Psychedelic, Psychedelic-Rock, Neo-Psychedelia, Acid-Rock

Psychedelische Musik ist ein Oberbegriff für verschiedene Psychedelic-Stile aus Rock, Pop und Soul. Der Begriff bezieht sich auf den Kulturbegriff Psychedelic bzw. die Psychdelic-Bewegung. Die Psychedelic Welle entstand vor allem durch die Popularisierung des Rauschmittels LSD, welches in den 1960ern zuerst legal konsumierbar war und eine große Verbreitung in kulturellen Kreisen erreichte.

Die Psychedelische Musik hat dementsprechend viel mit dem Experimentieren mit Drogen zu, dies wird auch durch die Bezeichnung Acid-Rock klar. Acid-Rock bezeichnet letztlich nichts anderes als Psychedelic-Rock. Musiker der Psychedelic-Phase nutzten alle erdenklichen neuen Produktionstechniken und Effekte, man band Musik aus anderen Kulturkreisen ein. Stilprägend war hier vor allem die Nutzung von indianischer und fernöstlicher Musik z. B. aus Indien. Hier entstand mit dem Raga-Rock genau genommen eine eigene Stilrichtung, welche man aber dem Psychedelic zuordnete. Damit fanden auch eher exotische Instrumente Einzug in die Welt aus Rock und Pop, mit Indien z. B. Sitar und Tabla.

Psychedelische Musik war sehr progressiv, weil die Musiker (oft unter Drogeneinfluss) die Grenzen der bestehenden Popmusik aufzubrechen versuchten. Es wurden alle möglichen Instrumente eingesetzt, die Songs durften gerne komplex und verschachtelt sein. Im klassischen Psychedelic wurden auch sehr lange Songs verwirklicht, deren Grenzen oft nur durch die begrenzten Laufzeiten der damaligen Schallplatten vorgegeben waren. Die textlichen Botschaften durften gerne spirituell und etwas abgehoben bis komplett unverständlich wirken. Je nach Ausgestaltung wurden lange instrumentale und oft improvisierte Teile gegeben. Man nutzte alle möglichen Effekte für die Instrumente, außerdem wurden unzählige Studioeffekte eingesetzt. Typisch waren z. B. rückwärts-laufende Tonspuren und vor allen die intensive Nutzung des Phasing Effekten oder räumlichen Effekten wie Hall und Delay mit Ping-Pong Effekten (Seitenwechsel im Stereo-Panorama).

Psychedelische Musik wird als ungemein wichtig für die weitere Entwicklung der Rockmusik betrachtet. Fachleute gehen davon aus, dass der Psychedelic im Prinzip die Initialzündung für den Prog-Rock und den modernen Jazz-Rock/Jazz Fusion war. Auch der deutsche Krautrock dürfte sich hier erste Inspirationen geholt haben. Ebenso dürfte der Psychedelic für moderne Stile wie Acid-House und Trance (vor allem Goa-Trance) eine wichtige Grundlage sein.

Über die Entstehung der Psychedelic Music kann man, wie so oft, trefflich diskutieren. Erste Zentren waren aber mit Sicherheit die USA und England.

Psychedelic in den USA

Als erste Psychedelic-Band haben sich selbst die Texaner 13th Floor Elevators bezeichnet. Das war Ende 1965. Eines der ersten psychedelischen Events soll aber ein Konzert der Charlatans im Jahr 1965 gewesen sein, das vor allem aufgrund der neuartigen Lightshow auffiel.

In den USA war San Francisco zweifellos das Zentrum der psychedelischen Szene. Vor allem die Bay Area Szene mit ihrem San Francisco Sound produzierte einige wichtige Bands des Psychdelic wie The Grateful Dead, Country Joe and the Fish, The Great Society, Big Brother and the Holding Company, The Charlatans, Moby Grape, Quicksilver Messenger Service, Jefferson Airplane oder Blue Cheer.

Allerdings war an der Westküste auch Los Angeles in starkem Maß beteiligt. Von dort kamen gewichtige Bands und Interpreten wie The Byrds, Iron Butterfly, Love, Spirit, Captain Beefheart and his Magic Band, The United States of America, The West Coast Pop Art Experimental Band und die Electric Prunes.

Ebenfalls aus L. A. kam eine der kommerziell erfolgreichsten Psychedelic-Bands, die Doors. Auch die Surfband Beach Boys trug mit dem legendären Konzeptalbum Pet Sounds etwas zum Psychedelic bei.

Eine kleinere Szene gab es in New York mit Bands wie The Fugs, The Godz, Pearls Before Swine, Blues Magoos, Blues Project, Lothar and the Hand People und den Vanilla Fudge.

Aus Detroit stammten die damals recht bekannten Amboy Dukes (mit Gitarrist Ted Nugent), aus Texas u. a. die eingangs genannten 13th Floor Elevators.

Psychedelic in England

Aus den USA schwappte die Psychedelic Bewegung schnell nach Europa, hier war vor allem England ein Zentrum und dort genau gesagt London. In und um London bildete sich früh eine rege Underground-Szene, welche immer wieder psychedelische Events anbot.

Allerdings war eine der ersten Bands, welche psychedelische Elemente präsentierte, die Beatles. Sie probierten sehr früh einiges aus, machte früh ihre ersten Drogenerfahrungen und ihre Indientripps waren legendär. Vor allem George Harrison wurde berühmt durch den intensiven Gebrauch der Sitar. Als die Szene in England so richtig brummte, hatten die Beatles ihre psychedelische Phase fast schon hinter sich gelassen.

Neben den Beatles arbeiteten in England Bands wie die Yardbirds, die Small Faces und die Who relativ früh mit psychedelischen Motiven und Elementen. Eine der Vorzeigebands waren allerdings Pink Floyd um den legendären Syd Barret. Ihnen gelangen mit surrealistischen Werken wie The Pipers At The Gates of Dawn bzw. Singles wie Arnold Lane und See Emily Play im Jahr 1967 beachtliche Erfolge. Die Konzerte von Pink Floyd waren mit ihrer Show und dem neuartigen Panoramasound legendär und wegweisend. Kurz später folgte Jimi Hendrix mit seiner Beschreibung der Wunderpille Purple Haze. Wesentlich später folgten die Stones mit ihrem insgesamt verunglückten Album Their Satanic Majesties Request. Weitere bekannte englische Bands aus dem Bereich Psychedelic waren außerdem Traffic, Soft Machine, Cream, The Crazy World of Arthur Brown, Procul Harum, die Moody Blues oder etwa The Nice.

Entwicklung in anderen Ländern

In Deutschland machten sich gegen Ende der klassischen Psychedelic Phase die ersten Bands auf den Weg, welche bald den legendären Krautrock kreieren sollten. Auch in Nachbarländern wie den Niederlanden und in Dänemark formierten sich kleine, aber feine Psychedelic Szene. Stark vom englischen Psychedelic beeinflusst waren traditionell Australien und Neuseeland. Hier werden vor allem die Easybeats genannt, aber auch die Bee Gees werden in dem Zusammenhang genannt. Beide waren aber im Grund genommen eher reine Beat-/Popbands.

Interessante Szenen gab es außerdem in Ländern, welche man normalerweise kaum mit Rockmusik in Verbindung bringt (Kambodscha oder die Türkei etwa). Ebenso überraschend war die Verbreitung in Lateinamerika. In Japan nahm 1974 Osamu Kitajima ein hoch gelobtes psychedelisches Album auf.

Ende der heißen Phase und wie es weiterging

Oft kann man lesen, dass der Psychedelic um 1969 beendet war. Dies ist jedoch sehr restriktiv formuliert, zumal man psychedelische Elemente in der Rockmusik auch später noch vorfinden sollte. Aber sicherlich hatte der Psychedelic Rock ab Mitte der 1960er bis Ende der 1960er seine Hochphase.

In den USA erwuchs aus der Psychedelic Szene in erster Linie die Flower Power Generation, die sich auf Werte wie Love And Peace konzentrierte. Hier spielten Drogen zwar noch eine Rolle, aber nicht mehr die dominierende Rolle. Nachdem der freie Genuss von LSD untersagt wurde, verlegten sich viele Konsumenten eher auf die so genannten weichen Drogen. In den USA verlor sich vorerst auch die Idee dieser experimentellen Musik. Als Paradebeispiel mag Grateful Dead dienen, die sich auf ihrem bekanntesten Album Workingman's Dead im lupenreinen Westcoast-Sound mit ausgefeilten Vokalharmonien ergingen. Der Experimentalfaktor war hier gegen Null gegangen.

In England hielten wenige Band dem reinen Psychedelic die Treue. Hier müsste man vor allem die Band Hawkwind nennen, welche die Traditionen des Psychedelic mit ihrem Space-Rock eine Weile aufrecht hielt. In England folgte ansonsten auf den Psychedelic-Rock relativ nahtlos der ebenfalls experimentierfreudige und komplexe Progressive Rock. Hier wird in erster Linie das King Crimson Album In The Court Of The Crimson King genannt werden. Es gilt als erstes Prog-Album und bildet damit sozusagen die Nahstelle zwischen Psychedelic und Prog. Auch der Jazz-Rock von Colosseum wurzelt nach Ansicht von Fachleuten im Psychedelic-Rock. Selbst Glam-Rocker wie Marc Bolan und der frühe David Bowie hatten ihre Wurzeln im Psychedelic

In Deutschland entwickelte sich über den Psychedelic der Krautrock um Bands wie Amon Düül, Can, Faust, Neu!, Popol Vuh, Cluster, Kraftwerk und Tangerine Dream. Letztere formten dabei den klassischen Electronic Rock bzw. die Kosmische Musik heraus

Im Zuge des Postpunk der 1980er erwuchs das Interesse an experimenteller und komplexer Musik wieder. Vielleicht war man nach den vielen drei Akkord-Botschaften der vorangegangen Jahre wieder froh, wenn eine Band sich mal wieder zu einem vierten Akkord durchringen konnte. Etliche Bands besannen sich hier auf den klassischen Psychedelic und traten eine Neo-Psychedelia Bewegung los. Bekannte Vertreter waren Teardrop Explodes, Echo and the Bunnymen, The Church, Soft Boys. In den USA folgten Bands aus L. A., welche man dem Paisley Underground zuordnete.

Psychedelische Zitate kann und konnte man aber eigentlich in jeder Richtung irgendwann vernehmen. Beachtlich war die Nähe des Acid-House und des Trance mit dem Goa-Trance zum Psychedelic.

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