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Albumbesprechung Paul McCartney - Kisses On The Bottom

Interpret: Paul McCartney

Titel: Kisses On The Bottom

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Jazz, Early Pop

 

Rezension/Review

Kisses on the Bottom ist ein Studioalbum von Paul McCartney. Das Album erschien im Februar 2012. Die Veröffentlichungstaktik von Paul McCartney ist etwas verwirrend, er veröffentlicht bekanntlich auch mal Alben unter Pseudonymen. Offiziell handelt es sich bei Kisses On The Bottom um sein 15. Studioalbum, wobei er unter anderen Namen noch ein paar Alben herausbrachte. Dieses Album war als Soloalbum lange erwartet, es ist sein erster Output seit dem 2007er Album Memory Almost Full.

Kisses on the Bottom war relativ erfolgreich, in Großbritannien reichte es für Rang 3 der Charts, in den USA für Rang 5 der Billboard 200. Einen Spitzenplatz erreichte das Album in den US-Jazz Charts. Damit wird schnell klar, dass man hier kein typisches McCartney Pop-/Rockalbum vorliegen hat. Es ist ein besonders Album, man möchte fast sagen, ein typisches Alterswerk. Das meine ich nicht abwertend. Viele erfolgreiche Künstler realisieren im Alter gerne das, was ihnen persönlich am Herzen liegt. Da werden dann oft Jugenderinnerungen verarbeitet und alte Musik ausgekramt. Was anderen ihr Soulbook, ist McCartney ein Album mit Interpretationen früher Pop-Songs. Wenn wir hier von Pop reden, dann ist Jazz-beeinflusste Musik aus den frühen 1900ern gemeint.

McCartney zu seinem Antrieb:

For years I've been wanting to do some of the old songs that my parents' generation used to sing at New Year…But we tried to work out a slightly different approach, and used a selection of songs that wouldn't be the obvious ones…that everyone tends to cover.

McCartney wählte er die Musiker sorgsam aus, im Prinzip muss er ja nur mit dem kleinen Finger winken und schon kommen die Musiker freiwillig. Im Fall von Kisses On The Bottom arbeitete er eng mit der Jazzpianistin Diane Krall zusammen und verpflichtete ein Who is Who der Szene u. a. mit Vinnie Colaiuta, die Brüder Pizzarelli bis hin zum London Symphony Orchestra. Dazu geben sich u. a. auch Stevie Wonder und Eric Clapton die Ehre. Produzent ist Tommy LiPuma, der in der Jazz-Szene einen vorzüglichen Ruf besitzt.

Die sorgsame Auswahl an Songs und Musikern zieht sich als Qualitätsfaden durch das Album. Die Musik ist schlicht und ergreifend perfekt eingespielt. Perfekt heißt aber nicht notwendigerweise mitreißend. Irgendwie fließen die Songs so vor sich hin, sie klingen wie Neuaufnahmen alter Songs, viel mehr eigentlich nicht. McCartney ist für mich auch nicht die perfekte Besetzung, um solche jazzigen Songs einzusingen. Der Mann kann einiges, aber hier stößt er m. E. immer wieder an seine Grenzen.

Zu erwähnen wäre noch, das McCartney zwei Songs zum Album beisteuert, My Valentine und Only Our Hearts. Auf ersterem spielt Eric Clapton Gitarre, auf letzterem trifft sich Macca mal wieder mit Stevie Wonder, der die Mundharmonika bläst. Beide Kompositionen passen gut in den Kontext, wobei My Valentine am ehesten an den sentimentalen Balladenschreiber früherer Jahre erinnert.

Fazit McCartney bietet ein typisches Spätwerk, wie es bekannte Künstler gerne einmal vorlegen. Er erfüllt sich mit dem Projekt wahrscheinlich einen Traum. Das hört sich jederzeit angenehm an, auch wenn mich McCartney stimmlich nicht komplett überzeugt. Zu einer Bewertung kann ich mich in dem Fall kaum durchringen. Ich kann konstatieren, dass handwerklich ein sehr gutes Album vorliegt. Aber diese Easy Listening Sache ist einfach nicht mein Ding. Im Prinzip klingt das alles wie eine aufpolierte Aufnahme der 1930er/1940er mit ihren klassischen Sounds und oft einlullenden Orchestersounds. Von Sir Paul gibt es prickelndere Alben. Aber wer es mag, dem sei gesagt: selbst auf dem Terrain kann McCartney mit jüngeren Kollegen locker mithalten.

Trackliste

  1. I'm Gonna Sit Right Down and Write Myself a Letter (Fred E. Ahlert, Joe Young) 2:36
  2. Home (When Shadows Fall) (Peter van Steeden, Jeff Clarkson, Harry Clarkson) 4:04
  3. It's Only a Paper Moon (Harold Arlen, E. Y. Harburg, Billy Rose) 2:35
  4. More I Cannot Wish You (Frank Loesser) 3:04
  5. The Glory of Love (Billy Hill) 3:46
  6. We Three (My Echo, My Shadow and Me) (Sammy Mysels, Dick Robertson, Nelson Cogane) 3:22
  7. Ac-Cent-Tchu-Ate the Positive (Arlen, Johnny Mercer) 2:32
  8. My Valentine (Paul McCartney) 3:14
  9. Always (Irving Berlin) 3:50
  10. My Very Good Friend the Milkman (Harold Spina, Johnny Burke) 3:04
  11. Bye Bye Blackbird (Ray Henderson, Mort Dixon) 4:26
  12. Get Yourself Another Fool (Haywood Henry, Monroe Tucker) 4:42
  13. The Inch Worm (Loesser) 3:43
  14. Only Our Hearts (McCartney) 4:21

Bonus tracks

  • Baby's Request (McCartney) 3:30
  • My One and Only Love (Guy Wood, Robert Mellin) 3:50

Live From Capitol Studios

  • I'm Gonna Sit Right Down and Write Myself a Letter (Fred E. Ahlert, Joe Young) 2:42
  • Home (When Shadows Fall) (Peter van Steeden, Jeff Clarkson, Harry Clarkson) 4:45
  • Ac-Cent-Tchu-Ate the Positive (Arlen, Johnny Mercer) 2:51
  • My Valentine (McCartney) 3:22

Rezensent: MP

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