensent: MP