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Albumbesprechung Pink Floyd - The Piper at the Gates of Dawn

Interpret: Pink Floyd

Titel: The Piper at the Gates of Dawn

Erscheinungsjahr: 1967

Genre: Psychedelic-Rock, Space-Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

The Piper at the Gates of Dawn ist der Titel des Debütalbums der Band Pink Floyd. Das Album erschien im Jahr 1967 in der Besetzung Syd Barret, Nick Mason, Roger Waters und Rick Wright.

Das Debütalbum schaffte es in Großbritannien immerhin auf Rang 6 der Albumcharts. Die Kritiken waren uneinheitlich, einige sahen in Pink Floyd die Zukunft der psychedelischen Rockmusik, die New Society sprach von einer kosmischen Elegie. Andere wiederum nannten das Album einfach nur langweilig. Besonders interessant vielleicht der NME, der das Album einmal sehr zurückhaltend bewertete, andererseits eben dieses Album zu den wichtigen Alben des Jahre 1967 zählte. Im Nachhinein muss man vielleicht etwas zu den Besonderheiten der Band und der Zeit berücksichtigen.

Pink Floyd im Jahr 1967

Die Band entstand aus mehreren scheinbar unabhängigen Projekten, welche sich wie viele andere Bands jener Zeit zunächst vor allem als Coverbands versuchten. Als die Band zusammenfand, waren die Musiker technisch nur bedingt versiert. Mason war damals wohl kein besonders guter Drummer. Aber er wurde als der Ringo Starr der Band bezeichnet, d. h. aus der Not machte Mason ein Tugend und begann einen sehr individuellen Stil zu erzeugen. Waters kam eigentlich von der Gitarre, musste jedoch irgendwann auf den Bass ausweichen. Der Bass hat ihm überhaupt nicht zusagt, aber die Angst davor, irgendwann als Drummer zu enden, soll gem. Originalzitat von Waters dafür gesorgt haben, dass er beim Bass blieb. Seine Situation war ähnlich wie die von Mason: Waters war zunächst nicht sonderlich gut als Bassist. Er begann zu der Zeit jedoch, seinen speziellen Stil zu finden. Syd Barrett galt nicht als besonders versierter Gitarrist. Aber er galt als ungemein charismatisch und phantasievoll, wodurch er gewisse technische Schwächen ausgleichen konnte. Einzig Rick Wright war in der Band jemand, der eine gewisse fundierte musikalische Ausbildung vorweisen konnte. Viele sahen in ihm sogar den eigentlichen Leader der frühen Pink Floyd, allerdings konnte sich Wright nie innerhalb der Band durchsetzen.

Die mangelnde Kompetenz der Musiker war zunächst ein Problem für Pink Floyd. Sie konnten nicht mit den vielen anderen Coverbands konkurrieren. Aber sie machten auch aus der Not eine Tugend: die Band nahm simple Grundideen, welche sie im Rahmen ihrer Konzerte in die Länge zog. Daraus entstand ein improvisierter bzw. eher improvisatorischer Zugang, der zu der damaligen Zeit psychedelisch und dadurch sehr zeitgemäß klang. So wurden ihre Gigs schnell legendär und die Band wurde bald zu einer Größer der Londoner Undergroundszene.

Daraus entstand das Angebot, ein Album aufzunehmen. Dessen Realisierung wiederum wurde in starkem Maß vom damaligen Plattenproduzenten gesteuert, der auf der Platte kompaktes Material haben wollte. Erstaunlicherweise war das wohl auch etwas, was der damalige Ideenproduzent Barrett wollte. Er sprach zumindest immer davon, dass er Popstar sein wollte und nichts anderes. Die Band soll sich zu der Zeit außerdem immer wieder klar gegen die Einstufung als psychedelisch gewehrt haben.

Das Album

Aus dieser Betrachtung ergibt sich eine etwas sonderbare Situation. Eine Band, welche im Londoner Underground so extrem populär war, die aber ihrerseits nicht als psychedelisch bewertet werden wollte. Da kann so ein Album im Grund nur verwirren. Dazu kommt die immer wieder diskutierte Personalie Syd Barrett. Ein ungemein charismatischer und wohl auch talentierter Mensch, dessen Persönlichkeit jedoch mehr als fragil zu sein schien. Er war damals der musikalische Taktgeber der Band. So gesehen wird The Piper heute auch als wichtiger Nachlass des 2006 verstorbenen Syd Barrett und als wichtiges Psychedelic-Rock Album betrachtet.

Syd Barrett komponierte und sang den Großteil der Songs, er spielte die Gitarren ein. Den Albumtitel bezog er auf ein Kapitel aus dem Kinderbuch der Wind in den Weiden (The Wind In The Willows). Inhaltlich spannte Barrett den Bogen von Kinderliedähnlichen Themen bis hin zu märchenhaften Geschichten über Elfen, Gnome und Feen. Musikalisch war The Piper At The Gates dann auch tatsächlich eine Art Konzentration der langen Live-Trips auf vergleichsweise kurze und oft recht eingängige Tracks (sieht man mal von Interstellar Overdrive ab).

Die Songs

Astronomy Domine macht den Auftakt und dieser Song ist eines der besten Beispiele für die psychedelische Songwriterkunst Barretts. Vielleicht einer seiner genialsten Momente und ein Paradebeispiel für den frühen Psychedelic. Damit legten Pink Floyd aber gleich auch ein echtes Pfund vor. Die einzigartige Klasse dieses Tracks erreichte die Band vielleicht noch mit Interstellar Overdrive, ebenfalls eine Art Psychedelic Klassiker. In diese psychedelische Kerbe haute am ehesten noch Pow R. Toc H, welches im direkten Vergleich zu Interstellar Overdrive aber vergleichsweise eingängig wirkt.

Dazu kommen die kurzen Barrett Songs, welche einerseits eingängig sind, andererseits aber immer wieder mit kleinen Gimmicks überraschen. Gerade diese speziellen Geräusche konnten Pink Floyd damals mühelos in seine Songs einbauen, ohne die Songstruktur zu zerstören. Diese Songs weisen mal mehr psychedelische Elemente auf (Matilda Mother, Chapter 24, Scarecrow und Bike), mal weniger (The Gnome und Flaming). Einzig der etwas sonderbare Surf-Rock/Beat Verschnitt Luficer Sam hat m. E. nichts mit Psychedelic zu tun.

Zu erwähnen wäre noch die einzige Waters Komposition Take Up Thy Stethoscope And Walk. Ein wirrer Song, der scheinbar im Versuchsstadium hängengeblieben ist. Das wiederum erzeugt aber auch interessante Effekte.

Fazit The Piper At The Gates Of Dawn ist das erste offizielle musikalische Statement einer Band, welche damals zu Popstars werden wollte (was später bekanntlich bestens gelang). Ob die Band nun nur aufgrund fehlender instrumentaler Möglichkeiten oder aufgrund des etwas wirren Syd Barrett zu den Helden des frühen Psychedelic wurde, ist eigentlich egal. Mit ihrem Debütalbum legten sie eines der wichtigen Alben dieses Genres vor, die häufig gezogenen Vergleiche zum ebenfalls 1967 erschienenen Sgt. Pepper der Beatles halte ich persönlich für wenig sinnvoll. Es sind letztlich zwei unterschiedliche Paare Schuhe. Songs wie Astronomy Domine, Interstellar Overdrive oder Pow R. Toc H würde ich in jedem Fall zu den wichtigen frühen Psychedelic Songs zählen. Auch bei den anderen durchaus eingängigeren Songs spart die Band nicht an Gimmicks und Collagen und baute diese sogar recht gekonnt ein. So gelang es dann doch, dass die Band die Hörer zumindest stellenweise auf psychedelische Kurztripps schicken konnte. The Piper At The Gates Of Dawn würde ich daher zu den wichtigen Alben der Rockmusik zählen

Trackliste

UK-Version

  1. Astronomy Domine 4:12
  2. Lucifer Sam 3:07
  3. Matilda Mother 3:08
  4. Flaming 2:46
  5. Pow R. Toc H. (Barrett, Roger Waters, Wright, Nick Mason)4:26
  6. Take Up Thy Stethoscope and Walk (Waters) 3:05
  7. Interstellar Overdrive (Barrett, Waters, Wright, Mason)9:41
  8. The Gnome 2:13
  9. Chapter 24 3:42
  10. Scarecrow 2:11
  11. Bike 3:21

US-Version

  1. See Emily Play 2:53
  2. Pow R. Toc H. (Barrett, Waters, Wright, Mason)4:26
  3. Take Up Thy Stethoscope and Walk (Waters) 3:05
  4. Lucifer Sam 3:07
  5. Matilda Mother 3:08
  6. Scarecrow 2:11
  7. The Gnome 2:13
  8. Chapter 24 3:42
  9. Interstellar Overdrive (Barrett, Waters, Wright, Mason) 9:41

Alle Songs Syd Barrett sofern nicht anders vermerkt

Rezensent: MP