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Albumbesprechung The Jam - Sound Affects

Interpret: The Jam

Titel: Sound Affects

Erscheinungsjahr: 1980

Genre: Mod-Rock, New Wave, Post-Punk

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Sound Affects ist das fünfte Album der Band The Jam. Das Album erschien im Jahr 1980 und war eines der erfolgreichsten Alben der Jam. Paul Weller hielt es für das beste Album der Band. Stilistisch beschrieb er das Album einmal als einen Mix aus Revolver der Beatles und Off The Wall von Michael Jackson. Kommerziell lief das Album, wie erwähnt, sehr gut. Auch die Kritiken zum Album fielen äußerst gut aus.

The Jam war eine Band, die offiziell von 1974 bis 1983 aktiv war. Die Band nahm das erste Album in einer Phase auf, als der Punk in England auf dem Siedepunkt war. Daher wird die Band gerne als Punk-Band bezeichnet. Das kann man zum Teil gelten lassen. Aber The Jam war in erster Linie eine Mod-Rock Band, die den Mod-Stil der 60er Jahr konsequent pflegte und weiter entwickelte. Hauptverantwortlich für den Bandsound war vor allem der Songwriter, Gitarrist und Sänger Paul Weller. Ein wichtiges Fundament war auch der stark nach vorne gemischte Bass-Sound von Bruce Foxton. An den Drums saß Rick Buckler. Das Album Sounds Affects war das vorletzte Studioalbum der Band. Viele halten es für das beste Album der Band.

Wie gesagt war The Jam keine Punk Band. Die Band schöpfte vor allem aus dem Fundus der 60er Jahre mit vergleichsweise melodischen Song und einer eher subtilen punkigen Note. Im Prinzip kann man von einer Mischung aus Mod-Revival, Punk und New Wave sprechen. Wie gesagt, gilt Sound Affects als wichtiges Album der Band. Nur All Mod Cons wurde ähnlich hoch bewertet. Sound Affects war experimenteller gehalten und stark an die Vorbilder der 60er Jahre angelehnt. Stilistisch hat, wie Weller selbst eingestand, vor allem das Album Revolver der Beatles Pate gestanden. Ebenso könnte man aber auch Vergleiche zu frühen Who Werken oder Material der Kinks ziehen. Dazu kommt noch eine leichte Affinität zu Philly-Soul und Funkmaterial und die moderne Punk- bzw. New Wave-Attitüde a la Wire oder Joy Division. Paul Weller selbst meinte später, das Album sei eine Mischung aus Revolver (Beatles) und Off The Wall (Michael Jackson). Das trifft es irgendwie.

Zu den Aufnahmen des Albums gab es von Weller nur Rohfassungen der Songs. Das schlägt sich auch nieder. Alles klingt experimentell und offen und hat etwas von Jam-Sessions. Was sich ebenfalls auswirkte, waren Differenzen zwischen Band und Plattenfirma. Die Plattenfirma wollte einen Nachfolger der Hitalben, die Band wollte ihr eigenes Ding machen. Die Plattenfirma wollte Pretty Green als Single, die Band veröffentlichte jedoch Start! und der Erfolg gab The Jam recht.

Der Opener "Pretty Green" ist eine Nummer im traditionellen Jam Stil. Typisch sind vor allem die wuchtigen Basslines, die eingängigen Gesangsparts und die Anleihen an den Mod-Rock. Der zweite Song "Monday" fällt mit seinen Beatsounds und Soul-Einflüssen etwas ab. "But I'm Different Now" klingt origineller. Treibende Drums und scheppernde Gitarren werden hier mit netten Vokalharmonien gewürzt und geben dem Song einen schönen Drive.

"Set The House Ablaze" wirkt vertrackt und fast schon schräg. Das zentrale Element ist ein Single-Note Gitarrenriff, das praktisch durchläuft. Dazu kommt ein vertrackter Drum Rhythmus und einige schräge Gesangsideen. Der Song "Start!" wurde erfolgreich als Single ausgekoppelt und erreichte Platz 1 der Single Charts. Die fette Basslinie mit den sparsamen grellen Gitarreneinwürfen erinnert an Taxman der Beatles, was wohl so gewollt war. "That's Entertainment" fiel ziemlich aus dem Rahmen. Die eher harmlose Akustikgitarren-Nummer wurde ziemlich bekannt. Bemerkenswert sind die interessanten Lyrics. Weller deutete hier das erste Mal an, was später eines seiner Markenzeichen wurde: das Talent, alltägliche Beobachtungen und Gedanken in interessante Lyrics zu packen. Ich denke, der Text macht hier auch den Hauptreiz des Songs aus.

Der Song "Dream Time" ist wieder ein typischer The Jam Song. Allerdings wirkt der Song etwas drucklos. Es ist wohl einer der Songs, den die Band auf die Schnelle fertigstellte. "Man In The Corner" ist ein Pop-Orientierter Song mit schönen Harmonien und prickelnden Rickenbaker Sounds. "Music For The Last Couple" ist ein Instrumentaltitel mit minimalen Gesangseinwürfen. Der Song ist groovig, mit schrägen Parts und Anleihen an den Ska. "Boy About Town "ist wieder ein typischer Jam Song, also New Wave mit Mod-Anleihen. Der letzte Song "Scrape Away" klingt experimenteller, mit einige guten und teilweise schrägen Ideen

Fazit Sound Affects ist ein gutes Album, vor allem ist es ein interessantes Album der Band, da diese hier viel experimentierte. Aber man merkt auch, dass The Jam dem Diktat der Plattenfirma entgegentreten wollte. Und man merkt, dass die Songs zu Aufnahmebeginn praktisch nur in Rohfassung vorlagen. Das macht das Album zwar spannend, aber einige Titel wirken unfertig bzw. fallen als Schnellschüsse etwas ab. Und letztlich war, nach offiziellen Quellen, die Band damals nicht wirklich glücklich mit den Aufnahmen. Das merkt man schon.

Trackliste

  1. Pretty Green
  2. Monday
  3. But I'm Different Now
  4. Set The House Ablaze
  5. Start!
  6. That's Entertainment
  7. Dream Time
  8. Man In The Corner Shop
  9. Music For The Last Couple
  10. Boy About Town
  11. Scrape Away

Rezensent: MP

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