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Albumbesprechung Allan Holdsworth - None Too Soon

Interpret: Allan Holdsworth

Titel: None Too Soon

Erscheinungsjahr: 1996

Genre: Instrumental, Guitar, Jazz-Fusion

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

None Too Soon ist das neunte (unter Einbeziehung der EP Road Games das zehnte) Studio Album von Allan Holdsworth. Das Album erschien im Jahr 1996, 2012 gibt es von Moonjune eine Neuauflage des 2011 remasterten Albums. Es ist zweifellos eines der bemerkenswertesten Holdsworth Alben, zumal er sich hier in der Interpretation von Fremdkompositionen ergeht.

Die Idee entstammt, so Holdsworth, Gordon Beck. Der Pianist und Arrangeur arbeitete häufig mit Holdsworth zusammen. Beide hatten auf einem Beatles Tribute Album von Mike Mainieri wieder miteinander zu tun. Beck empfahl Holdsworth, auch einmal ein Album mit Interpretationen bekannter Songs aufzunehmen, weil sich Holdsworth vielen Hörern mit seinen aus Eigenkomposition bestehenden Alben zu sehr verschließe.

Holdsworth ließ sich (scheinbar) überreden. Denn letztlich bleibt Holdsworth immer Holdsworth , auch wenn er Fremdmaterial interpretiert. So klingt auch dieses Album extrem nach Holdsworth.

Eingespielt werden Versionen des Coltrane Klassikers Countdown, Django Reinhardts Nuages, How Deep Is The Ocean von Irving Berlin, Isotope und Inner Urge von Joe Henderson, None Too Soon Pt I/Interlude/None Too Soon Pt II und San Marcos von Gordon Beck, Very Early von Bill Evans und des Lennon/McCartney Klassikers Norwegian Wood. Personell griff Holdsworth auf Musiker zurück, die in der Szene bekannt sind. Initiator Gordon Beck ist als E-Pianist dabei. Am Bass spielt Gary Willis, an den Drums sitzt Kirk Covington - beide sind bekannt als Musiker der Band Tribal Tech.

Die Songs

  • Extrem fulminant beginnt das Album mit dem Cover des John Coltrane Songs "Countdown", welches Holdsworth mit halsbrecherisch schnellen Läufen einspielt.
  • Auch "Nuages" spielt er mit äußerst schnellen Läufen ein, aber hier fehlt mir das Gefühl des Manouche, sorry. Aber es gibt auch Gründe dafür: Holdsworth stellte klar, dass er nicht den Stil Reinhardts weiterentwickeln wollte, weil er gar nicht dazu in der Lage wäre. Daher spielte er auch auf Nuages seinen Stiefel, was für mich allerdings nicht funktioniert.
  • Dafür wertet Holdsworth den Berlin Song "How Deep Is the Ocean" ganz klar auf. Zumindest für mich klingt die Holdsworth-Version aufregender, als die meisten anderen Berlin-Interpretationen.
  • Etwas abfallend ist die Tendenz auf "Isotope". Der Song wird nett und gefällig, aber unauffällig interpretiert.
  • "None Too Soon Pt I/Interlude/None Too Soon Pt II" wurde von Keyboarder Gordon Beck beigesteuert und stellt das Highlight des Albums dar. Das liegt insgesamt sehr nahe an dem Holdsworth, wie man ihn von seinen Soloalben kennt.
  • "Norwegian Wood" erschreckt zu Beginn - ehrlich gesagt klingt das stinklangweilig. Aber auch hier rafft sich der Meister auf und spielt sich im weiteren Verlauf geradezu in Trance. Allerdings ist dann vom Original praktisch nichts mehr erkennbar.
  • "Very Early" ist ein recht langer Song mit massivem Pianoeinsatz, schönen Willis-Beiträgen und Saxofon-ähnlichen Synth-Axe Parts. Ein angenehmer Song, der vor allem klassische Jazzfreunde erwärmen sollte.
  • "San Marcos" ist ein weiterer gelungener Beitrag von Beck, mit schönen jazzigen Pianoparts und einem fulminanten Solo von Holdsworth.
  • Den Abschluss bildet "Inner Urge" von Joe Henderson. Es ist, wie so oft, zum Abschluss eine Art Bandsong, auf dem sich jeder mal zeigen darf. Ganz nett ist der launige Abschlusskommentar (von Holdsworth?).

Fazit Allan Holdsworth gehört zu den von mir hoch geschätzten Musikern. Ich bewundere u. a. seine Eigenwilligkeit, auch wenn sie ihm manchmal im (Erfolgs-)weg stehen mag. Hier kommt sie dem Hörer wieder zu pass. Gordon Beck wollte ihn zu einem Album mit Interpretationen von Fremdmaterial überreden. Das ließ Holdsworth überraschenderweise zu. Aber Holdsworth wäre nicht Holdsworth, wenn er diesen Songs nicht seinen eigenen Stempel aufdrücken würde. Zum Glück, denn sonst hätte man einen Reinfall erwarten können. Aber wenn Holdsworth loslegt, ist die Welt wieder in Ordnung (zumindest für mich). Dazu kann er sich auf die brillante Groovesektion Willis und Covington verlassen, auch Beck spielt die ungewohnte Rolle am Digital-Piano bravourös. Tolles Album - typisch Holdsworth eben, aber doch irgendwie anders.

 

Trackliste

  1. Countdown (John Coltrane) 3:11
  2. Nuages (Django Reinhardt) 5:41
  3. How Deep Is the Ocean (Irving Berlin) 5:29
  4. Isotope (Joe Henderson) 5:41
  5. None Too Soon Pt I/Interlude/None Too Soon Pt II (Gordon Beck) 7:44
  6. Norwegian Wood (John Lennon, Paul McCartney) 5:55
  7. Very Early (Bill Evans) 7:42
  8. San Marcos (Beck) 3:24
  9. Inner Urge (Henderson) 6:14

Rezensent: MP