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Albumbesprechung Robert Plant, Alison Krauss - Raising Sand

Interpret: Robert Plant, Alison Krauss

Titel: Raising Sand

Erscheinungsjahr: 2007

Genre: Americana, Folk-Rock, Country-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Raising Sand ist ein Duoalbum von Robert Plant und Alison Krauss. Das 2007 veröffentlichte Album wurde ein großer Erfolg, 2009 gewann das Album alle Grammys, für die es nominiert war: Album of the Year; Best Contemporary Folk/Americana Album; Record of the Year (Please Read the Letter); Best Pop Collaboration with Vocals (Rich Woman) und Best Country Collaboration with Vocals (Killing the Blues).

Diese Grammy Awards sind, egal wie man zur Auszeichnung steht, beachtlich. Zumindest was die Anzahl betrifft. Auch die Bewertungen waren allgemein fast überschwänglich, es fand sich kaum irgendwo eine schlechte Kritik zu dem Album. Der kommerzielle Erfolg war ebenfalls gut. Das Album stieg auf Platz 2 der US Billboard 200 ein. Nachdem es die Grammys im Jahr 2009 gab, stieg das Album noch einmal in verschiedene Charts ein. Von der RIAA gab es 2008 Platin für das Album, Platin gab es u. a. auch in Großbritannien und in Schweden.

Diese Zusammenarbeit von Plant und Krauss war schon etwas besonderes. Plant dürfte der Masse vor allem als ehemaliger Sänger Led Zeppelins bekannt sein. Krauss dagegen ist in den USA ein Superstar des Bluegrass. Man kann so etwas nicht einfach zusammenwerfen, dazu bedarf es einer führenden Hand. Die fand sich hier in T-Bone Burnett. Der fungierte als Produzent und wählte wohl auch größtenteils die Songs aus, welche von Krauss und Plant eingespielt wurden. Außerdem dürften die Musiker ein weiterer Garant für den Erfolg gewesen sein. Burnett holte einige echte Größen der Studioszene. Jay Bellerose ist einer der meistgebuchten Session-Drummer in den USA, ähnliches gilt für den Gitarristen Marc Ribot, Pedal Steel Player Greg Leizs und den Bassisten Dennis Crouch. Burnett selbst muss man auch zu den bekannteren Musiker der USA zählen, dazu kommen noch weitere exzellente Musiker und nicht vergessen sollte man, dass Sängerin Krauss selbst eine fantastische Fiddle Spielerin ist.

Eingespielt werden praktisch nur Coverversionen, u. a. vom früheren Byrds Musiker Gene Clark, den Everly Brothers, Page und Plant, Doc Watson, Tom Waits und Towns van Zandt. Plant und Krauss bewegen sich damit vorwiegend im breiten Feld des Americana - von Folk über Blues bis Country. Die gesangliche Zusammenarbeit von Plant und Krauss funktioniert erstaunlich gut, wobei keiner so richtig nach vorne geht. Gerade bei Plant überrascht das, ich hätte ihn druckvoller erwartet.

Die Songs

  • "Rich Woman" klingt bei lässigem Groove und extremen Tremolosounds der Gitarre nach erdigem Americana. Gesanglich kommen Erinnerungen an die späten 1950er auf, womit man sicherlich auch dem Original von L'il Millet And His Creoles von 1955 huldigt.
  • "Killing the Blues" ist ein verträumter Song mit hohem Countryanteil und stimmigen Vokalharmonien.
  • "Sister Rosetta Goes Before Us" klingt mit den Banjoparts und sparsamen Percussionparts recht verschroben Richtung Folk mit einer subtilen Chansonnote.
  • "Polly Come Home" ist eine Art Folkballade, die ebenfalls etwas verschroben klingt.
  • "Gone Gone Gone (Done Moved On)" ist der erste Song, der nach dem Rocksänger Plant klingt, auch wenn Plant den Everly Brothers Song mit angezogener Handbremse rockt.
  • "Through the Morning, Through the Night" ist ein countrylastiger Folk mit massivem Steelguitar Einsatz. Auch inhaltlich ist das typisch Country - eine Liebesgeschichte aus Sicht eines Outlaws.
  • "Please Read the Letter" wirkt wie ein Mix aus Country und Led Zeppelin, was wenig verwundert, weil der Song schon einmal von Plant für das Page And Plant Album Walking Into Clarksdale eingespielt wurde.
  • "Trampled Rose" ist ein verspielter, balladesker Song mit Banjosounds und klassisch folkigem Gesang von Krauss.
  • "Fortune Teller" klingt, ähnlich wie Rich Woman, nach erdigen Americana Sounds.
  • "Stick With Me Baby" ist eine alte Ballade, die als harmonischer Popsong mit Anleihen an Folk und Country und viel 60s Flair präsentiert wird.
  • "Nothin'" betont mit stellenweise heftigen Gitarrensounds wieder den Rocker Plant. Aber auch hier ist es Rock mit angezogener Handbremse, die hart riffenden Gitarren sind doch sehr weit nach hinten gemischt.
  • "Let Your Loss Be Your Lesson" ist ein netter Song, der gut aus der frühen Countryrockphase Ende 1960er/Anfang 1970er hätte stammen können. Interessant finde ich die Anspielungen an den Laid-Back groovenden Swampsound etwa eines J. J. Cale.
  • "Your Long Journey" wirkt wie ein klassischer Folksong des englischen Folkrevival bzw. den Folksongs der Led Zeppelinphase.

Fazit Krauss und Plant präsentieren unter den Fittichen von T-Bone Burnett ein nettes Album mit starkem Bezug zu Americana, Folk und Country. Produktionstechnisch ist das ebenso erste Sahne wie musikalisch. Hier dominiert nicht der Rock, sondern ein verhaltener und ruhig instrumentierter Stil. Dazu passen die Duogesänge von Plant und Krauss (so sie überhaupt stattfinden) gut. Plant würde man normal weiter vorne sehen, aber selbst in den Solopassagen fügt er sich harmonisch und unaufdringlich in diese Art Musik ein. Krauss und Plant können so jederzeit eine schöne Stimmung aufbauen. Da gibt es eigentlich nicht viel zu mäkeln, aber genau genommen haben sowohl Plant als auch Krauss auf Soloalben schon besser abgeliefert, auch das Rockerherz durstet nach mehr. Manchmal klingt das schon äußerst unaufgeregt und wo Plant draufsteht, hätte man eigentlich etwas mehr Rock erwartet - wo Krauss draufsteht etwas interessanteren Bluegrass. Es ist für mich so ein Problem mit diesen Americana-Alben, welche man mit namhaften Künstlern auf den Markt wirft: alles irgendwie perfekt eingespielt und hörenswert, aber alles auch sehr kühl kalkuliert.

 

Trackliste

  1. Rich Woman (Dorothy LaBostrie, McKinley Millet) 4:04
  2. Killing the Blues (Roly Jon Salley) 4:16
  3. Sister Rosetta Goes Before Us (Sam Phillips) 3:26
  4. Polly Come Home (Gene Clark) 5:36
  5. Gone Gone Gone (Done Moved On) (Don Everly, Phil Everly) 3:33
  6. Through the Morning, Through the Night (Gene Clark) 4:01
  7. Please Read the Letter (Charlie Jones, Michael Lee, Jimmy Page, Robert Plant) 5:53
  8. Trampled Rose (Kathleen Brennan, Tom Waits) 5:34
  9. Fortune Teller (Naomi Neville) 4:30
  10. Stick With Me Baby (Mel Tillis) 2:50
  11. Nothin' (Townes Van Zandt) 5:33
  12. Let Your Loss Be Your Lesson (Milton Campbell) 4:02
  13. Your Long Journey (Doc Watson, Rosa Lee Watson) 3:55

Rezensent: MP