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Albumbesprechung Megadeth - Peace Sells… But Who's Buying?

Interpret: Megadeth

Titel: Peace Sells… But Who's Buying?

Erscheinungsjahr: 1986

Genre: Thrash-Metal, Heavy-Metal

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Peace Sells… But Who's Buying? ist das zweite Studioalbum der US Heavy-Metalband Megadeth. Das Album erschien im Jahr 1986 und ebnete Megadeth den Weg zu einer Heavy-Metal Institution. Heute wird dieses Album von vielen Fans als das beste aller Megadeth Alben bezeichnet. In vielen Heavy Listings findet sich das Album weit oben. Man könnte hier von einem Meilenstein sprechen, für den Bereich Thrash-Metal ist es in jedem Fall ein essenzielles Album.

Dabei war das Album 1986 nicht so richtig erfolgreich, Platz 76 in den Billboardcharts war die beste Platzierung. Allerdings entwickelte sich das Album über die Jahre zum Bestseller. 1992 gab es Platin für Peace Sells…But Who's Buying?

Für die Band um Meister Mustaine bedeutete das Album in jedem Fall einen Umbruch, denn nach den Aufnahmen wurden Drummer Gar Samuelson und Gitarrist Chris Poland ersetzt.

Peace Sells ist sicherlich ein einzigartiges Album. Es hat wenig der kommerziellen Komponente von Rust In Peace oder Countdown To Extinction. Es besitzt viel von der punkbeeinflussten Heavy Metal Spielweise, welche man im Thrashmetal häufig fand. Trotzdem ist das Album letztlich auch klassischer Heavy Metal.

Inhaltlich gibt sich Mustaine politisch und allgemein sehr kritisch. Überall vernimmt man anklagende Worte. Das Cover ist eine reine Anklage gegen den Kalten Krieg, Bandmaskottchen Vic Rattlehead stellt die UN sinnbildlich zum Verkauf.

Mustaine in den Liner Notes zur 2011 Reissue:

Ich habe inzwischen viele Texte geschrieben. Aber bei Peace Sells war etwas anders, weil ich die Geschichte meines Glaubens erzählte, meine Gedanken, mein Misstrauen gegenüber der Regierung, meine Arbeitsethik, meine Integrität. Das war einfach nur Mein Song.

Ebenfalls in den Liner Notes der 2011er Reissue meint Metallica Drummer Lars Ulrich:

Egal, ob man die Scheibe 1986 das erste Mal gehört hat oder sie heute das erste mal hört - Peace Sells ist ein großartiges Heavy Album.

Das deckt sich auch mit den meisten Kritiken zu dem Album. Diese fielen im Schnitt sehr gut bis hervorragend aus.

Die Songs

"Wake up Dead" ist ein inhaltlich relativ harmloser Song. Es geht um einen Mann, der nach einem Seitensprung nach Hause schleicht und genau weiß, dass seine Frau ihn tötet, wenn sie vom Seitensprung erfährt. Musikalisch rumpelt der Song schön vor sich hin. Drums und Bass bestimmen das Intro, welches in klassische Heavy-Gitarrenriffs mündet. Ein Break führt in ein komplett neues Riff mit einem schönen Solo. Der Song endet im frenetischen Wake up Dead Geschrei. "The Conjuring" ist inhaltsschwerer. Es beschreibt eine Art satanisches Ritual. Mustaine war hier nach eigenen Angaben stark durch den Konsum der Satanischen Bibel beeinflusst. The Conjuring wirkt im Intro dunkel, aber auch etwas kraftlos. Allerdings legt der Song zu und verwöhnt den Hörer mit jeder Menge Riffs, Soli und etlichen Tempowechseln und heftigen Gallups. "Peace Sells" ist eine persönliche Abrechnung Mustaines mit der Politik bzw. mit dem System, welche gerade Musiker und Fans immer wieder mit vorgefassten Meinungen abqualifizierten. Musikalisch handelt es sich um einen minimalistischen Song in klassischer Heavy-Ausrichtung. Der Song konnte sich schnell zu einer Hymne der Hörer entwickeln. "Devil's Island" beschreibt die Gedanken eines Gefangenen auf der Gefängnisinsel Devil's Island in Französisch Guyana, der kurz vor seiner Hinrichtung steht. Ob sich Mustaine nur von der Gefängnisinsel an sich oder vom Horrorklassiker Devil's Island hat inspirieren lassen, ist nicht ganz klar. Devil's Island geht klassisch thrashig voran, auch hier gibt es riffmäßig heftig auf die Ohren. "Good Mourning/Black Friday" ist ein Doppeltitel. Dabei ist Black Friday, nach einer Aussage von Mustaine, dem ehemaligen Drummer der Band gewidmet. Er verschwieg der Band seine wahre Herkunft, was für Mustaine einen eklatanten Vertrauensbruch darstellte. Good Mourning/Black Friday gehört zu den stärksten Tracks des Albums. Im ersten Part überzeugt die Band mit schwermütigen, ruhigen Parts. Nach ca. 2:30 geht die Post ab und die Band legt permanent zu. Sicherlich einer der härtesten Tracks, den Mustaine je geschrieben hat.

"Bad Omen" behandelt das Thema Teufelsanbetung. Dabei wurde gerade im Fall von Mustaine/Megadeth oft übersehen, dass Mustaine sehr kritisch mit solchen Themen umging und somit keine Ode an die Teufelsanbetung schreibt. Bad Omen klingt inhaltlich und musikalisch dunkel und geheimnisvoll, anfangs wirkt der Song sogar progressiv. Die Band legt aber nach 1:30 enorm zu und präsentiert einen thrashigen Song mit verzwickten Rhythmen. "I Ain't Superstitious" ist eine Überraschung. Es handelt sich um einen Bluesklassiker von Willie Dixon, der zuvor schon von unzähligen Musikern gecovert wurde. Die Version von Megadeth ist eine davon, und sicherlich nicht die schlechteste - aber leider auch bei weitem nicht die beste. Letztlich stellt sich die Frage, warum Mustaine den Song hier unbedingt durch die Heavy-Mühle treten muss. Allerdings entschädigt die Band mit dem Abschlusstrack. "My Last Words" behandelt konkret und anschaulich das Russische Roulette, vor allem die Ängste, welche man als Beteiligter wohl haben kann. Kein besonders schönes Thema, aber musikalisch legt zum Schluss ein Pfund vor. Das cleane Intro mit der dunklen Note wird schnell von einem Uptempo Part übernommen. Grundsätzlich liegt die Band eher im Speed Metal, als im Thrash. Der Song funktioniert so gut, dass es kein Thrash sein muss. Außerdem legt die Band tempomäßig ab ca. 3:24 so brachial zu, dass einem die Spucke weg bleibt.

Fazit Die Hauptlast auf dem Album liegt auf den Gitarrenparts von Mustaine und Poland. Die beiden hauen dem Fan praktisch mit jedem Song eine brachiale Gitarrenpower um die Ohren. Etwas grenzwertig ist der Gesang von Mustaine. Auf der Originalpressung klang das nicht gut, die Gesangsparts wurden aber mit den Remasters deutlich aufpoliert. Dennoch kultivierte Mustaine seinen Gesang erst auf späteren Alben und klang diesbezüglich auf Rust In Peace oder Countdown To Extinction besser. Peace Sells…But Who's Buying? gehört dennoch zu den stärksten und vor allem wichtigsten Alben von Megadeth. Ob es nun das stärkste Album der Band ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich schätze Rust In Peace, So Far So Good So What oder auch Countdown To Extinction (was bei klassischen Megadeth Fans sicherlich zu heftigen Krampfanfällen führen könnte) gleichwertig und stellenweise etwas höher ein. Aber Peace Sells bleibt ein gewaltiger Meilenstein der Bandgeschichte und der modernen Rockmusik. Im Sinn Mustaines bleibt hier nicht viel mehr zu sagen als: Amen.

Trackliste

  1. Wake Up Dead 3:37
  2. The Conjuring 5:02
  3. Peace Sells 4:02
  4. Devil's Island 5:05
  5. Good Mourning/Black Friday 6:39
  6. Bad Omen 4:03
  7. I Ain't Superstitious Willie Dixon 2:45
  8. My Last Words 4:55

Bonus Tracks 2004 Issue

  • Wake Up Dead (Randy Burns mix) 3:40
  • The Conjuring (Randy Burns mix) 5:02
  • Peace Sells (Randy Burns mix) 4:00
  • Good Mourning/Black Friday (Randy Burns mix) 6:40

alle Songs Mustaine, sofern nicht anders vermerkt

25th Anniversary 2-CD reissue

  • Disc 1: Original album
  • Disc 2: Live At The Fantasy Theatre Cleveland 1987, Previously unreleased

25th Anniversary box set

  • Disc 1: Original album
  • Disc 2: Dave Mustaine Mixes and Masters for 2004 Album Reissue
  • Disc 3: Randy Burns Mixes
  • Disc 4: Live At The Fantasy Theatre Cleveland 1987, Previously unreleased

Rezensent: MP