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Albumbesprechung Living Colour - Time's Up

Interpret: Living Colour - Time's Up

Titel: Living Colour - Time's Up

Erscheinungsjahr: 1990

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Time's Up ist der Titel des zweiten Albums der Band Living Colour. Das Album erschien im Jahr 1990. Rang 13 in den Billboard 200 war nicht so gut wie das Debütalbum, aber es gab wieder einen Grammy, dieses Mal als Bestes Hard-Rock Album des Jahres.

Living Colour trat erneut in der Besetzung Corey Glover (Vocals, Rhythmusgitarre auf Type), Vernon Reid (Gitarren), Muzz Skillings (Bass) und Will Calhoun (Drums) an. Die Musiker waren durch die vielen Auftritte allesamt gereift. Glover hatte seinen Gesangsstil perfektioniert, Skillings und Calhoun spielten ein noch druckvolleres und tighteres Fundament ein. Darüber brillierte einmal mehr Reid als Solist, auch er zeigte sich noch variabler und irgendwie mit einem geschärften Profil. Zudem brachten sich Glover, Skillings und Calhoun auch im Songwriting wesentlich stärker ein.

Auch der musikalische Kurs hatte sich insgesamt etwas geändert. Ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob die Schelte der schwarzen Presse nicht doch stärker auf die Band wirkte, als sie zugeben wollte. In jedem Fall schien sie aus der stumpfen "Led Zeppelin für Schwarze Ecke" wegkommen zu wollen. Dazu holte man z. B. Gastkünstler wie Queen Latifah, Little Richard, Doug E. Fresh, Maceo Parker and James Earl Jones, auch die Aufnahmen an sich wurden anders geregelt. Produzent Stasium ließ die Band vieles quasi Live einspielen.

Schon der Opener Time's Up deutet das alles an. Der Song ist zwar musikalisch vehement bis brachial, aber eben nicht einfach im Stil der alten Led Zeppelin. Das klingt mal punkig, mal bewegt sich z. B. Reid bis an die Grenze zum Avantgarde.

Pride erinnert etwas stärker an den Sound des Debüts, aber auch hier klang das irgendwie definierter, es hatte vielleicht etwas mehr Hendrix als Zeppelin.

Love Rears Its Ugly Head ist ein ganz anderes Kaliber. Abgesehen von kurzen Steigerungen handelt es sich um einen relaxten groovy und vielleicht sogar witzigen funky Song.

New Jack Thema rockt wieder hart und ordentlich, überrascht aber abgesehen von den DX7-mäßigen Einwürfe kaum.

Someone Like You ist ebenfalls ein kräftiger Rocksong, das klingt hier aber sehr zeitgemäß und fast nach einer Art hartem Power-Pop.

Elvis Is Dead hat erneut gut Dampf im Kessel, schön die metrischen Spielereien im Refrain und der Sprechpart von Little Richard. Hardcore Elvis Fans waren natürlich etwas erschüttert, aber das muss den Rockfan nicht zwangsläufig auch erschüttern.

Type gehört zu den bekanntesten Songs des Albums. Wieder ein ungemein treibender harter Rocksong mit unglaublich präzisen Riffs und Licks. Reid ist hier ebenso in Bestform wie die Kollegen Skillings und Calhoun.

Information Overload beginnt mit einem witzigen Intro, welches den Overload gut beschreibt. Danach geht es einmal mehr groovy weiter, sehr druckvoll und ohne große Schnörkel sieht man vom ausgefeilten instrumentalen Mittelteil ab. Gesanglich eine der Glanzleistungen Glovers.

Under Cover of Darkness (ft. Queen Latifah) ist eine von Glover geschriebene Nummer. Die Eröffnung erfolgt balladesk mit traumhaft schönen Atmosounds Reids. Daraus entsteht ein relativ minimalistischer Funksong, das hat insgesamt eine Nähe zu Prince (auch Glover nähert sich dem Meister immer wieder). Trotz minimalistischer Ausrichtung passiert ungemein Viel, z. B. die Appearance Queen Latifahs und ein kurzes leicht schräges Jazz-Solo Reids.

Ology ist ein spaßiges und leider etwas kurzes Instrumental als Übergang zu Fight The Fight, der von Wall Of Sound-artigen Gitarrenbeiträgen Reids lebt. Wieder ein gutes Beispiel, wie sich die Band freigespielt hatte.

Tag Team Partners ist ein weiteres kurzes Stück, hier bestehend aus Scatartigem Gesang und einem Übergang zu Solace Of You. Und der Song ist eine echte Überraschung. Das erinnert spontan vor allem an die Musik z. B. aus Südafrikanischen Townships. Sehr leicht, sehr federnd und nett.

Dem leichtfüßigen Song folgt das schwerwiegende Ende mit This Is the Life. Ein schleppender Heavy Song, mit psychedelischen Anleihen und als Kontrapunkt einem recht eingängigen angedeuteten Refrain.

Fazit Time's Up findet sich in vielen Best-Of Listings wieder, in der Regel ist das Album dort auch höher platziert als Vivid. Nun ist eigentlich Vivid, rein von der Papierform, das eindeutig wichtigere Album. Es war das Debütalbum und als Debütalbum war es überaus erfolgreich. Aber Time's Up ist dem Debütalbum in fast jedem Punkt überlegen. Das Songwriting überzeugt praktisch durchgängig, die Band zeigte sich hier sehr viel stärker als Einheit, hatte zu ihrem Stil gefunden und überzeugte mutmaßlich auch die größten Kritiker. Für mich, im direkten Vergleich zu Vivid, das bessere und wichtigere Album und daher auch eines der wichtigen Alben der modernen Rockmusik.

Trackliste

  1. Time's Up (Reid, Muzz Skillings, Corey Glover, Will Calhoun) 3:05
  2. History Lesson (Reid)0:52
  3. Pride (Calhoun) 4:55
  4. Love Rears Its Ugly Head (Reid) 4:19
  5. New Jack Theme (Reid) 3:30
  6. Someone Like You (Skillings) 3:47
  7. Elvis Is Dead (ft. Little Richard)(Reid) 3:50
  8. Type (Reid) 6:26
  9. Information Overload (Reid) 6:11
  10. Under Cover of Darkness (ft. Queen Latifah) (Glover) 4:17
  11. Ology (Skillings) 1:07
  12. Fight the Fight (Calhoun, Glover, Reid, Skillings) 4:32
  13. Tag Team Partners (ft. Doug E. Fresh) (Glover) 0:48
  14. Solace of You (Glover, Reid) 3:38
  15. This Is the Life (Reid) 6:23

Rezensent: MP

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