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CD-Kritik Meat Loaf - Bat Out Of Hell

Interpret:Meat Loaf

Titel: Bat Out Of Hell

Erscheinungsjahr: 1977

Genre: AOR, Pop

Bewertung: Wertung: 5 von 10 Sternen

(5/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Bat Out Of Hell ist ein Album von Meat Loaf, welches im Jahr 1977 erschien. Das Album ist im Prinzip das zweite Soloalbum von Meat Loaf, das erste erschien schon 1971 als Zusammenarbeit mit der Künstlerin Stoney. Auch dieses Album kann man genau genommen kaum als ein reines Soloalbum bezeichnen, zumal die Musik praktisch komplett von Jim Steinman stammt. Das Album bedeutete den weltweiten Durchbruch für Meat Loaf, es verkaufte sich extrem gut und gehört mit mittlerweile über 40 Millionen vekaufter Exemplare zu den bestverkauften Alben überhaupt. Die Kritiken zum Album fielen aber insgesamt gemischt aus.

Meat Loaf heißt auf deutsch soviel wie "Fleischklops". Wenn ein Mann freiwillig diesen Spitznamen behält, dann hat er seine Gründe. Der Mann um den es geht, heißt Marvin/Michael Lee Aday. Seinen Spitznamen erhielt der Texaner in der Kindheit. Und augenscheinlich schien ihm der Name zu gefallen, denn er behielt ihn schließlich. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte er sicherlich mit seiner Rolle des Eddie in der Rocky Horror Picture Show. Dieses Filmmusical wurde Kult. So verwundert es irgendwie nicht, dass Meat Loaf und Jim Steinman mit der Arbeit an dem Album Bat Out Of Hell gleich ganz gut charten konnten. Ab 1978 entwickelten sich die Plattenverkäufe in unfassbare Dimensionen.

Was kann man von so einem Album erwarten? Im Prinzip muss es einen mit Wohlgefallen erfassen, wenn man dieses Werk hört. Denn die über 40 Millionen Käufer können nicht irren, oder? Es ist und bleibt, wie so oft, Geschmackssache. Konzipiert wurde das Ganze, nach meiner Ansicht, als Rock-Oper bis Rock-Musical. Stilistisch hatte das etwas von der Rocky Horror Picture Show. Allerdings konnte sich der damals recht gute Songwriter Steinman hier ziemlich auslassen. Steinman ist bekennender Wagner Fan, er vergötterte Phil Spector und nahm die Teenager-Ängste eines Bruce Springsteen auf. Einen Mix aus diesen Faktoren kann man hier hören. Nun klingt Bat Out Of Hell nicht wie Wagner, aber etwas wagnereskes hat es schon. Die Spector Wall Of Sounds sind auch vernehmbar, ebenso wie Springsteen Inhalte. Diese allerdings in trivialer Form. Alles ist ziemlich hochdramatisch durchkonzipiert. Und dann kommt da noch Meat Loaf mit seiner auf Heldentenor getrimmten Stimme. Das ist fast schon etwas viel. Steinman kam, nach Meinung von Insidern, immer mit großartigen Werken an und schrieb darum eine Musik, welche die Großartigkeit des Songs beweisen sollte.

Ich nehme Loaf und Steinman die meisten Titel kaum ab. Das wirkt ziemlich aufgesetzt, pseudodramatisch und manchmal auch sehr trivial. Bat Out Of Hell etwa stammt vom Steinman Musical Neverland. Der Inhalt in Kurzform: ein Mann fährt so schnell und ekstatisch, dass er eine Umleitung zu spät erkennt und es schließlich zu spät ist. Die Idee dahinter: Steinman wollte den größten Crash-Song aller Zeiten schreiben. Aus dem Fundus dieses Neverland Musicals stammen auch You Took the Words Right out of My Mouth (Hot Summer Night), Heaven Can Wait und All Revved Up with No Place to Go. You Took The Words und All Revved Up behandeln den Themenbereich Beziehungen, wobei All Revved Up die Entjungferung eines Mädchens thematisiert. Das wirkt fast schon krude. Beim Thema Beziehungen bleibt Steinman mit Two out of Three Ain't Bad, wobei der Song eine starke Prise Eagles-Sound atmet. Paradise by the Dashboard Light hält am Thema fest, es geht um die Liebe eines pubertierenden jungen Paares und deren erste sexuelle Erfahrungen. For Cryin Out Loud schließlich ist die Ode an eine Frau und ihren guten Einfluss auf den Sänger. Etwas grenzwertig sind hier aus meiner Sicht Formulierungen wie "And can't you see my faded Levi's bursting apart". Eigentlich wird geschildert, wie wichtig diese Frau für den Mann ist und wie positiv ihre Einfluss auf sein Leben wirkte. Um ihre sexuelle Ausstrahlung geht es im Prinzip nicht, dass ihm da sein Organ dermaßen anschwillt, wirkt unpassend und fast schon belustigend.

Musikalisch schöpft Steinman aus dem Vollen. Da hört man Anklänge an den Rock'n'Roll und moderne harte Rocksounds. Wie eingangs erwähnt, orientiert sich Steinman am Phil Spector Wall Of Sounds. Inhaltlich geht es primär um klassische Geschichten Jugendlicher, wie sie auch Springsteen gerne thematisierte. Allerdings wirkt das auf Bat Out Of Hell oft sehr trivial und unfreiwillig komisch. In der Summe würde ich Bat Out Of Hell als ein klassisches Mainstream-Produkt bezeichnen, musikalisch passt es in den AOR. Der Titelsong ist stellenweise hard-rockig, aber letztlich ein typischer Konzeptalbum-Titel mit AOR Einschlag. Ebenfalls im Bereich AOR anzusiedeln ist der Song You Took The Words Right Out Of My Mouth. Heaven Can Wait ist eine ganz gute Piano Ballade mit annehmbaren Streicherparts. All Revved Up ist eine ordentliche Rocknummer. Paradise By The Dashboard Light ist eine ganz gute Rockabilly Nummer mit einer guten Sängerin (Ellen Foley). Der Abschlusstitel For Crying Out Loud ist anfangs eine eher schwülstige Piano Ballade, die zum Schluss an Härte zulegt, aber etwas unentschlossen dahindümpelt.

Fazit Bei dem Riesenerfolg müsste man das Album eigentlich nur mit Höchstbewertungen belegen. Aber das ist (mir) fast unmöglich. Die Musiker performen zwar gut und der Sound ist ordentlich. Aber die Songs sind nicht gerade der Hammer. Während Heaven Can Wait, All Revved Up und Paradies bei The Dashboard Light noch ganz gut gelungen sind, wirkt der Rest des Materials auf mich aber nicht nachhaltig. Dazu kommt leider noch der Gesang von Meat Loaf - entweder man mag ihn, oder man mag ihn nicht. In der Rocky Horror Picture Show war der Mann nicht schlecht, aber schon auf dem Ted Nugent Album Free For All hat mir sein Gesang nicht gefallen und hier wird es nicht besser. Bat Out Of Hell wirkt letzten Endes wie ein Rock-Musical. Das klingt alles extrem durchdacht, sehr aufgesetzt und wenig glaubhaft. Die textliche Rezeptur finde ich misslungen und musikalisch kann das Album nicht überzeugen.

Trackliste

  1. Bat Out of Hell 9:48
  2. You Took the Words Right out of My Mouth (Hot Summer Night) (Intro Jim Steinman und Marcia McClain) 5:04
  3. Heaven Can Wait 4:38
  4. All Revved Up with No Place to Go 4:19
  5. Two out of Three Ain't Bad 5:23
  6. Paradise by the Dashboard Light (mit Ellen Foley) 8:28
  7. For Crying Out Loud 8:45

Rezensent: MP

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