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Albumbesprechung Pink Floyd - Animals

Interpret: Pink Floyd

Titel: Animals

Erscheinungsjahr: 1977

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 10 von 10 Sternen

(10/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Das Album Animals von Pink Floyd erschien im Jahr 1977, nach den recht erfolgreichen Alben Dark Side Of The Moon und Wish You Were Here. Es handelt sich eigentlich um ein Konzeptalbum, da sich Roger Waters durchgängig mit einem Thema befasst. Er beschreibt den Kapitalismus, dessen Hauptakteure und die Folgen des Kapitalismus. Das ganze verpackte er in Tiergeschichten (Dogs sind Geschäftsleute, Schafe die Normalos und Schweine die ruchlosen Führer). Ähnlichkeiten zu George Orwell's Animal Farm sind wohl beabsichtigt.

Animals war relativ erfolgreich. Es kam im UK auf Platz 2, in den USA auf Platz 3. Das war, mitten im Punkboom und der allgemeinen Progmüdigkeit, eine beachtliche Leistung. Animals wurde aber sehr unterschiedlich beurteilt. Die Fans waren und sind sich nicht ganz einig, ebenso die Kritiker. Im Prinzip ist es ein polarisierendes Album, zu dem es vor allem zwei Meinungen gibt: schlecht oder brillant.

Das Album wird ummantelt von zwei Akustiksongs, Pigs on the Wing, Pt. 1 und Pt. 2. Diese bilden den Rahmen des Werkes, wobei die akustischen Songs in scheinbar scharfem Kontrast zu den restlichen, harten und menschenfeindlichen Songs stehen. Musikalisch wurden Gilmour und Wright zwar kaum in den Credits erwähnt, allerdings war ihr Einfluss auf diesem Album doch beachtlich. Zumindest musikalisch wirken beide sehr präsent. Aber auch Waters und Mason zeigten sich gut aufgelegt, Nick Mason trommelte selten besser.

Wright und Gilmour gingen in späteren Statements auf Distanz zum Album. Gilmour hielt es aber immerhin für "ein gutes Album mit guten Parts - aber bei weitem nicht für das beste Werk der Band". Wright fühlte sich lediglich als "Mitspieler". Seine Parts seien zwar "gut gewesen, aber mit dem Album hätte dieser Ego-Trip in der Band begonnen". Damit ist vor allem Roger Waters gemeint, der spätestens hier seine Führungsrolle in der Band manifestierte. Waters übernahm die Leadvocals auf dem Album, nur auf Dogs teilte er sich die Gesangsarbeit mit David Gilmour. Die Songs stammen alle von Waters, nur auf Dogs konnte sich Gilmour als Co-Autor eintragen.

Das Album wird, wie eingangs erwähnt, von den akustischen Songs "Pigs on the Wing, Pt. 1" und "Pt. 2" eingerahmt. Beide Songs sind reine Solowerke von Waters, es handelt sich um akustische Songs, die wie ein Mix aus Lovesong und anklagendem Folksong klingen. "Dogs" beginnt gemächlich mit Akustikgitarrensounds und schöne Keyboardeffekten. Das geht ruhig weiter, bis Waters zum Kern der Sache kommt und den Hörer mit kurzen und harten Einwürfen aus der Lethargie reisst, um ihn dann wieder in einen ruhigen Part zu führen. In der Folge gibt vor allem Gilmour mit seinen harten und scheppernden Gitarrensounds Kante und reisst den Song immer wieder aus gemächlichen Fahrwassern. Bemerkenswert ist der schleppende und funky Part nach knapp siebeneinhalb Minuten Laufzeit, dem wiederum ein experimenteller Teil folgt. Und das beste kommt dann auch noch zum Schluss, das Outro ist vorzüglich gestaltet. Der Song läuft über 17 Minuten und wirkt nie langweilig, die Gitarrenparts von Gilmour sind äußerst gelungen und Waters setzt die Grundstimmung musikalisch kongenial um.

"Pigs (Three Different Ones)" beginnt mit Schweinegegrunze, das durch Synthesizersounds erzeugt wird. Dazu wird eine schöne und fast liebliche Orgelmelodie vorgelegt, die von Waters durch prägnante Basslines ergänzt wird. Gilmour steuert wieder scheppernde Rhythmusgitarren dazu und der Song geht in einen schönen groovigen Rocksong über. Nach ca. 4 Minuten Laufzeit wird es experimenteller, wobei der Spannungsbogen dynamischen erhöht wird. Gut passend sind die an übel gelaunte Schweine erinnernden Sounds, welche wohl mit Mouthtube eingespielt wurden. Am Ende dieses Parts nimmt die Band wieder das Anfangsthema auf. Wieder klingt der Song musikalisch und inhaltlich rund und schlüssig, wieder gibt die Band am Ende richtig Gas und gestaltet ein bemerkenswertes Outro.

"Sheep" beginnt, kaum zu glauben, mit Schafgeblöke. Dazu gibt es herrliche relaxte E-Piano Sounds, die vom E-Bass subtil angetrieben werden. Waters gibt dem Geschehen mit seinen Basslines mehr und mehr Drive, nach knapp 1:40 Minuten mündet das in einen angenehm rockigen Part. Der wird fulminant gesteigert, Waters brüllt bisweilen fast hysterisch, was den Steigerungen eine ganz eigene Note gibt. Genial wirkt der erste Break nach knapp 3:50, der in einen tollen Instrumentalpart mündet. Dieser Part steigert sich kurz und heftig, um wieder in einen verspielten Part zu münden. Das läuft in der Art weiter, um schließlich wieder in das rockige Anfangsthema zu münden. Und was kommt dann? Nach knapp 8 Minuten Laufzeit startet die Band in das Outro. Was soll man sagen, das Outro hat es wieder in sich.

Fazit Es gibt Alben, die entfalten eine überwältigende Wirkung auf einen. Man kann nicht immer sagen, warum das so ist, es ist eben so. So ein Album ist Animals für mich. Es ist, nach meinem Empfinden, das beste Pink Floyd Album. Der Song Dogs ist möglicherweise einer der besten Pink Floyd Songs überhaupt. Alle anderen Songs sind hochklassig, alleine die Outros der drei Hauptsongs reichen schon aus, um zu überzeugen. Dabei ist es sonderbarerweise so, dass gerade dieses Album polarisiert. Die Band (zumindest Gilmour und Wright) mochten das Album wohl nicht, viele Fans mögen es nicht. Kritiker in England mochten es bei Erscheinen, Kritiker in den USA nicht. Ein durch und durch bemerkenswertes Album ist Animals in jedem Fall. Water klang selten zynischer und sozialkritischer. David Gilmour spielt stellenweise wie entfesselt auf, selbst der schon etwas abgeschriebene Wright bringt schöne Keyboardparts ein und Mason drummt gut. Vielleicht macht diese ganze kuriose Geschichte um das Album Animals für viele Betrachter zum besten Floyd Album aller Zeiten. Irgendwie hat dieses Album eine Reibung, die anderen glattpolierten Pink Floyd Alben gänzlich fehlt. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass dieses Album nie eine echte Chance hatte, da Floyd das Material (abgesehen von der Animals Tour) bald vergessen machen wollten.

Trackliste

  1. Pigs on the Wing, Pt. 1 (Waters) 1:24
  2. Dogs (Gilmour, Waters) 17:06
  3. Pigs (Three Different Ones) (Waters) 11:28
  4. Sheep (Waters) 10:21
  5. Pigs on the Wing, Pt. 2 (Waters) 1:27

Rezensent: MP

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