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CD-Kritik Savatage - Handful of Rain

Interpret: Savatage

Titel: Handful of Rain

Erscheinungsjahr: 1994

Genre: Power Metal

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Handful of Rain ist das neunte Studioalbum der Band Savatage. Das Album erschien im Jahr 1994. Es war das Jahr, nachdem Leadgitarrist Criss Oliva tödlich verunglückt war. Der Verlust des großartigen Gitarristen wirkte sich auf die Band und die Produktion aus. Die Stimmung war gedämpft und düster. Jon Oliva versuchte über das Album den Tod seines Bruders zu verarbeiten, im Prinzip spielte er das Album dann auch fast im Alleingang ein.

Lange Zeit unklar: die Besetzung der Band

Drummer Steve Wacholz hatte die Band verlassen, seinen Platz nahm später Jeff Plate ein. Wacholz wurde zwar in den Credits aufgeführt, im Studio waren aber weder er noch Plate dabei. Jon Oliva bestätigte das später auch, er kümmerte sich selbst um die Drumparts. Auch Bassist Middleton war nicht dabei, ihn nahm der Tod Criss Oliva offenbar zu sehr mit.

Jon Oliva ging ins Studio und spielte das Material zunächst komplett selbst ein. Danach kam Zachary Stevens, um die Leadvocals einzusingen. Zum Schluss spielte Alex Skolnick die Leadgitarrenparts ein, die meisten Rhythmusparts von Jon Oliva blieben unverändert. Besonders die Gitarrenarbeit von Skolnick wurde von Fans immer wieder kritisiert. Allerdings war es so geregelt, dass Jon Oliva Alex freie Hand bezüglich der Gestaltung der Leadgitarrenbeiträge gab. Daher hielt sich Skolnick an seinem Stil und wollte Criss Oliva nicht kopieren. Alles keine optimalen Vorzeichen für ein neues Album. Tatsächlich kam das Album bei vielen Fans nicht ganz so gut an.

Die Songs

  • "Taunting Cobras" legt heftig los. Es ist ein Heavy Song mit Thrash-Anleihen, der so klingt, wie man es sich zu der Zeit von Metallica gewünscht hätte.
  • "Handful of Rain" beginnt verhaltener, legt aber nach und nach zu. Inhaltlich geht es um Ziele, Hoffnungen und Träume. Der Song funktioniert gut und klingt manchmal wie eine Heavy-Version von Bon Jovis Wanted Dead.
  • "Chance" ist einer der bemerkenswertesten Songs des Albums. Inhaltlich geht es um den japanischen Diplomaten Chiune Sugihara/Sempo Sugihara in Litauen in der Zeit des II. Weltkrieges. Er half Juden bei der Ausreise und rettete sie vor dem Tod. Eine Art Schindler's Liste Story. O'Neill und Oliva versuchten sich erstmals in einer Art Kontrapunktischem Gesang mit fünf Gesangsspuren. Der Song ist insgesamt recht komplex aufgebaut und klingt wie eine Minioper.
  • "Stare Into The Sun" handelt von der Anonymität in Großstädten. Musikalisch gibt es Anleihen an Pink Floyd Space-Rocksounds mit stimmigen Gitarrenmotiven von Skolnick.
  • "Castles Burning" ist ein typischer symphonischer Sava Song, die Story handelt von Giovanni Falcone, der 1992 in Italien von der Mafia getötet wurde.
  • "Visions" ist ein klassisch klingendes Instrumental, welches ein schönes Interlude ergibt.
  • "Watching You Fall" ist ein gut durchdachter Rocksong, der allerdings mit Heavy-Metal wenig bis nichts gemein hat.
  • "Nothing's Going On" drückt dafür wieder heavy auf die Tube, Skolnick präsentiert ein paar feine Gitarrenlicks. Allerdings geht der Song im Gesamtangebot etwas unter.
  • "Symmetry" beschreibt in melancholischer Form die Selbstmordneigung bei Musikern. Der Song wirkt dementsprechend bedeutungsschwanger, ist aber insgesamt ordentlich gelungen.
  • "Alone You Breathe" bildet abschließend das Tribut an Criss Oliva. Dazu nutzte man Akkordstruktur und Text des Songs Believe, der Song wurde nur in eine andere Tonart transponiert. Es bleibt eine schöne Pianonummer mit einigen kraftvollen Parts.

Fazit Handful of Rain ist ein schwer zu bewertendes Album. Es ist eine Art Trauerbewältigung um den Tod Criss Olivas und es ist eine Art Soloalbum von Jon Oliva, für das er letztlich nur Zak Stevens und Alex Skolnick ins Studio holte. Es ist daher kein typisches Sava Album, deshalb wird es auch sehr kontrovers diskutiert. Auch wenn man das eine oder andere mäkeln kann: Oliva legt ein gutes Album vor, O'Neill steuert wieder einmal tolle Geschichten bei. Die musikalische Bandbreite ist beachtlich, vom gefälligen Rock bis zum Heavy Metal wird alles geboten, dazu gibt es viele symphonische Parts und erstmals einen beachtlichen kontrapunktischen Gesang. Alex Skolnick liefert eine tadellose Leistung ab. Leider fallen die Gesangsbeiträge von Zak Stevens stark ab. Auch die Drums wirken stellenweise etwas drucklos. Ansonsten legt Jon Oliva aber ein vielschichtiges und unterbewertetes Album vor.

Trackliste

  1. Taunting Cobras (Jon Oliva) 3:21
  2. Handful of Rain (Jon Oliva) 5:01
  3. Chance (Jon Oliva, Paul O'Neill) 7:50
  4. Stare Into the Sun (Jon Oliva, Paul O'Neill) 4:43
  5. Castles Burning (Jon Oliva) 4:39
  6. Visions (Criss Oliva, Jon Oliva) 1:25
  7. Watching You Fall (Jon Oliva) 5:20
  8. Nothing's Going On (Jon Oliva, Paul O'Neill) 4:09
  9. Symmetry (Jon Oliva, Paul O'Neill) 5:04
  10. Alone You Breathe (Jon Oliva, Paul O'Neill)7:30

1997 Edel Music CD reissue

  • Somewhere in Time/Alone You Breathe (Acoustic version) 4:38

2002 SPV CD reissue

  • Chance (Radio Edit) 4:50
  • Alone You Breathe (Acoustic version) 4:38

2011 Reissue Bonus Tracks

  • Summer's Rain (Acoustiv Version Jon Oliva 2011) 5:20
  • Believe (acoustic Version) 3:52

Rezensent: MP