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CD-Kritik: Heinz Rudolf Kunze - Protest

Interpret: Heinz Rudolf Kunze

Titel: Protest

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Mit Protest legt Heinz Rudolf Kunze im Jahr 2009 sein, nach meiner Rechnung, 20. Studioalbum vor. Das Album stieg in Deutschland bis auf Rang 15 der Charts, was für einen deutschsprachigen Künstler eine gute Platzierung bedeutet. Musikalisch gibt sich Kunze im Jahr 2009 relativ eingängig und durchaus radiokompatibel. Kunze hat sich 2008 von seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Heiner Lürig getrennt. Auf dem Album Protest sind folgende Musiker mit dabei: HRK - voc, Klavier, Gitarre, Mundharmonika, percussion; Jörg Sander - Gitarren, Matthias Ulmer - Orgel, Piano, keyboards; Leo Schmidthals - Bass, keyboards, Gesang; Jens Carstens - Schlagzeug Percussion. Dazu wurden als Gäste begrüßt: Zoran Grujovski - Gitarre, E-Piano, Piano; Boris Malchin - Cello sowie Andre Carswell und der Mick Jackson Chor auf "Ein Besondrer Tag".

Die Songs

"Längere Tage" gehört zu den eingängigeren Songs Kunzes. Der Song passt musikalisch gut zum bildhaft gestalteten Liebeslied. "Einmal noch und immer wieder" knüpft musikalisch nahtlos am ersten Song an. "Astronaut in Bagdad" ist musikalisch weniger stromlinienförmig. Der härtere Song ist rhythmisch stark akzentuiert, auch der Text nimmt wortgewaltig Stellung zu Problemen der Welt. "Sie geht vorbei" nimmt wieder den Faden der eingängigeren ersten beiden Songs auf. Auch textlich geht es eher um zwischenmenschliches. "Auf einem andern Stern" geht in die klassische Singer Songwriter Richtung, textlich gibt sich Kunze hier kryptischer. "Aber Menschen?" liegt musikalisch zwischen Kommerz und Anspruch. Textlich verpackt Kunze die ironische Frage, ob man Menschen lieben kann, gut nachvollziehbar. "Dagegen" ist ein recht harter und bitter klingender Song. Das klingt sehr ungewöhnlich für Kunze. Die Musik passt aber hervorragend zur textlichen Aussage: wir dagegen sind nicht die Welt. Resignation macht sich breit. "Frei zu sein" ist in nachdenklicher Song mit einer bemerkenswert schönen Instrumentierung.

"Ein besondrer Tag" geht wieder in die Singer-Songwriter Ecke. Der etwas kryptische Text bildet hier einen gewissen Kontrast zum locker leichten Song. Auf "Möglich" grüßt Bob Dylan. Musikalisch orientiert sich Kunze am Meister, durch die leicht rockige Note hat das aber auch etwas von Springsteen. "Selbst ist die Zerstörung" legt musikalisch wieder zu. Der Song klingt rockig, hart und bitter. Das passt hier wieder sehr gut zum bitteren Text. "Warum?" pumpt klassisch rockig, dazu präsentiert Kunze einen metaphorischen Text und stellt die rhetorische Frage, warum jemand etwas tut. "Regen in meinem Gesicht" ist eine schöne, leicht melancholische Ballade. Sie beschreibt einen Menschen mit Bindungsängsten, der angeblich lieben kann, aber nicht mit jemandem zusammenleben kann. "Du bist so süß" ist ein schöner Text über eine süße, aber doch etwas - ähm - unbedarfte Frau. Musikalisch ist das lustig umgesetzt und passt daher gut zum Text. "Elixier" endet versöhnlich als eine kleine Ode an die Liebe. Die Ballade mit akustischer Gitarre, Piano und Streichern passt wieder sehr gut zum textlichen Inhalt.

Fazit Wenn Heinz-Rudolf Kunze ein Album vorlegt, dann gibt es in der Regel wenig zu Mäkeln. Wenn es musikalisch nicht ganz so rund läuft, kann Kunze letztlich immer mit seinen Texten überzeugen. Bezüglich der Inhalte klingt Kunze auf den ersten Blick nicht so protesthaltig, wie es der Albumtitel vermuten lässt. Allerdings stellt das Album wohl auch eine Art Seitenhieb von Kunze in Richtung einiger Kritiker dar. Ob ein Song Protestsong ist oder nicht, beantwortet Kunze lakonisch mit einer früheren Aussage Bob Dylans. Der wurde einst von einem Reporter gefragt, warum er eigentlich keine Protestsongs mehr schreiben würde. Dylan's Antwort: "Alle meine Songs sind Protestsongs". Das lasse ich mal so stehen. Die Kritik ist letztlich sowieso übertrieben. Kunze gibt uns hier wieder gewohnt gutes Kopffutter mit, das er musikalisch kongenial umsetzt. Kunze erfindet den Pop-Rock nicht neu, aber er zitiert ihn grandios und sehr geschickt. Das wirkt in sich geschlossen, das Anhören macht Spaß. Wer deutschen Rock bis Pop mag, sollte reinhören. Aus meiner Sicht gehört das Album Protest zu den stärksten Alben Kunzes.

Trackliste

  1. Längere Tage 3:42
  2. Einmal noch und immer wieder 3:27
  3. Astronaut in Bagdad 3:22
  4. Sie geht vorbei 3:24
  5. Auf einem andern Stern 3:29
  6. Aber Menschen? 3:53
  7. Dagegen 3:39
  8. Frei zu sein 4:28
  9. Ein besondrer Tag 3:35
  10. Möglich 5:11
  11. Selbst ist die Zerstörung 3:08
  12. Warum? 3.46
  13. Regen in meinem Gesicht 5:03
  14. Du bist so süß 3:52
  15. Elixier 3:15

Rezensent: MP

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