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Albumbesprechung In Extremo - Sterneneisen

Interpret: In Extremo

Titel: Sterneneisen

Erscheinungsjahr: 2011

Genre: Rock, Heavy Metal

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Sterneneisen ist ein Album der Band In Extremo. Das Album wurde im Februar 2011 veröffentlicht. Sterneneisen erreichte in Deutschland Rang 1 der Charts, in Österreich reichte es für Rang 5 und in der Schweiz für Rang 14 der Charts. Damit erreichte die Band ihre bislang besten Chartplatzierungen. Allerdings wurde Sterneneisen relativ kontrovers aufgenommen.

Bei der Besprechung zum Album Sängerkrieg hatte ich noch erwähnt, dass In Extremo wieder in stärkerem Maß ihre folkigen Wurzeln einsetzten. Dies ist auf Sterneneisen leider kaum noch der Fall. Auch auf Sterneneisen hört man zwar akustisches bzw. balladeskes Material, auch hier hört man mal eine Sackpfeife. Allerdings ergeht sich die Band primär in brachialen härteren Sounds. Da kommen, in Verbindung mit Einhorns urdeutschen Vocals, schnell wieder Erinnerungen an Rammstein auf, während die melodischen Motive dagegen häufig an Tote Hosen Sounds erinnern.

Ich kenne die Marketingstrategie der Band nicht. Eigentlich hätte ich nach Sängerkrieg auf eine Rückkehr zu alten Sounds gesetzt. Die Band brettert jedoch vornehmlich heavy los, um einen dann mit einer Schlagerdusche der Kaliber "Siehst Du Das Licht" oder "Hol Die Sterne" kalt zu erwischen. Auch das muss nichts zwangsläufig schlechtes sein. Die Band wird sich was gedacht haben, auch wenn es sich mir nicht erschließt.

Die Songs

"Zigeunerskat" bedient mit einem Mix aus Rammstein-Riffs und Tote Hosen Refrain neueren Fans der Band, ähnliches gilt für "Gold". Das kauzige "Viva La Vida" mit der Säufermond Metapher und den klassischen Heavy-Metal Patterns kann durchaus überzeugen. "Siehst Du Das Licht" erinnert stellenweise an Unheilig und scheint so die Brücke zur Zusammenarbeit mit dem Grafen auf "Hol Die Sterne" zu bilden. Klassisch hart ertönt "Stalker", leider erstarrt die Band in bekannten Klischees.

"Hol Die Sterne" mit dem Grafen macht da weiter, wo "Siehst Du das Licht" anfing. Die Akustikballade riecht enorm nach deutschem Schlager. Klassisch rockig, wieder mit Anleihen an Tote Hosen Strukturen, geht es mit "Sterneneisen" weiter. Die Vertonung eines alten estnischen Spruches auf "Zauberspruch No VII" erinnert am ehesten an alte Mittelaltersounds, ohne jedoch deren Intensität erreichen zu können. "Auge Um Auge" könnte man als härteren Alternative-Rock etikettieren. Allerdings wirkt der Refrain reichlich klischeebehaftet. Plötzlich kommt mit "Schau zum Mond" ein gewisses Highlandfeeling auf. Nach dem netten Intro legt die Band einen gut groovenden Rocksong nach. Kreator Gitarrist Mille Petrozza mischt auf dem Song "Unsichtbar" mit und verleiht dem Song in den Strophen eine gewisse thrashige Härte, die jedoch mit dem eingängigen Refrain aufgelöst wird. "Ich vermiss Dich" bietet zum Abschluss einen relativ milden Abgang, wieder erstaunt die gesangliche Nähe zum Grafen.

Fazit In Extremo verabschieden sich vom so genannten Mittelalterrock, das könnte man nach dem Hören von Sterneneisen durchaus behaupten. Ob die Band das Feld aufgibt, wird sich weisen. Aber hier sind sie im vornehmlich härteren Rock angekommen, im krassen Mix mit fast schon schlagerähnlichem Material. Die alternativen Instrumente spielen eine eher untergeordnete Rolle und ungeachtet aller Sackpfeifensounds kommt selten Mittelalterfeeling auf. Die Band hat das so gewollt, das muss man akzeptieren. Dabei präsentieren In Extremo kein schlechtes Album, sieht man von Songs wie "Siehst Du Das Licht" oder "Hol Die Sterne" ab. Dennoch enttäuscht das Album, zumindest für Freunde des Mittelalter-Rocks dürfte Sterneneisen enttäuschend sein, für Freunde des Germanischen Schwermetall könnte es etwas zu wenig "teutsche" Härte sein.

Trackliste

  1. Zigeunerskat
  2. Gold
  3. Viva La Vida
  4. Siehst du das Licht
  5. Stalker
  6. Hol die Sterne
  7. Sterneneisen
  8. Zauberspruch No. VII
  9. Auge um Auge
  10. Schau zum Mond
  11. Unsichtbar
  12. Ich vermiss dich

Rezensent: MP