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CD-Kritik Julia Neigel - Neigelneu

Interpret: Julia Neigel

Titel: Neigelneu

Erscheinungsjahr: 2011

Genre: Pop, Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Neigelneu ist ein Album der deutschen Musikerin Julia Neigel. Das Album erschien im Jahr 2011. Es ist, wenn ich es richtig sehe, das erste Solo Studioalbum von Julia Neigel seit dem Auseinanderbrechen der Jule Neigel Band. Im Hintergrund spielte sich anscheinend einiges ab, 2005 konnte Julia Neigel endlich die Probleme wegen Urheberrechtsstreitigkeiten, zumindest gerichtlich, abhaken.

Dennoch hörte man danach nicht ganz so viel von Neigel. Nun präsentiert sie sich sozusagen Neigelneu. Musikalisch erinnert sie nur noch bedingt an die ersten Alben als Jule Neigel bzw. Jule Neigel Band. Geblieben ist ihre markante Stimme mit dem hohen Wiederkennungswert.

Musikalisch an ihrer Seite hat Julia Neigel auf diesem Album Jörg Dudys (Gitarren), Simon Nicholls (Keyboards), Raoul Walton (Bass), Mario Garruccio (Drums Titel 5,7,10,12), Ralf Gustke (Drums Titel 1-4,6,11), Simon Phillips (Drums auf 8,9 in den USA eingespielt), Florian Sitzmann (Keyboards auf Titel 12) und Stephan Ullmann (Gitarre auf Titel 8).

Julia Neigel hat die meisten Songs selbst geschrieben bzw. war Co-Autorin auf den Tracks 1, 5, 7, 8, 12. Sie legt damit auch ein sehr persönliches Album vor, sicherlich ist es ein Stück Aufarbeitung der vergangenen Jahre.

So könnte man den Song "Teufel" als eine direkte Aufarbeitung der gerichtlichen Auseinandersetzungen mit der alten Band betrachten. Der Song wirkt mit dem Piano-Harfe Intro und den balladesken Parts in Kombination mit den kurzen hart gespielten Parts äußerst interessant. Vor allem in diesen harten Parts scheint Neigel ein Stück Frust herauszuschleudern. Eröffnet wird das Album vom angenehmen PopRocksong "Wir Sind Frei". Mit der groovigen und souligen Strophe und dem eingängigen Refrain erinnert der Song an die Edo Zanki Schule. Weniger Soul, dafür eingängiger und rockiger wirkt der nächste Song "Wärst Du bei mir".

"Ich fühl's nicht mehr" besitzt einen guten dynamischen Aufbau. Nach dem balladesken Anfang legt der Song permanent zu und entwickelt im Refrain einen schönen Pop-Rocksong. "Freund" klingt mit den synthetischen Grooves modern, gesanglich erinnert mich Julia anfangs etwas an Skin. Das klingt äußerst interessant. "Wollen wir wetten" kokettiert mit griffigem Gitarrenrock und einer Art Raprock. "Drei Wünsche frei" ist eine getragene Pianoballade mit symphonischer Untermalung. Den Song schrieb Julia für ihre Mutter. Das ist ein tolles Geschenk, das muss man sagen.

"Es kommt zurück" besitzt einen packenden Groove, das Akustikgitarrenintro wirkt sehr stimmig. "Wohin" wird durch einen harten Groove eröffnet, auch hier erinnert die Band etwas an harten Raprock, zumal man hier auch mit Vocaleffekten arbeitet. Aus meiner Sicht erinnert Neigel an Selig. "Wer wagt gewinnt" ist ein netter Song mit kinderliedähnlichem Beginn. Das wirkt einerseits sehr eingängig, allerdings wirkt der Refrain etwas angestaubt. Mit den Songs "Der perfekte Tag" und "Froh, dass es dich gibt" legt Julia Neigel noch einmal zwei ruhigere Songs vor, wobei vor allem die Pianoballade "Froh" überzeugen kann. Der groovige Song "Der Perfekte Tag" verströmt ein eher lockeres und unverbindliches Flair - darf er aber auch, immerhin entstand der Song während eines Seychellenurlaubs.

Fazit Julia Neigel ist zurück, anders kann man es nicht ausdrücken. Und sie überzeugt mit ihrem Album Neigelneu. Neigel verzichtet nicht auf Reminiszenzen an alte Sounds, dennoch zeigt sich Neigel tatsächlich so etwas wie Neigelneu. Selbst Gesangstechnisch zeigt sich Julia Neigel, aus meiner Sicht, noch etwas wandlungsfähiger als früher. Technisch stimmt auf Neigelneu ansonsten sowieso alles - Produktion und Qualität der Musiker sind tadellos, hier kommt die Zusammenarbeit mit Edo Zanki durch. Die Songs sind allesamt gut komponiert. Was vielleicht etwas fehlt, ist eines jener Highlights, welches Neigel auch in den Singlecharts nach oben spülen könnte. Aber das schmälert den guten Gesamteindruck kaum.

Trackliste

  1. Wir sind frei
  2. Wärst du bei mir
  3. Ich fühl's nicht mehr
  4. Freund
  5. Wollen wir wetten
  6. Teufel
  7. Drei Wünsche frei
  8. Es kommt zurück
  9. Wohin
  10. Wer wagt gewinnt
  11. Der perfekte Tag
  12. Froh, dass es dich gibt

Rezensent: MP