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CD-Kritik: Jethro Tull - Thick As A Brick

Interpret: Jethro Tull

Titel: Thick As A Brick

Erscheinungsjahr: 1972

Genre: Prog-Rock, Folk-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Thick as a Brick war das fünfte Studioalbum der Band Jethro Tull. Es erschien im Jahr 1972 nach dem Erfolgsalbum Aqualung. Aqualung sagte man nach, es sei ein Konzeptalbum. Das sah Ian Anderson ganz anders, und als Autor hatte damit wohl auch recht. Mit Thick As A Brick dagegen legte er wirklich ein Konzeptalbum vor. Es besteht nur aus einem Song, Thick As A Brick. Der wurde nur deshalb zweigeteilt, weil man auf LPs keine längeren Songs pressen konnte. Inhaltlich geht es um eine Geschichte, die von einen fiktiven hochintelligenten Jungen (Gerald Bostock bzw. Little Milton) verfasst wurde. Es geht um Stationen des Heranwachsens. Eine interessante Geschichte. Ganz lustig finde ich die Idee von Anderson, den fiktiven Bostock sogar als Co-Autor aufzuführen, was zu allerlei Spekulationen führte. Thick As A Brick war das erste Album mit dem neuen Drummer Barriemore Barlow. Das Album kam bei Kritikern und Fans gut an und erreichte in den USA Platz 1 der Charts.

Als eines der ersten Alben der Band kann man Thick As A Brick in erster Linie dem Prog-Rock zuordnen. Der Core-Song wird durch unzählige Rhythmus- und Tempowechsel gekennzeichnet, was typisch für den Prog-Rock ist. Dazu enthält das Stück unzählige verschiedene Themen und ist durch unterschiedliche Musikstilistiken gekennzeichnet. Auf dem Album führte Anderson auch in großem Umfang Musikinstrumente ein, die für die Rockmusik eher unüblich waren (Harpsichord, Xylophon, Violinen, Lauten, Trompeten und Streichersektionen). Ich habe einmal gelesen, dass Anderson das Album bewusst als (s)eine Antwort an die großen Progrock Bands der 1970er konzipierte.

Teil 1 beginnt erst mal sehr folkig. Das klingt mit guten Akustikgitarrenparts und schönem Querflötenspiel von Anderson sehr angenehm, dazu gibt es stimmige Glockenspielbeiträge. Nach drei Minuten beginnt der erste prog-rockige Part. Das passt gut, geht gut ab und steht durchaus in der Tradition der großen Prog Rockbands. Der Part mündet in einen gesungenen, rockigen Part mit geringeren Prog-Anteilen. Nach ca. 12 Minuten setzt ein relativ orgellastiger Part ein. Der tendiert wieder Richtung Prog-Rock, erinnert aber auch an den Krautrock (wahrscheinlich haben sich deutsche Bands hier gerne bedient). Das letzte Drittel des Songs bietet dann einen schönen Querschnitt über folkiges, rockiges und proggiges. Insgesamt ist Thick As A Brick Part 1, trotz der langen Laufzeit, ein kurzweiliges Vergnügen.

Teil 2 beginnt mit Windgeräuschen und weiteren interessanten Sounds. Relativ schnell geht es in einen bewegten Prog-Rock Part. Der wird relativ lange gespielt, erhält schöne rhythmische Variationen und sogar ein kleines Drumsolo. Das klingt manchmal nach Jazz Fusion und ist ziemlich schräg, bricht dann aber in einen schön folkigen Part auf, der immer wieder von kurzen proggigen Interludes unterbrochen wird. Später kombiniert Anderson melodische Motive mit eher psychedelischem Material. Auch Teil II spielt mit allen nur erdenklichen Stilistiken von Folk über Rock bis hin zum Jazz Fusion. Im Gegensatz zu Part I ist Part II komplexer und wirkt experimenteller und verschachtelter.

Fazit Ich würde mich vielen Kritikern und Fans anschließen und das Album Thick As A Brick als eines der großen Werke von Jethro Tull bzw. Ian Anderson bezeichnen. Part 1 wirkt in sich extrem geschlossen und ist trotz der Länge von über 22 Minuten gut anzuhören. Part 2 ist wesentlich verspielter und besteht aus mehreren verschachtelten Parts, deren Übergänge oftmals nicht ganz so glatt sind. Dafür sind die einzelnen Parts ungemein interessant und wirken an sich etwas etwas stärker als die Einzelparts von Teil 1. Thick As A Brick ist zweifellos eines der stärksten, aber gleichzeitig auch eines der komplexesten Werke Jethro Tulls. Wer Prog-Rock mag, sollte das Album kennen. Dem Einsteiger würde ich eher ein Album wie War Child empfehlen.

Trackliste

  1. Thick as a Brick (part one) (Ian Anderson/Gerald Bostock) 22:45
  2. Thick as a Brick (part two) (Ian Anderson/Gerald Bostock) 21:05

25th Anniversary Edition bonus tracks

  • Thick as a Brick (live at Madison Square Garden, 1978) 11:50
  • Interview mit Ian Anderson, Martin Barre, und Jeffrey Hammond-Hammond 16:30

Rezensent: MP