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Albumbesprechung Sinéad O'Connor - I Do Not Want What I Haven't Got

Interpret: Sinéad O'Connor

Titel: I Do Not Want What I Haven't Got

Erscheinungsjahr: 1990

Genre: Rock, Pop, Folk

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

I Do Not Want What I Haven't Got ist der Titel des zweiten Albums von Sinéad O'Connor. Veröffentlicht wurde das Album im Jahr 1990.

I Do Not Want dürfte in jedem Fall das bestverkaufte Album O'Connors gewesen sein, es ist im Grund auch das Album, mit dem O'Connor in der Regel als Künstlerin in Verbindung gebracht wird. In Großbritannien und in den USA gab es jeweils 2-fach Platin, in Kanada 5-fach Platin. In diesen Ländern ging das Album auf Rang 1 der Albumcharts, daneben u. a. in der Schweiz und Australien. Für das Album gab es etliche Grammy Nomininierungen, den Preis gab es dann 1991 als Best Alternative Music Performance. O'Connor verweigerte die Annahme jedoch.

Soweit zu den Zahlen. Das Album selbst lief blendend und kam sowohl bei Kritikern als auch Musikfans sehr gut an. Vor allem die Singleauskopplung Nothing Compares 2 U (geschrieben von Prince) war ein gigantischer Erfolg und der Garant für die guten Albumverkäufe. Es zeigt sich im Prinzip auch darin, dass sich schon die zweite Single Emperor's New Clothes nicht mehr besonders gut platzieren konnte.

Wie gesagt, wurde das Album vor allem getragen durch die geniale Interpretation des Prince Titels. Musikalisch lobte man daneben vor allem die immer wieder zu hörenden Mixturen aus (irischem) Folk und zeitgenössischer Popmusik. Der Erfolg an sich dürfte aber darüber hinaus der Person O'Connor selbst geschuldet sein. Die ließ hier auch tief in ihr Seelenleben blicken.

Die Songs

  • Feel So Different ist so ein Beispiel. Die getragene und etwas opulente Ballade beginnt mit The Serenity Prayer von Reinhold Niebuhr. Wenn ich es richtig interpretiere, geht es um die für ein gutes Leben notwendige Gelassenheit, die sich O'Connor herbeiwünscht. Es bleibt dabei offen, an wen sie die Frage danach richtet. Geht es um die Gelassenheit im Leben an sich oder um die Gelassenheit im Rahmen einer Liebesbeziehung oder gar beides.
  • I Am Stretched On your Grave ist ein Beispiel für die perfekte Kreuzung aus irischer Musik und zeitgenössischer Popmusik. Der Song an sich ist eine Adaption eines alten irischen Gedichts, basierend auf der Übersetzung von Frank O'Connor und der Musik von Philip King. Interessant die kurzen Samples von James Brown, die gut zum keltischen Background passen.
  • Three Babies ist ein weiterer sehr persönlicher Song. O'Connor schreibt in der Ballade über ihre Fehlgeburten und die Schwierigkeit, von den Babies Abschied zu nehmen. Es wird für mich nicht ganz klar, ob sie diese Verluste auch wirklich verarbeitet hat.
  • The Emperor's New Clothes wirkt musikalisch geradezu leichtgewichtig, ein angenehmer und eingängiger Popsong. Inhaltlich ist es ein Schwergewicht, eine Art Abrechnung mit dem konservativen Umfeld in Irland und zugleich einer in die Brüche gegangenen Beziehung.
  • Black Boys On Mopeds könnte man als einen politischen Song betrachten, dazu passt auch der musikalische Rahmen im Stil eines akustischen Protestsongs. Ob sich der Song konkret auf den tödlichen Unfall des von der Polizei verfolgten Colin Roach bezieht, ist nicht ganz klar. Klar ist jedoch, dass es um Rassismus und zugleich um Kritik an der damals ungeliebten Regierung Thatcher geht.
  • Nothing Compares 2 U ist der Leuchtturmsong des Albums, daran gibt es kaum Zweifel. Der Prince Song in der Version O'Connors gehört zu den Evergreens der Popmusik. O'Connor kam nach eigenen Aussagen im Nachhinein weniger gut damit zurecht, auch ihr Verhältnis zu Prince soll nicht gerade gut gewesen sein.
  • Jump In The River wird von einem monotonen Beat und vergleichsweise hart riffenden Gitarren getragen. "Wenn Du sagst Spring in den Fluss würde ich es tun weil es vielleicht eine gute Idee wäre." Schwer zu sagen, ob sie hier den Suizid als Lösung in Betracht ziehen würde oder ob es eher eine Metapher für ihre Rolle in einer Beziehung ist.
  • You Cause As Much Sorrow behandelt ihre Rolle als Opfer von Gewalt. Man kann auch hier kaum sagen, ob O'Connor wirklich soweit gewachsen war, das sie das Thema verarbeitet hatte. Ihre Stimme klingt verwundbar, sie stellt klar, dass sie niemals sagte sie wäre stark, das war irgendjemand anderes.
  • The Last Day of Our Acquaintance ist ein reiner Beziehungssong. Eine Beziehung, die zwei jahre andauerte. Sie weiß, dass er sie nicht mehr liebt. Sie weiß jedoch nicht, was mit der Liebe von einst passierte. Ein schöner Popsong mit Harmonien, die mich teilweise an The First Cut Is The Deepest erinnern.
  • I Do Not Want ist das vermeintlich versöhnliche Ende. Alles vorher Besungene scheint vergesssen. Es ist ihr A-Capella Bekenntnis zum Leben, die Erkenntnis, dass sie im Grund alles hat was sie braucht und dass sie nichts begehrt, was ihr fehlt.

Fazit So ein Album wie I Do Not Want kann bekanntlich Fluch und Segen zugleich sein. Im Grund ist es das Album, mit dem man die Künstlerin O'Connor am ehesten in Verbindung bringt. Eigentlich ist es vor allem der Singleerfolg von Nothing Compares 2 U. Da hilft es eigentlich wenig, wenn man ansonsten die Mixtur aus Folk und zeitgenössischem Pop sowie die Interpretin als solche lobt. Letzten Endes klebt vor allem Nothing Compares 2 U wie ein Etikett an O'Connor. Schade, denn das Album an sich hat viel zu bieten. Ein Meilenstein der Rockmusik ist es in jedem Fall und das wird es auch bleiben.

Trackliste

  1. Feel So Different 6:47
  2. I Am Stretched on Your Grave (Anonymous, Philip King) 5:33
  3. Three Babies 4:47
  4. The Emperor's New Clothes 5:16
  5. Black Boys on Mopeds 3:53
  6. Nothing Compares 2 U (Prince) 5:10
  7. Jump in the River (O'Connor, Marco Pirroni) 4:12
  8. You Cause as Much Sorrow 5:04
  9. The Last Day of Our Acquaintance 4:40
  10. I Do Not Want What I Haven't Got 5:47

Alle Songs, sofern nicht anders vermerkt, von Sinéad O'Connor

Rezensent: MP

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