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Albumbesprechung Monte Filet - idyll

Interpret: Monte Filet

Titel: idyll

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Indie-Folk, Indie-Rock, Kammerpop

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Idyll ist ein Album der Band Monte Filet. Das Album wurde am 28.04.2012 veröffentlicht.

Monte Filet ist eine Band aus Leipzig, die 2008 ihr erstes Album vorstellte. Die Band tourte danach ausgiebig und verstärkte sich u. a. mit der Cellistin Juliane Rotter, dem Geigenspieler Hansi Noack und der Schauspielerin/Sängerin Elena Lorenzon. Ansonsten bestehen Monte Filet aus Ralf Leonhardt - Bass, Mario Noll - Gesang, Gitarre, Orgel, Marco Runge - Gitarre, Gesang und Orgel sowie Mike Schneider/Mika Snider - Drums und Percussion.

Wenn ich es richtig verstanden habe, sind einige der Musiker als Schauspieler tätig. Dementsprechend sind die Auftritte der Band nicht nur etwas fürs Ohr, sondern auch fürs Auge. In dem Zusammenhang habe ich von Monte Filet als Folk-Theater Truppe gelesen.

Gemäß Verlagsinfos ist Idyll

…ein opulentes Werk aus Liedern über lustige Todesursachen und verdrehte Sexgeschichten. Mal als Orchester Pop, mal als spröder Folksong, mal als krachiger Rocksong und mal als fein gesponnenes bitterböses Drama, inszeniert sich die Band in einer, sich immer weiter in den Kopf bohrende Geschichte, verpackt in ein dichtes, warmes, analoges Soundgewand…

Das Ergebnis ist in jedem Fall ungewöhnlich. Die Band spielt ein eigenwilliges Album mit einer Folknote ein und dennoch ist es letztlich auch ein Rockalbum. Irgendwie entzieht sich das Ergebnis einer genauen Typisierung

Gesungen wird in Englisch oder Deutsch, grundsätzlich will die Band die Dualität von Idyll und Trügerischem Idyll herausarbeiten. Auf englischen Songs wie "To Get Together" und "Budda Ragga" wird das, auch durch den verfremdeten Gesang, inhaltlich nicht auf Anhieb klar. Aber musikalisch überzeugen beide Songs. Vor allem Budda Ragga spielt in interessanter Weise mit psychedelischen Orgelsounds, das Gitarrenriff erinnert mich entfernt an Adrian Belew.

"Sehnsucht" schleicht sich danach wunderbar ins Ohr. Mit den Flageoletts der E-Gitarre fühlt man sich manchmal an Buffalo Springfield/For What It's Worth erinnert, dazu gibt es interessante Mellotronähnliche Sounds/Streichersounds. "Was tut Sie Blues" ist eine Bandinterpretation des Blues, die einfach klasse klingt. Vor allem die Verquickung mit Sequenzen Richtung Frippertronics klingt fantastisch gut. "Masters and Slaves" hält den Kurs mit Prog-/Psychedelic Elementen. Die Nylongitarrenarpeggien bauen eine schöne Lucidity-Stimmung auf, im Mix mit modernen Indie-Rocksounds klingt das wiederum sehr interessant.

"Storyteller" spielt mit dramatischen Caveschen Where the Wild Roses Grow Elementen. Ganz anders der fröhliche und fast schon beschwingte Folk-Popsong "Wenn da Zeiten sind" mit seinen fetten Basslines. "Fischmädchen" klingt wieder anders - elektrisch, härter und verzerrt mit einer Tendenz zum modernen Indie-Rock. Dafür gibt es anschließend das Kontrastprogramm - "Wrong Spin" ist eine Art Americana mit Fidel, Akustikgitarre und Banjo. Ruhig und romantisch lässt es die Band mit "Viva la Musica" ausklingen.

Als Bonussongs gibt es zwei härtere Songs. "Sterne" rumpelt Indiemäßig mit verzerrter Gitarre und verzerrtem Bass daher. "Katarinas Revolution" nimmt den Faden auf, tendiert aber eher Richtung Garagen-Rock bis Punk. Das Bonustrio wird zuckersüß mit "Gruß Und Kuß" garniert, einer Art Kammerpop mit Akustikgitarre, Piano und Streichersounds.

Fazit Ein Band mit Musikern, die teilweise auch noch Schauspieler sind. Was kann da rauskommen? Großes Kino - zumindest im Fall von Monte Filet. Monte Filet gehören in der Form, für meinen Geschmack, zu den Filetstücken der aktuellen deutschen Szene. Die Band verschließt sich einer klaren Kategorisierung, musiziert zwischen Kammerpop, Indie-Folk, Indie-Rock sowie Prog- und Psychedelicsounds. Das klingt zuckersüß/bittersüß, eingängig/ verschroben. Als Hörer wird man im Wechselbad zwischen Idyll und Ödland hin- und hergeworfen. In der Kombination und Güte erhält man das nicht oft.

 

Trackliste

  1. To Get Together
  2. Budda Ragga
  3. Sehnsucht
  4. Was tut Sie Blues
  5. Masters and Slaves
  6. Storyteller
  7. Wenn da Zeiten sind
  8. Fischmädchen
  9. Wrong Spin Out
  10. Viva la Musica

Bonus

  1. Sterne lügen
  2. Katarinas Revolution
  3. Gruß und Kuß

Rezensent: MP