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Albumbesprechung Jean Michel Jarre - Métamorphoses

Interpret: Jean Michel Jarre

Titel: Métamorphoses

Erscheinungsjahr: 2000

Genre: Electronica, ambient, world music

Bewertung: Wertung: 5 von 10 Sternen

(5/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Métamorphoses ist das zehnte Studioalbum von Jean Michel Jarre. Das Album erschien im Jahr 2000 (in den USA erst 2004). Jarre ist in unseren Breitengraden seit seinem 1976er Album Oxygene einem breiten Publikum bekannt. Jarre hielt danach relativ konsequent an klassischer Elektronikmusik fest, wenn man so will bis zum Erscheinen von Metamorphoses.

Der Name ist dann auch ein Stück weit Programm. Jarre durchläuft (s)eine Metamorphose mit Elementen aus Trance, Techno und House bis hin zu modernen Ambient Sounds. Erstmals setzte Jarre in größerem Maß auf Vokalbeiträge, eigene Gesangsbeiträge jagte er meist durch einen Vocoder. Außerdem ließ er sich gesanglich unterstützen von:

  • Laurie Anderson (Je Me Souviens)
  • Natacha Atlas (C'est la Vie)
  • Veronique Bossa (Give Me a Sign und Millions of Stars)
  • Dierdre Dubois (Miss Moon)
  • Lisa Jacobs ( Millions of Stars)
  • Ozlem Cetin (Silhouette)

Weitere beteiligte Musiker waren Christopher Papendieck (Bass keyboards), Francis Rimbert (keyboards), Sharon Corr (Violine auf Rendez-Vous à Paris) und Joachim Garraud (Drumprogrammierung, Sound Design und zusätzliche Keyboards).

Jarre wagte etwas, das forderten viele Kritiker zuvor immer wieder von ihm ein. Dafür gab es dann auch ordentliche Kritiken, der kommerzielle Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Die Gründe waren vielfältig. Einige Leute waren anscheinend etwas verwirrt, weil die Presse zum Release häufig von Chansons sprach, welche Jarre auf Metamorphoses veröffentlicht. Vom klassischen Chanson ist das Gebotene weit entfernt. Musikalisch hält Jarre durchaus an den Electronica Wurzeln fest. Aber Jarre geht eben auch einen Schritt weiter, er mixt klassische Elektronik mit Elementen aus Trance, Ambient, Techno und House. Das ist eine interessante Sache, auch wenn das Ergebnis aus meiner Sicht nicht immer optimal ist.

Die Songs

"Je Me Souviens" offenbart erste Probleme. Ein Ambientsong mit angenehmen Pianosounds, synthetischen Drums, Chören sowie Sprechgesang. Mit der Ambientuntermalung kommen mir spontan Gedanken an Enigma & Co. in den Sinn. "C'est La Vie" knüpft daran genauso an wie "Rendez-Vous A Paris", wobei letztgenannter Song mit interessanteren Parts aufwarten kann.

Auch "Hey Gagarin" kann anfangs mit interessanten Soundsplittern und einer interessanten Off Beat Rhythmik überzeugen, im weiteren Verlauf flacht der Song aber etwas ab. "Millions of Stars" erinnert an Oldfield, die Sounds klingen angenehm retro und knüpfen an große Elektroniktaten an. "Tout Est Bleu" spielt mit interessanten Realsounds wie dem Handystörgeräusch im PC. Aber leider kommt der Song selten über das Stadium eines netten Electropopsongs hinaus.

"Love Love Love" wirkt zwar irgendwie hymnisch, verspielt aber viel davon mit unverbindlichem Popgesäusel. "Bells" wirkt auf mich wie ein Mix aus der Titelmelodie des TV-Klassikers "Die Zwei" und Enigma Sounds. Etwas interessanter klingt der geheimnisvolle "Mister Moon", auch wenn der Song nicht durchgängig überzeugt.

"Give Me A Sign" präsentiert zwar den Mix mit modernen Elementen, versprüht aber insgesamt wieder ein eher unverbindliches Popflair. "Gloria, Lonely Boy" gehört mit seinen rhythmischen und elektronischen Experimenten zu den interessantesten Songs des Albums. Die Spannungskurve flacht mit "Silhouette" und seinem etwas lauen wortlosen Gesang aber schlussendlich wieder ab.

Fazit Jarre ist ein Musiker, der ein Händchen für gute Melodien und Motive hat. Hier wagt er sich (etwas halbherzig) auf neues Terrain. Seine Basis bleibt der klassische Elektroniksound, den vermengt er mit Gesang bzw. Sprechgesang. Dazu gibt es ein paar moderne rhythmische Strukturen aus Techno bis House. Eingespielt ist das ordentlich, aber über allem schwebt auch eines: gepflegte Langeweile. Irgendwie will das Album nie so recht zünden. Es gibt gute Ansätze, die aber schnell von unverbindlichen Popsequenzen zerballert werden. Zu oft hört sich Jarre z. B. wie Enigma an. Das muss beileibe nichts schlechtes sein, aber für einen altgedienten Elektroniker ist das auch keine wirkliche Steigerung.

 

Trackliste

  1. Je Me Souviens 4:25
  2. C'est la Vie 7:11
  3. Rendez-Vous à Paris 4:19
  4. Hey Gagarin 6:20
  5. Millions of Stars 5:41
  6. Tout Est Bleu 6:01
  7. Love Love Love 4:26
  8. Bells 3:49
  9. Miss Moon 6:08
  10. Give Me a Sign 3:49
  11. Gloria, Lonely Boy 5:31
  12. Silhouette 2:29

Rezensent: MP