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CD-Kritik RPWL - Beyond Man And Time

Interpret: RPWL

Titel: Beyond Man And Time

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Art-Rock, Space-Rock, Prog-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Beyond Man And Time ist ein Album der deutschen Band RPWL. Das Album soll am 09.03.2012 erscheinen, es soll außerdem eine Bonus Edition mit Hörbuch geben.

RPWL hat sich an die Spitze deutscher Art-Rock/Progbands gespielt. Was um 1997 als Pink Floyd Coverband begann, hat sich verselbständigt. Die namensgebende Anfangsformation bestand aus Phil Paul Risettio (Schlagzeug), Chris Postl (Bass), Karlheinz Wallner (Gitarre) und Yogi Lang (Gesang und Keyboards). Das neue Album wird in der Besetzung Yogi Lang (vocals, keyboards), Kalle Wallner (guitars), Markus Jehle (keyboards), Werner Taus (bass) und Marc Turiaux (drums) eingespielt. Es ist die erste komplette Studioproduktion mit Drummer Marc Turiaux und Bassist Werner Taus.

Das 10-jährige Bandjubiläum wurde mit dem Album The Gentle Art Of Music zelebriert, nun hat sich die Band entschlossen, einen weiteren Schritt nach vorne zu gehen: mit Beyond Man And Time gibt es das erste Konzeptalbum der Band. Inhaltlich geht es der Band um den Stillstand des Geistes bzw. um Angepasstheit. Das Album soll, so Yogi Lang, sein:

Ein Plädoyer, keine Lyrik, keine Wissenschaft.

Aber dennoch gibt es Tiefgang genug, immerhin begibt sich der Protagonist auf eine Reise in Zarathustras Welt und trifft dort auf Charaktere wie the keeper of the cave, the willing blind, the scientist, the ugliest human, the creator, the shadow, the wise man in the desert und the fisherman. Eine interessante Story, wobei darüber sicherlich kontrovers diskutiert wird. Das gehört zum Business.

Mir persönlich gefällt es. Auch die musikalische Umsetzung ist gut gelungen. Im Gesamtdurchgang wirkt die Musik aufregend genug, um als Plädoyer durchgehen zu gehen. Sie ist aber andererseits nicht so komplex gestaltet, dass man von reiner Wissenschaft reden muss.

Die Songs

  • Der Introtrack "Transformed" klingt angenehm spacig und eröffnet das Konzeptalbum als kurzes Instrumental stilgerecht.
  • Mit "We Are What We Are (The Keeper)" legt die Band gleich ein echtes Schmankerl vor. Um das auf einen Punkt zu bringen: so hätte ich mir die Entwicklung von Pink Floyd gegen Ende ihrer Karriere gewünscht.
  • "Beyond Man And Time (The Blind)" lebt vor allem von spacigen Gilmourzitaten mit Anleihen an klassische Floydsounds wie einem Adept eines Shine On You Crazy Diamonds Argeggios. Insgesamt erhält sich die Band aber genug Eigenständigkeit und legt einen stimmigen Song vor.
  • "Unchain the Earth (The Scientist)" beginnt mit schönen Klangmalereien. Mit Einsetzen des Grooves erinnert mich die Band an die Spätphase von Eloy, mit dem Gesang gibt es gewisse Vergleichbarkeiten zu Alan Parsons aus deren Pop-Phase. Insgesamt ein äußerst eingängiger Song, nicht schlecht, aber doch nicht ganz das Kaliber der Vorgängersongs.
  • "The Ugliest Man in the World (The Ugly)" legt klar zu. Der Song klingt in den rockigen Parts nach modernem Art-rock (Porcupine Tree). Interessant und gut gelungen sind die dynamischen Wechsel und die spacigen Keyboardparts, die soundmäßig zwischen klassischen Manfred Mann und klassischem Eloy-Krautrock pendeln.
  • "The Road of Creation (The Creator)" wird von einem korrespondieren Gesangs- /Gitarrenpart getragen. In den Steigerungen klingt das wieder relativ modern, besitzt aber meines Erachtens auch eine gewisse Vergleichbarkeit zu klassischen Eloysounds.
  • "Somewhere in Between (The Dream of Saying Yes)" ist ein getragener, kurzer Song mit schönen Keyboardvoicings und sphärischen Gitarrenleads wieder in Pink Floyd Tradition.
  • "The Shadow" nähert sich in starkem Maß dem AOR mit einem rollenden Rhythmus und sehr eingängigen Parts.
  • "The Wise in the Desert" ist eine zweiteilige kleine Etüde, die mit den spacigen Chorussounds sehr mysteriös und klassisch Floyd klingt.
  • Mit "The Fisherman" folgt die nächste Etüde. Sie ist dreiteilig und mit über 16 Minuten der längste Track des Albums. Der längste Track darf natürlich nicht enttäuschen, sonst wäre das Album wenig wert. RPWL kriegen die Kurve locker. Sie legen einen Songzyklus vor, der sozusagen das Beste der Band in diesen einen Song packt. Da treffen sphärische und spacige Floydparts auf retroproggige Genesisparts, krautiges Richtung Eloy auf moderner klingendes Art-Rockmaterial. Well Done, der längste Track ist das Herzstück des Albums geworden. Vor allem Progfans sollten hier auf ihre Kosten kommen.
  • Zum Abschluss gibt es mit "The Noon (The Eternal Moment of Return)" eine balladeske Reminiszenz an die 80er Jahre Pink Floyd, die einen stimmigen Abschluss bildet.

Fazit RPWL auf der Höhe des Zenits? Eine überflüssige Floskel, die aber immer wieder gerne verwendet wird. Immerhin ist die Band schon über 10 Jahre ordentlich im Geschäft und hat sich einen guten Ruf in der Art-Rockszene erspielt. Das gipfelt nun irgendwie in diesem Konzeptalbum. RPWL klingen immer noch nach Pink Floyd, sie klingen stellenweise recht eingängig. Die Band präsentiert sich aber weder als reiner Pink Floyd Klon nach als Popband. Dazu ist die Musik von RPWL einfach zu einfalls- und facettenreich. Um die selten gerne gehörten Vergleich zu bemühen: ich meine mal Pink Floyd, mal Eloy, mal Manfred Mann's Earthband, mal Porcupine Tree oder Sounds a la Alan Parsons bis zu klassischen Genesis herauszuhören. Dabei drängen diese Sounds das Album aber nicht in eine bestimmte Ecke, sie geben dem Ganzen einfach Farbe. RPWL klingen nie wie ein reiner Klon einer anderen Band, obwohl die Nähe zu Pink Floyd natürlich bestehen bleibt, alleine wegen der sphärischen Gitarrenparts und der Gesangsparts, die immer wieder etwas nach Gilmour klingen. Musikalisch liegt das auf einem hohen Niveau, die Songs sind hervorragend konzipiert. Als Konzeptalbum klingt Beyond Man And Time in der Summe sehr stimmig. RPWL At Their Best, würde ich mal sagen wollen.

 

Trackliste

  1. Transformed
  2. We Are What We Are (The Keeper)
  3. Beyond Man and Time (The Blind)
  4. Unchain the Earth (The Scientist)
  5. The Ugliest Man in the World (The Ugly)
  6. The Road of Creation (The Creator)
  7. Somewhere in Between (The Dream of Saying Yes)
  8. The Shadow
  9. The Wise in the Desert
    1. The Wise in the Desert
    2. The Silenced Song
  10. The Fisherman
    1. High as a Mountain (Part 1)
    2. The Abyss
    3. High as a Mountain (Part 2)
  11. The Noon (The Eternal Moment of Return)

Rezensent: MP