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CD-Kritik Osssy - Serum

Interpret: Osssy

Titel: Serum

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Rock, AOR

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Serum ist ein Album von Osssy, das Album soll am 24. Februar 2012 über MIG offiziell erscheinen. Osssy - dahinter steckt Oswald Pfeiffer. Die drei S im Nickname kann man, so Pfeiffer, auf einen Schreibfehler auf einer Visitenkarte zurückführen.

Mit Anca Graterol machte sich Osssy als Musiker und Produzent im Frida Park Studio einen guten Namen. Er arbeitete u. a. zusammen mit Künstlern wie Laith Al Deen, Fury In The Slaughterhouse, Paul Young, Gunter Gabriel, Accept, TOTO, U.F.O. Man munkelt auch, dass er auf so manchem Produkt die wichtigen Instrumentalbeiträge beisteuerte. Nun legt er also mit Serum sein Soloalbum vor. Serum ist, so Pfeiffer:

die Essenz meines bisherigen Schaffens. Es ist mein persönliches Pharmazeutikum! Nach fast 20 Jahren war es einfach an der Zeit, ein eigenes Statement zu setzen. Dieses Album… das bin ich, zu 100 Prozent.

Pfeiffer ist ein Paradebeispiel eines Kosmopoliten. Er ist als Sohn einer Ägypterin und eines Deutschen in Beirut geboren, lebte u. a. in Ägypten, Libanon, Malta, den Philippinen und im Irak. Bereits mit 13 Jahren stand er als Musiker auf der Bühne bzw. spielte in Hotels und Bars. 1985 kam er nach Deutschland und legte sich das nötige Equipment zu, das ein Multiinstrumentalist so braucht: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards. Nach Ansicht vieler Insider spielt Osssy diese Instrumente ziemlich perfekt. Im Prinzip müsste sich der Mann also keine anderen Musiker zu Aufnahmen holen, aber für Serum fand sich eine Schar bekannter Musiker im Studio ein, u. a.

  • Anca Graterol (Rosy Vista, Catena)
  • Steve Mann (Lionheart, The Sweet, MSG)
  • Kai Reuter (Nina Hagen, Jutta Weinhold, Vitesse)
  • JJ Marsh (Glenn Hughes)
  • Simon Phillips (The Who, TOTO)
  • Patrick Manzecchi (Richie Beirach, Scott Hamilton, Arthur Blythe)
  • Lars Lehmann (Roachford, Sydney Youngblood, Konstantin Wecker, Uli Jon Roth)
  • Martin Huch (HR Kunze)
  • Gero Drnek (Fury In The Slaughterhouse)

Das Songmaterial auf Serum stammt von Osssy. Er liefert einen bunten Strauß an Songs, welche sich stilistisch auf einen längeren Zeitraum der klassischen Rockmusik beziehen. Dabei legt Osssy mit "Hungry Souls" gleich mal alles in die berühmte Waagschale - etwas viel für meinen Geschmack, das wirkt fast etwas überproduziert. "All I Can Do" legt Ballast ab und spielt in angenehm balladesker Form mit Beatles Klischees. Ganz anders "Riding On The Gun", der Song tendiert zum Southern-Rock, mit schönen Anleihen an den Country-Rock. Im Mix klingt das swampig.

Osssy bietet im weiteren Verlauf guten Power-Rock ("I Know"), Souliges ("Brown Eyes"), ZZ Top Shuffliges ("6 and 6 ain't 23"), amtlichen Heavy-Metal ("Situation"), sphärischen Rock ("Starring At The Mirror") und zum Abschluss mit "Too Much Fu"n einen shuffligen Blues.

Dazwischen wird vor allem klassischer Mainstream Rock geboten, der sich m. E. stark am AOR der Endsiebziger bzw. der Achtziger orientiert. Da hört man viele Einflüsse des Genres, vor allem Jim Steinman scheint einen gewissen Eindruck auf Osssy gemacht zu haben.

Fazit Osssy umschreibt das Album selbst am besten - als "Essenz seines bisherigen Schaffens". Das merkt man in jeder Phase. Osssy ist ein hervorragender Musiker und Produzent und ein profunder Musikkenner. Großartige Schwächen kann man beim besten Willen nicht ausmachen, derart hochwertiges Songwriting ist auch nicht gerade der Standard für Produkte aus Deutschland. Die musikalischen Beiträge sind sehr gut, Osssy ist ein beachtlich guter Shouter. Die Songs sind ihm allesamt gut gelungen, er spielt mit unterschiedlichsten Stilistiken, die ihn in seiner Schaffensphase scheinbar irgendwie berührten. Über das gesamte Album gesehen haut Osssy relativ stark in die AOR-Kerbe der 1980er. Osssy spielt dabei mit seinen persönlichen Vorlieben, was gut und richtig ist. Ich mag es manchmal etwas komplexer und gerade da wirft mir Osssy immer wieder ein paar Brocken (oder sollte ich sagen Proggen) hin. Das macht Appetit auf mehr. Ich denke, dass Osssy auch ein gutes Prog-Album machen könnte. Da läuft das Wasser im Mund zusammen, vielleicht kommt so etwas noch. Bis dahin dürfen sich Classic Rock Freunde das Serum von Osssy mit Freude injizieren.

 

Trackliste

  1. Hungry Souls (5:38)
  2. All I Can Do (5:10)
  3. Riding On The Gun (4:50)
  4. Everytime (4:33)
  5. Certain Things (4:03)
  6. Out Of Control (4:25)
  7. I Know (5:45)
  8. Living Without You (3:53)
  9. Rendezvous With The Emptiness (5:01)
  10. Brown Eyes (4:12)
  11. I'll Get Over You (3:23)
  12. 6 and 6 ain't 23 (4:05)
  13. Situation (4:24)
  14. Starring At The Mirror (4:35)
  15. Too Much Fun (2:37)

Rezensent: MP.